Berge von zerstörtem Mobiliar liegen nach dem Hochwasser der Kyll am Straßenrand (Foto: SR)

Viele Tote und Vermisste nach Hochwasser in Rheinland-Pfalz

 17.07.2021 | 09:53 Uhr

In Rheinland-Pfalz ist die Lage nach der Unwetterkatastrophe in den betroffenen Regionen weiterhin angespannt und unübersichtlich. Nach offiziellen Angaben sind in Rheinland-Pfalz bislang mindestens 90 Menschen ums Leben gekommen und es werden weiterhin zahlreiche Menschen vermisst. Die saarländischen Feuerwehren und Hilfsorganisationen haben laut dem Innneministerium seit Mittwoch rund 320 Helfer in das Nachbarland geschickt.

Die Hochwasserlage im Kreis Trier-Saarburg hat sich in der Nacht zu Samstag weiter stabilisiert. Die Pegelstände sinken weiterhin und es ist nichts von Toten im Landkreis bekannt. "Bei allen Verwüstungen und den enormen materiellen Schäden gerade für viele Privatpersonen - es ist ein Glück, dass wir keine Opfer beklagen mussten, wie dies leider in anderen Gemeinden der Fall ist", sagte Landrat Günther Schartz.

Unterstützung für Landkreis Ahrweiler

Schartz dankte den mehr als 4.200 Einsatzkräften, die seit Mittwoch im Einsatz waren für ihren unglaublich engagierten und mutigen Einsatz. Besonders beeindruckt habe ihn die Unterstützung aus dem Saarland, Baden-Württemberg und anderen Teilen von Rheinland-Pfalz.

In den Ortschaften an der Sauer müssen zwar noch einige Keller ausgepumpt werden, es konnten jedoch seit Freitagabend die überörtlichen Einsatzkräfte abgezogen werden. Diese seien nun zum Teil auf dem Weg ins Katastrophengebiet an der Ahr.

Dort sollen heute außerdem weitere Einsatzkräfte der Bundeswehr anrücken - mit Bergepanzern, schwerem Räumungsgerät und Hubschraubern.

Mindestens 90 Tote in Rheinland-Pfalz

Insgesamt ist die Zahl der Todesopfer in Rheinland-Pfalz weiter gestiegen. Mittlerweile sind mehr als 90 Menschen ums Leben gekommen und nach Angaben der Kreisverwaltung sei es wahrscheinlich, dass die Zahl weiter steige.

Wie viele Menschen noch vermisst werden ist laut Polizei weiter unklar. Handynetze und Telefonleitungen funktionieren zum Teil immer noch nicht. Zudem ist nach Angaben des Versorgers die Gasleitung komplett zerstört. Mehrere Kilometer Leitung müssten komplett neu gebaut werden.

Schlimm geroffen hat es auch Adenau in der Nähe von Koblenz. Dort sind in der Nacht zum Donnerstag wegen Überflutungen und Dauerregen sechs Häuser eingestürzt. Eine Vielzahl von weiteren Häusern ist laut der Polizei instabil und einsturzgefährdet. In vielen Orten ist zudem der Strom ausgefallen.

Hilfe von Bund und Ländern

Bund und Länder haben für die Hochwasser-Regionen schnelle Hilfen angekündigt. Rheinland-Pfalz hat bereits kurzfristig 50 Millionen Euro bereitgestellt, um Schäden an Straßen und Brücken zu beheben. In Düsseldorf will das Kabinett am Vormittag über Unterstützungen beraten. Auch die Bundesregierung plant ein Hilfsprogramm.

Unterstützung aus dem Saarland

Auch das Saarland wird am Samstag weitere Hilfen in die Hochwassergebiete nach Rheinland-Pfalz schicken. Das kündigte Innenminister Bouillon an. Das Saarland werde seine rheinland-pfälzischen Nachbarn mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen. Unter anderem sollen mehrere Einsatzzüge der Bereitschaftspolizei in der Region Trier eingesetzt werden.

Unwetter: Saarländer helfen in Rheinland-Pfalz
Audio [SR 1, (c) SR Christian Balser, 16.07.2021, Länge: 02:04 Min.]
Unwetter: Saarländer helfen in Rheinland-Pfalz
Die DLRG Saarland hilft mit, um die Folgen des Unwetters in Rheinland-Pfalz zu bekämpfen. Einsatzleiter Tobias Wagner berichtet vom Einsatz rund um Trier.

Außerdem sollen eine Polizeipsychologin und ein Polizeiseelsorger entsandt werden. Zudem wird die im Katastrophenfall gemeinsam betriebene Telefonhotline der beiden Bundesländer mit 36 saarländischen Helfern aufgestockt. Die saarländischen Feuerwehren und Hilfsorganisationen haben laut Ministerium seit Mittwoch rund 320 Helfer in das Nachbarland geschickt.

Unter anderem waren Kräfte des saarländischen THW, der Feuerwehr, des DRK und des Katastrophenschutzes in den betroffenen Gebieten. Sie befreiten Menschen, die in ihren Häusern durch die Wassermassen eingeschlossen wurden oder kümmerten sich um die Trinkwasserversorgung vor Ort.

Strömungsretter und Taucher im Einsatz

Außerdem waren 76 DLRG-Kräfte aus dem Saarland im Kreis Trier-Saarburg im Einsatz. Am Freitagmorgen sind sie nach einer Nachtschicht ins Saarland zurückgekehrt. Der Vorsitzende des Landesverbandes Saar, Tobias Wagner, sprach von einem "anspruchsvollen Einsatz".

Unter den Einsatzkräften waren auch Strömungsretter und Taucher. Insgesamt hätten die Helfer rund um die Gemeinde Kordel zwischen 60 und 80 Menschen aus ihren Häusern gerettet. Außerdem unterstützten sie die Feuerwehr beim Löschen von Bränden, die durch Kurzschlüsse entstanden waren.

Keine größeren Schäden im Saarland

Aus dem Saarland selbst wurden keine größeren Probleme gemeldet. Die Polizei zählte von Mittwoch bis Donnerstagmorgen lediglich einige überflutete Keller, umgestürzte Bäume und unterspülte Straßen. Zu Schaden kam niemand.

Auf der Landstraße zwischen Hargarten und Brotdorf kippte ein Baum um und fiel auf die Motorhaube eines vorbeifahrenden Pkw. Der Fahrer wurde nach Polizeiangaben nicht verletzt, aber an dem Fahrzeug entstand Totalschaden. Die Strecke wurde wegen der Gefahr weiterer umstürzender Bäume voll gesperrt.

Fluss fließt mit erhöhtem Pegel unter einer Brücke durch (Foto: SR)
Video [aktueller bericht, 15.07.2021, Länge: 1:21 Min.]
Das Saarland von Hochwasser verschont
Am Mittwoch wurden Überflutungen durch Nied und Prims befürchtet. Das Saarland wurde vom Hochwasser jedoch verschont. Die saarländischen Rettungskräfte von Feuerwehr und THW halfen dafür in der Gemeinde Bitburg beim Befüllen und Verteilen von Sandsäcken.

Über die aktuelle Lage in allen Hochwassergebieten Deutschlands informiert tagesschau.de in einem Liveblog.


Spenden

Herzenssache 2020, Logo (Foto: Herzenssache)
Herzenssache e.V.
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Die Kinderhilfsaktion von SR und SWR bittet um Ihre Hilfe. Unterstützen Sie die von der Hochwasserkatastrophe betroffene Kinder, Jugendliche und ihre Familien mit Ihrer Spende.

Flutschäden im Bereich Blankartstraße und Römerstraße. Eine Woche nach der Unwetter-Katastrophe gehen die Aufrümarbeiten langsam voran.  (Foto: imago/Future image)
Spendenkonten
Diese Organisationen bitten um Eure Hilfe
Autos weggespült wie Spielzeug, Straßen meterhoch voll Schlamm und Geröll, Häuser durch die Wassermassen zerstört - die Hochwasserkatastrophe stellt die Betroffenen vor massive Probleme. Viele wollen gerne helfen. Dazu wurden diverse Spendenkonten eingerichtet.

Unwetter in der Großregion

Ein Verkehrszeichen "Fussgängerübergang" ragt auf einer überschwemmten Strasse aus den Fluten hervor. (Foto: picture-alliance / Romain Fellens | Romain Fellens)
Wegen Überschwemmungen
Viele Straßen nach Unwetter in Frankreich und Luxemburg gesperrt
Frankreich, Luxemburg und Ostbelgien sind ebenfalls stark vom Unwetter getroffen worden. Wegen Überschwemmungen sind im lothringischen Département Moselle zahlreiche Straßen gesperrt. Auch in Luxemburg gibt es Straßensperrungen.


Ratgeber

Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser durch Starkregen in Bliesransbach (Foto: Pasquale d'Angiolillo)
Gut zu wissen
Richtig absichern vor Unwetter-Schäden
Kleine Flüsse, die sich in reißende Ströme verwandeln. Starkregen, vor dem die Abwassersysteme kapitulieren. Meldungen über Unwetter, die für Überschwemmungen sorgen, häufen sich und damit auch die finanziellen Schäden. Doch dafür gibt es Versicherungen.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 15.07.2021 berichtet.

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