Fahrradweg-Symbol auf einer Straße (Foto: pixabay/un-perfekt)

Radverkehrs-Beauftragte in sechs Saar-Kommunen

Marc-André Kruppa/Linda Grotholt/Niklas Resch   07.07.2021 | 06:00 Uhr

Viele Saar-Kommunen haben keine eigene Stelle für die Planung von Radwegen. Rund 30 Kommunen geben auf SR-Anfrage an, andere Abteilungen seien dafür mit zuständig. Erst sechs Kommunen haben explizit Radverkehrs-Beauftragte eingestellt.

In Homburg und Sulzbach kümmern sich gleich zwei Mitarbeiter um die Belange der Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer: Ein Radwege-Beauftragter aus dem Bauamt und eine Ehrenamtlerin. Das ist ein Ergebnis der Kommunalumfrage im Rahmen des SR-Themenschwerpunkts  „Fahrrad-Offensive - Wie fährt das Saarland?“.

In Kirkel ist der Radwege-Manager Armin Jung gleichzeitig auch Jugendpfleger der Gemeinde. Nach seiner Aussage nehmen die Planung von Radwegen oder die Schaffung von E-Bike-Ladestationen aber immer mehr Platz in seinem Arbeitsalltag ein. Ein wichtiges Projekt: Ein Fahrradschutzstreifen, der bald an der dicht befahrenen und zum Teil gefährlichen Ortsdurchfahrt in Kirkel-Limbach entstehen soll.

„Sonder-Konzept“ Kirkel

Der Fahrradbeauftragte Armin Jung hat statt eines Radwegekonzepts oder der Beauftragung eines externen Büros einen eigenen Weg gewählt: Er hat alle interessierten Bürgerinnen und Bürger zu einem „Fahrradgipfel“ eingeladen, dort konnten diese dann ihre Wünsche und Ideen äußern.

Video [aktueller bericht, 07.07.2021, Länge: 3:03 Min.]
Fahrradbeauftragte im Saarland

Daraus ist eine Prioritätenliste in Form eines Ampel-Systems entstanden: Rot für die akuten Probleme wie gravierende Schäden oder Lücken, gelb für weniger dringende Angelegenheiten und grün für bereits erledigte Radwege-Projekte.

Dazu gehört beispielsweise eine Lücke zwischen Kirkel und Homburg, die inzwischen geschlossen wurde. Als nächstes größeres Projekt steht eine Fahrrad-Brücke über die Bahnlinie auf der Agenda.

Andere Kommunen – andere Herangehensweisen

In Saarbrücken und St. Ingbert kümmert sich jeweils ein Mitarbeiter in Vollzeit um Radwege und Verkehrsplanung. In Bexbach und Gersheim sind eigene Radverkehrs-Beauftragte zumindest in Planung.

Die SR-Anfrage hat auch ergeben: Wenn Kommunen keine eigene Stelle haben, bedeutet das nicht automatisch, dass sich niemand um das Thema Radwege kümmert. Vielerorts wird die Aufgabe im Umwelt- oder Bauamt behandelt oder auf mehreren Schultern verteilt.

In Überherrn etwa ist der ehemalige Gemeinde-Mitarbeiter Gerhard Fischer mit dem Projekt beauftragt worden, ein neues Radwegekonzept für die Gemeinde zu entwickeln. Er war schon 1992 für das erste Konzept in Überherrn mitverantwortlich.

Über die Pläne des Kirkeler Radverkehrsbeauftragten Armin Jung
Audio [SR 2, Marc-André Kruppa, 07.07.2021, Länge: 03:10 Min.]
Über die Pläne des Kirkeler Radverkehrsbeauftragten Armin Jung

Gemeinsam mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) hat Fischer dieses Mal eine Bürgerbefragung gestartet und die Antworten auf die Fragebögen wissenschaftlich auswerten lassen. Das zentrale Ergebnis: Ähnlich wie in Kirkel sind die für Radfahrerinnen und Radfahrer gefährlichen Ortsdurchfahrten die größte Baustelle.

Mit dem Ansatz, die Menschen vor Ort einzubinden und mit der HTW zusammenzuarbeiten, könnte auch Überherrn zu einem Modellprojekt für andere Kommunen im Saarland werden.

Im „Radmuffel-Land“ tut sich was

Die Recherchen des SR hatten einerseits ergeben, dass in den letzten fünf Jahren wenig für den Ausbau von Radstrecken und die Sicherheit für Fahrradfahrer und Fahrradfahrerinnen im Straßenverkehr getan wurde. Dank der steigenden Zahl an Fördermitteln wird das Problem nun aber aktiver angegangen als bisher.

Planung, Erschließung und Umsetzung kosten jedoch nicht nur Geld, sondern auch Zeit und Personal. Der Landkreis St. Wendel etwa hat sich deshalb mit seinen acht Gemeinden zusammengesetzt und die Antragstellung und Planung von Radwegekonzepten zentral organisiert.

Überherrn arbeitet an einem neuen Radwegekonzept
Audio [SR 2, Niklas Resch, 06.07.2021, Länge: 03:13 Min.]
Überherrn arbeitet an einem neuen Radwegekonzept

Das heißt laut dem Nohfelder Bürgermeister Andreas Veit (CDU): Aus formalen Gründen stellt jede Gemeinde zunächst einen eigenen Antrag auf Zuschüsse. Im Anschluss koordiniert aber der Landkreis als übergeordnete Behörde den Rest der Planung (z. B. Zusammenstellung von nötigen Unterlagen und Dokumenten). Ziel ist, dass sich am Ende ein Planungsbüro auf alle Ausschreibungen bewirbt und den Radwegebau für den gesamten Kreis erledigt.

So sollen Radwege-Lücken geschlossen und das Radfahren sicherer werden. Damit das Saarland nicht bundesweites Schlusslicht bei der Fahrradnutzung bleibt.


Schreiben Sie uns!

Welche Erfahrungen haben Sie mit Radwegen im Saarland gemacht - und wo sind noch Lücken oder Gefahrenstellen?

Schreiben Sie uns, per E-Mail an rechercheteam@sr.de.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 07.07.2021 berichtet.

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