Evakuierter Zug in Kirkel (Foto: Martin Brinkmann/SR)

Sturm löste viele Einsätze im Saarland aus

  21.10.2021 | 19:54 Uhr

Ein Sturmtief mit orkanartigen Böen hat im Saarland am Donnerstag über 300 Einsätze von Polizei und Feuerwehr ausgelöst. Besonders betroffen war der Regionalverband. Die Höhe der Sachschäden hielt sich aber nach ersten Bilanzen in Grenzen.

Ein Sturmtief hat in allen saarländischen Kreisen am Donnerstag für orkanartige Böen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 110 Kilometer pro Stunde gesorgt.

Mehr als 300 Feuerwehreinsätze

Bereits in der Nacht zu Donnerstag erreichten das Saarland teils schwere Sturmböen. Wie die Polizei dem SR mitteilte, wurde eine Person leicht verletzt.

Über 300 Mal mussten Polizei und Feuerwehr saarlandweit ausrücken. Die meisten Einsätze gab es nach Angaben der Führungs- und Lagezentrale am Donnerstagmorgen.

Besonders betroffen war laut Berufsfeuerwehr der Regionalverband Saarbrücken mit rund 90 Einsätzen. Unter anderem war dort ein Strommast in Brand geraten.

Video [aktueller bericht, 21.10.2021, Länge: 3:19 Min.]
Kaum große Sachschäden beim ersten Herbststurm des Jahres

30 Einsätze im Nordsaarland

Im Nordsaarland musste die Polizei nach eigenen Angaben zu insgesamt 30 Einsätzen ausrücken. In den meisten Fällen kam es demnach zu Behinderungen durch herabfallende Äste, umgestürzte Bäume oder Gegenstände wie Bauzäune oder Schilder.

Zudem gab es Straßensperrungen auf der L149 zwischen Nonnweiler und Hermeskeil und auf der L151 zwischen Wadern und Weiskirchen-Thailen. Dort wurde ein 54-Jähriger aus Weiskirchen leicht verletzt, als er über einen Feldweg auf die gesperrte Straße aufgefahren war und dort mit einem Baumstamm kollidierte.

Inzwischen hat sich die Lage im Saarland deutlich beruhigt. Die Aufräumarbeiten könnten aber länger dauern. Die Stadt Homburg geht etwa davon aus, dass die Reinigung mehrere Tage in Anspruch nehmen könnte. Auch Folgeschäden müssten zunächst noch bewertet werden.

Verspätungen bei Bus und Bahn

Im Busverkehr kam es zu Verspätungen, weil einige Buslinien nach Angaben der Saarbahn wegen Straßensperrungen Umleitungen fahren mussten.

Aber auch im Zugverkehr gab es Probleme. So war im Saarland die Strecke zwischen Trier und Saarbrücken betroffen.

Beim Privatbahnbetreiber Vlexx mussten mehrere Strecken gesperrt werden, darunter die Verbindung zwischen Saarbrücken und Sankt Wendel.

Sturmbilanz
Audio [SR 1, (c) SR 1, 21.10.2021, Länge: 02:10 Min.]
Sturmbilanz

Saarbahn ebenfalls betroffen

In Kirkel musste ein Zug wegen einer defekten Oberleitung evakuiert werden. Das hat die Bundespolizei dem SR bestätigt.

Bei Landsweiler stürzte ein Baum auf die Oberleitung. Die Saarbahnlinie S1 kann nach Unternehmensangaben derzeit zwischen Landsweiler Süd und Lebach nicht mehr fahren. Ein Schienenersatzverkehr sei eingerichtet.

In Saarbrücken hat es laut Stadtwerken auch Probleme im Busverkehr gegeben. Mehrere Linien mussten wegen Straßensperrungen Umleitungen fahren.

Auch in anderen Bundesländern ist der Bahnverkehr eingeschränkt. In Nordrhein-Westfalen musste etwa der komplette Fernverkehr eingestellt werden.

"Saarlandweit fast 300 Einsätze"
Audio [SR 3, Studiogespräch: Simin Sadeghi / Patrick Wiermer, 21.10.2021, Länge: 03:08 Min.]
"Saarlandweit fast 300 Einsätze"

Wetterbedingte Stromausfälle

In Walhausen, Gonnesweiler, Sötern und Türkismühle fiel kurzzeitig der Strom aus. Außerdem meldete der Energieversorger Energis Stromstörungen in den Bereichen Friedrichsthal, Merzig, Merchweiler, Schmelz, Losheim, Eppelborn, Nohfelden, Tholey, Namborn, Rehlingen-Siersburg und Oberthal.

Stromstörungen gab es auch im Netz der VSE. Alle Informationen zu den aktuellen Störungen und Entstörungen hat die VSE bei Twitter veröffentlicht.*

Die Saarbrücker Stadtwerke teilten dagegen mit, dass das Stromnetz von Saarbrücken weitestgehend verschont geblieben sei. Es habe vereinzelte Stromausfälle in den Außenbezirken gegeben, zwei Strommasten seien umgeknickt.

Einige Straßen wurden im Saarland überflutet. In Losheim wackelte ein Baukran derart bedenklich, dass zur Sicherheit die Feuerwehr anrücken musste. In Völklingen-Fenne wurden an einem Kirchturm lose Holzbohlen entfernt, die herunterzufallen drohten.

Wolfspark blieb geschlossen

Wegen des Sturms blieb auch der Wolfspark in Merzig am Donnerstag geschlossen. Das haben die Betreiber mitgeteilt. Mehrere Äste seien abgebrochen und hätten auch den Besucherweg getroffen. Den Wölfen geht es nach Angaben der Betreiber gut.

Aus Sicherheitsgründen bleiben auch der Baumwipfelpfad an der Cloef und der Wildpark Freisen geschlossen.

Zu den aktuellen Verkehrsmeldungen.

250.000 Haushalte in Frankreich ohne Strom

Das Sturmtief hat auch Auswirkungen auf Frankreich. In der saarländischen Nachbarregion Grand Est wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 170 Kilometer die Stunde gemessen. Die Folgen sind unter anderem abgetragene Dächer und umgestürzte Bäume.

In ganz Frankreich waren 250.000 Haushalte ohne Strom. Allein in Lothringen waren am Donnerstagmorgen 20.000 Haushalte betroffen. Inzwischen konnten dort laut dem Energieversorger Enedis wieder 12.000 Haushalte angeschlossen werden.

Probleme im Zugverkehr

Auch im Zugverkehr gibt es Probleme. Zugreisende nach Paris müssen wegen des Orkans weiterhin mit erheblichen Einschränkungen rechnen.

Entweder fällt der TGV/ICE aus oder sie werden mit dem Regionalexpress über Straßburg nach Paris geleitet.

Spätere Nutzung von Ticket möglich

Zum Teil setzt die SNCF auch Busse ein. Seit Donnerstagmittag fahren auch wieder erste Regionalzüge in Lothringen.

Eine Bahnsprecherin teilte dem SR mit, wer seine Reise heute wetterbedingt verschieben musste, könne sein Ticket noch die kommenden sieben Tage lang flexibel nutzen.

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Wer zahlt bei Sturmschäden

Zum tagesschau-Artikel: Wer zahlt bei Sturmschäden.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 21.10.2021 berichtet.

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