Ärzte im Krankenhaus (Foto: dpa-Zentralbild | Waltraud Grubitzsch)

"Mit" oder "wegen" Corona im Krankenhaus?

Anne Staut   29.12.2021 | 13:28 Uhr

Von November bis Mitte Dezember sind in saarländischen Kliniken 382 Covidpatienten behandelt worden. Während bei Intensivpatienten in den meisten Fällen die Covid-Erkrankung auch der tatsächliche Behandlungsgrund war, war sie auf Normalstation häufig ein Nebenbefund. Für die Kliniken bedeutet aber auch das einen erhöhten Arbeitsaufwand.

In der Zeit vom 1. November bis 15. Dezember 2021, also vom erneuten Anstieg der Krankenhausbehandlungen wegen Covid-Erkrankungen Anfang November bis zum zwischenzeitlichen Höhepunkt Mitte Dezember, wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums in saarländischen Krankenhäusern 382 Personen mit einer Corona-Infektion behandelt.

181 Behandlungen wegen Corona

Davon kamen insgesamt 181 Personen und damit etwas weniger als die Hälfte tatsächlich wegen einer Corona-Infektion in die Klinik. In 129 Fällen - also gut einem Drittel der Fälle - wurden die Patienten wegen einer anderen Erkrankung ins Krankenhaus gebracht und dort zusätzlich positiv auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet.

In 72 weiteren Fällen ist die Ursache für den Krankenhausaufenthalt oder die Art der Station, auf der der Patient behandelt wurde (intensiv oder normal), nicht in der Statistik erfasst. Das liegt laut Ministerium daran, dass nicht alle notwendigen Informationen zeitnah ermittelt und in der Meldesoftware erfasst werden können.

Gleicher Behandlungsaufwand

Mit Blick auf die Belastung der Krankenhäuser - insbesondere auf den Normalstationen - macht es zunächst aber kaum einen Unterschied, ob die Patienten mit oder wegen Covid behandelt werden, sagte Dr. Matthias Reichert, Oberarzt der Klinik für Innere Medizin II an der Uniklinik Homburg. Alle Betroffenen müssten isoliert werden. Die Behandlung sei insbesondere auch für das Pflegepersonal sehr aufwändig und erfordere mehr Zeit.

"Insgesamt zieht eine SARS-CoV-2-Infektion deutlich aufwändigere und länger dauernde pflegerische und ärztliche Maßnahmen nach sich, die zusätzlich zum Aufwand der Grunderkrankung beziehungsweise des Schweregrades der SARS-CoV-2 Infektion bestehen, so Reichert.

Auch das Klinikum Saarbrücken verweist auf einen deutlichen Mehraufwand bei der Behandlung von Covidpatienten gegenüber Patienten ohne eine Coronainfektion. Auf der Isolierstation müsse derzeit doppelt so viel Personal eingesetzt werden wie auf einer regulären Normalstation, und das obwohl dort durch die Einzelzimmerbelegung in der Regel weniger Patienten zu versorgen seien.

41 Patienten wegen Corona auf Intensivstation

Auf der Intensivstation ist der Aufwand noch einmal deutlich höher. Und anders als auf der Normalstation wird dort die Mehrheit der Covid-Patienten auch tatsächlich wegen der Viruserkrankung behandelt.

Von 49 Personen, die im genannten Zeitraum mit einer Corona-Infektion neu auf der Intensivstation aufgenommen wurden, wurden 41 wegen der Covid-Erkrankung behandelt. In sieben weiteren Fällen waren die Patienten aufgrund einer anderen Erkrankung in intensivmedizinischer Behandlung. In einem Fall ist die Ursache unklar.

Mehraufwand auch auf Intensivstationen

Die Behandlung von Intensivpatienten mit einer Corona-Lungenentzündung dauert laut Klinikum Saarbrücken drei- bis viermal so lange wie bei Nicht-Corona-Patienten. Zum anderen seien auch hier die notwendigen Hygienemaßnahmen wie etwa das ständige Ein- und Auskleiden mit persönlicher Schutzausrüstung mit zusätzlichem Aufwand verbunden.

Bei Patienten, die wegen einer anderen Erkrankung behandelt werden und bei denen die Coronainfektion nur zufällig entdeckt wird, hänge der Betreuungsbedarf von der Schwere der Erkrankung ab, so der Leitende Oberarzt der Klinik für Innere Medizin in Homburg, Professor Philipp Lepper. Wenn bei den Betroffenen ein durch das Coronavirus hervorgerufenes Lugenversagen auftrete, steige der Betreuungsbedarf meist rasch an.

"Patienten, die nicht geimpft und Corona-positiv sind, entwickeln in der Mehrzahl der Fälle schwere Verlaufsformen von COVID-19", so Lepper.

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