Nachbildung der Justitia neben einem Aktenstapel (Foto: dpa Bildfunk)

Bewährungsstrafen für Ex-Baumarktmanager und seine Frau

Thomas Gerber   08.01.2021 | 14:07 Uhr

Wegen der Veruntreuung von Stiftungsgeldern sind der ehemalige Vorstand der Praktiker-Baumarktkette Michael Arnold und seine Ehefrau zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Arnold wurde wegen gewerbsmäßiger Untreue zu 18 Monaten verurteilt. Gegen seine Ehefrau verhängte das Landgericht eine um drei Monate höhere Strafe.

Bewährungsstrafen für Ex-Baumarktmanager und seine Frau
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 08.01.2021, Länge: 00:58 Min.]
Bewährungsstrafen für Ex-Baumarktmanager und seine Frau

Die Arnolds hatten rund 115.000 Euro aus der Kasse der nach dem verstorbenen Fußballer Rudi Kappés benannten Stiftung für sich abgezweigt. Eine Stiftung, die 2004 von Arnold selbst mit ins Leben gerufen worden war und in deren Vorstand er gemeinsam mit seiner Ehefrau saß.

Beide verfügten jeweils über eine Kreditkarte der Stiftung. Über Jahre hoben sie Bargeld ab, um - so das Gericht in seiner Urteilsbegründung - ihren "gehobenen Lebensstil" weiterzuführen. Denn Michael Arnold war nach der fehlgeschlagenen Kampagne "20 Prozent auf alles. Außer auf Tiernahrung" 2012 als Praktikervorstand freigestellt worden, konnte beruflich danach nicht mehr Fuß fassen.

Arnold zeigte Reue

Was ihn geritten hatte, konnte er sich heute nicht erklären. In seinem Geständnis wirkte er reumütig, gelobte wie seine Frau, den entstandenen Schaden wieder gut zu machen. Ob das gelingt, ist allerdings offen. Ex-Manager Arnold hat nach eigenen Angaben derzeit kein festes Einkommen.

Da einige der Barabhebungen vom Stiftungskonto bereits verjährt waren, ist der vom Landgericht strafrechtlich abgeurteilte Schaden mit 60.000 Euro deutlich niedriger als der tatsächlich bei der Stiftung festgestellte Schaden von 115.000 Euro. Bislang sind lediglich 30.000 Euro an die Stiftung zurückgeflossen. Stiftungsbeirat Franz Abel kündigte an, auch den Rest (85.000 Euro) noch mit allen Mitteln einzutreiben.

2015 Unregelmäßigkeiten aufgefallen

Abel, der mit Arnold zusammen im FCS-Aufsichtsrat gesessen hatte, waren die Unregelmäßigkeiten bereits 2015 aufgefallen. Auf eine Strafanzeige aber hatte er ebenso verzichtet wie die Stiftungsaufsicht des Innenministeriums. Bei der Staatsanwaltschaft wurde die Untreue erst aktenkundig, nachdem sich im Zuge des LSVS-Skandals ein Zeuge bei ihr gemeldet hatte.

Das heutige Urteil erging im Rahmen einer sogenannten Verständigung im Strafprozess. Staatsanwaltschaft, Verteidigung und das Gericht hatten sich auf das Strafmaß unterhalb der Bewährungsgrenze von zwei Jahren geeinigt. Im Gegenzug legten die Angeklagten ein Geständnis ab. Der Oberstaatsanwalt sprach in seinem Plädoyer von einem sehr, sehr milden Urteil. Die Angeklagten hätten schließlich Geld, das eigentlich für Menschen in Not gedacht war, für ihr eigenes "Luxusleben" verwandt.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 08.01.2021 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja