Der Angeklagte im sogenannten Amokfahrerprozess sitzt vor der Urteilsverkündung im Gerichtssaal. (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Pool | Harald Tittel)

Lebenslange Haftstrafe für Trierer Amokfahrer

  16.08.2022 | 18:22 Uhr

Der 52-jährige Autofahrer, der kurz vor Weihnachten 2020 durch die Trierer Fußgängerzone gerast war und dabei fünf Menschen getötet hatte, muss lebenslang in Haft. Die Richter am Landgericht Trier verurteilten ihn wegen Mordes und versuchten Mordes.

Im Prozess um die Amokfahrt von Trier ist das Urteil gefallen: Die Richter am Trierer Landgericht sahen als erwiesen an, dass ein 52-jähriger am 1. Dezember 2020 mit seinem Geländewagen mit einer Geschwindigkeit von 75 bis 90 Kilometern pro Stunde durch die Fußgängerzone in Trier gerast war, um möglichst viele Menschen zu töten oder zu verletzen.

Video [aktueller bericht, 17.08.2022, Länge: 3:03 Min.]
Was macht das Urteil des Trierer Amokfahrers mit den Hinterbliebenen?

Bei der Tat starben fünf Menschen: ein neun Wochen altes Baby, dessen Vater (45) und drei Frauen im Alter von 73, 52 und 25 Jahren. Ein 77-Jähriger starb elf Monate später. Zudem gab es zahlreiche Verletzte und 300 traumatisierte Augenzeugen.

Video [aktueller bericht, 16.08.2022, Länge: 2:50 Min.]
Amokfahrer zu lebenslanger Haft verurteilt

Die Trierer Richter verurteilten den Mann wegen Mordes und versuchten Mordes zu lebenslanger Haft, außerdem stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest. Deshalb kann der Angeklagte nicht schon nach 15 Jahren auf Bewährung aus dem Gefängnis kommen.

Verminderte Schuldfähigkeit

Wegen einer psychischen Erkrankung des Mannes hatten sich sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung dafür ausgesprochen, dass der Fahrer in einem geschlossenen psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird.

Nach dem Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen leidet der Mann an einer paranoiden Schizophrenie mit bizarren Wahnvorstellungen und ist vermindert schuldfähig. Laut Verteidigung kann er sich an den Tatzeitraum nicht erinnern.

Die Verteidiger hatten auch deshalb maximal 15 Jahre Haft gefordert.

Höchststrafe für Trierer Amokfahrer
Audio [SR 3, (c) SR 3, 16.08.2022, Länge: 03:09 Min.]
Höchststrafe für Trierer Amokfahrer

Angeklagter "frustriert"

Der gelernte Elektroinstallateur hatte den ganzen Prozess über zu den Vorwürfen geschwiegen. Laut Anklage war er zur Tatzeit alleinstehend, arbeitslos, ohne festen Wohnsitz und durch seine persönlichen Lebensumstände frustriert.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung erwägt, in Revision zu gehen. Sie will überprüfen lassen, ob der Angeklagte wegen einer psychischen Krankheit vermindert schuldfähig ist.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 16.08.2022 berichtet.

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