Eine Justitia-Statue (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Leitender Kriminaldirektor zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt

Thomas Gerber / Onlinefassung: Axel Wagner   16.02.2021 | 15:25 Uhr

Der leitende Kriminaldirektor und ehemalige Vizechef der Göttelborner Polizeihochschule Christof Baltes ist zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Das Landgericht bestätigte damit am Dienstag das Urteil aus erster Instanz wegen Nötigung in zwei Fällen.

Baltes soll im Sommer 2017 zwei Polizeistudenten genötigt haben, ihm ihre Handys zu übergeben. Anhand von WhatsApp-Protokollen wollte Baltes Unregelmäßigkeiten bei der juristischen Abschlussklausur nachweisen. Eine Dozentin soll den Studierenden Tipps für die Themen der Klausur gegeben haben. Gegen ein erstinstanzliches Urteil war Baltes in Berufung gegangen.

Richter: Befragung war „Inszenierung“

Der vorsitzende Richter bezeichnete die Befragung der Studierenden als eine „Inszenierung“, mit der die Betroffenen eingeschüchtert werden sollten. Zwar war die Klausur wegen dieses Verdachts bereits zuvor thematisch abgeändert worden und musste auch nicht wiederholt werden. Trotzdem kam es zu dem, was das Gericht als „Machtdemonstration“ bezeichnete.

Einzeln seien die beiden Polizeistudenten zur Vernehmung einbestellt worden, so der Richter. Baltes habe den jungen Leuten Angst eingejagt. Einer von ihnen sei gar in Tränen ausgebrochen, da ihm mit Entlassung gedroht worden sei. Schließlich sei ihr Widerstand gebrochen worden, die jungen Leute hätten Baltes ihre Handys übergeben.

Verteidiger: keine Nötigung

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Baltes‘ Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert und kündigte Revision an. Die Nötigung habe es nicht gegeben, die Studenten hätten ihre Handys letztlich freiwillig übergeben. Im Übrigen sei die Sache – nicht zuletzt durch die Medien – aufgebauscht worden.

Baltes war nach Bekanntwerden der Vorwürfe zum Landesinstitut für Präventives Handeln versetzt worden, wo er derzeit eine Stabsstelle leitet. Das Disziplinarverfahren gegen ihn ist noch nicht abgeschlossen.

Das Verfahren gegen einen Polizeirat, der an der Aktion beteiligt war, wurde zwischenzeitlich eingestellt. Er hatte sich bei den Studierenden entschuldigt und Schmerzensgeld in Höhe von jeweils 1500 Euro gezahlt.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 16.02.2021 berichtet.

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