Die Seniorenresidenz Viktoria der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Püttlingen (Foto: imago images / Becker&Bredel)

Gesundheitsamt untersuchte Todesfälle in Püttlinger Seniorenheim

Thomas Gerber   04.05.2020 | 18:48 Uhr

In der Püttlinger Seniorenresidenz Viktoria der Arbeiterwohlfahrt sind inzwischen 23 der rund 100 Bewohner und Bewohnerinnen an oder mit Covid 19 verstorben. Das Gesundheitsamt führt die hohe Zahl von Corona-Todesfällen auf die hochaltrige Klientel zurück. Die meisten Einwohner verstarben demnach in der Einrichtung und nicht im Krankenhaus.

Auf SR-Anfrage teilte der Regionalverband Saarbrücken mit, das Virus habe sich in der Einrichtung bis "zur ersten Symptomatik zwangsläufig unbemerkt ausbreiten" können. Es sei dann auf die "gefährdeste Hochrisikogruppe der sehr alten Menschen mit oft zahlreichen Vorerkrankungen getroffen." Fehler etwa bei der medizinischen Behandlung hat es nach Auffassung des Gesundheitsamts offenbar nicht gegeben.

Die Amtsärzte stünden seit Wochen mit der Heimleitung in Kontakt und seien drei Mal vor Ort gewesen. Der niedergelassene Arzt, der Hausarzt vieler Heimbewohner sei, sei vom Gesundheitsamt als "sehr engagiert und vorbildlich" bezeichnet worden.

Nur wenige Patienten starben im Krankenhaus

Anlass für Rückfragen gab zunächst die hohe Zahl der in der Einrichtung und nicht im Krankenhaus Verstorbenen. Dass nur wenige der insgesamt 23 Verstorbenen in ein Krankenhaus eingewiesen worden seien, habe die AWO aber plausibel erläutern können. In einigen Fällen habe eine entsprechende Patientenverfügung vorgelegen. In den anderen sei auf eine Krankenhauseinweisung in Absprache mit den Hausärzten und den nächsten Angehörigen verzichtet worden.

"Würdevolles Sterben" sollte ermöglicht werden

Die Arbeiterwohlfahrt wollte keine konkreten Angaben machen, wie viele Bewohner in der Einrichtung und wie viele in einer Klinik verstorben sind. Sie wies allerdings darauf hin, dass es auch für "Coronaerkrankte keine Richtlinie gebe, diese in der Sterbephase in ein Krankenhaus verlegen zu müssen".

Grundsätzlich respektiere die AWO die "Selbstbestimmtheit ihrer Bewohner". Anspruch sei es, ein "würdevolles und leidensfreies Sterben in vertrauter Umgebung zu gewährleisten". Im Übrigen tue man alles, um Bewohner und Mitarbeiter vor einer Corona-Infektion zu schützen. So habe man bereits nach dem Auftauchen des ersten Falles als erste Senioreneinrichtung im Saarland alle Bewohner und Mitarbeiter in Püttlingen auf das Virus testen lassen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 05.05.2020 berichtet.

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