Bildmontage: Saarlandkarte mit einer Frau, die eine Spritze aufzieht. (Foto: SR/dpa/)

Große Unterschiede bei Impfquoten im Saarland

Thomas Braun   25.03.2022 | 18:21 Uhr

Die Impfkampagne im Saarland ist nahezu zum Erliegen gekommen. Während das Saarland im bundesweiten Vergleich eine der höchsten Impfquoten hat, gibt es innerhalb des Landes deutliche Unterschiede von bis zu 20 Prozentpunkten zwischen einzelnen Kommunen und Stadtteilen.

Das Saarland hat nach Angaben des Robert-Koch-Institutes (RKI) im Bundesvergleich eine der höchsten Impfquoten. 82,2 Prozent der Bevölkerung sind grundimmunisiert - nur in Bremen und Hamburg ist die Quote höher. Auch bei der Booster-Quote liegt das Saarland mit 65,7 Prozent in der Spitzengruppe.

Aber auch im Saarland ist die Impfkampagne nahezu zum Erliegen gekommen. Seit Anfang März sind gerade noch 20.000 Impfungen verabreicht worden, drei Viertel davon Auffrisch-Impfungen. Die Tendenz ist weiter sinkend.

Deutlich niedrigere Impfquoten in Ballungszentren

Innerhalb des Saarlandes gibt es aber deutliche Unterschiede bei den Impfquoten, wie Daten aus den Impfzentren, von den mobilen Teams und der Kassenärztlichen Vereinigung zeigen, die das Gesundheitsministerium dem SR auf Anfrage zur Verfügung gestellt hat. Die Daten sind Näherungswerte, nicht enthalten sind zum Beispiel Impfungen, die außerhalb des Saarlandes oder durch Betriebsärzte durchgeführt wurden.

Grundsätzlich zeigt sich aber der Trend, dass in den eher städtischen Ballungsräumen die Impfquote deutlich niedriger ist als im ländlichen Raum. Während zum Jahresende 2021 in Marpingen zum Beispiel bereits 80 Prozent der Bevölkerung grundimmunisiert waren und sogar 60 Prozent bereits eine Boosterimpfung erhalten haben, waren in Homburg und Neunkirchen nur 65 bis 67 Prozent der Bevölkerung grundimmunisiert. Die Boosterquote lag zu diesem Zeitpunkt bei 32 bzw. 35 Prozent.

Große innerstädtische Unterschiede in Neunkirchen und Saarbrücken

Dabei gibt es innerhalb Neunkirchens noch einmal deutliche Unterschiede: Während die Impfquote in der Innenstadt bei 59 Prozent lag, waren es in den Stadtteilen außerhalb im Schnitt bereits über 70 Prozent.

Die Unterschiede zwischen den Stadtteilen zeigen sich auch innerhalb Saarbrückens: Die Quote der grundimmunisierten Bevölkerung lag zum Jahresende insgesamt bei rund 67 Prozent, wobei die Bandbreite von etwa 56 Prozent in Malstatt und Burbach bis hin zu mehr als 73 Prozent in St. Johann, Bischmisheim, Bübingen, Klarenthal, Rotenbühl und Am Homburg reichte.

Sonderfälle Perl, Mettlach und Freisen

Auffällig niedrige Impfquoten gibt es auch in Perl und Mettlach - hier dürfte aber der hohe Anteil luxemburgischer Einwohner, die in ihrem Heimatland geimpft wurden, die Daten verzerren. Ein ähnlicher Effekt könnte auch für Freisen gelten, dass in direkter Nachbarschaft im rheinland-pfälzischen Kusel ein Impfzentrum hatte.

Außerdem ist zu beachten, dass große Arbeitgeber wie Ford, Dillinger oder Saarstahl eigene Impfzentren eingerichtet hatten und dort Tausende ihrer Mitarbeiter geimpft haben und diese Daten nicht in der Grafik oben erfasst sind.

Niedrigere Impfbereitschaft bei sozial Benachteiligten

Grundsätzlich sind die Daten nicht überraschend. Schon Mitte vergangenen Jahres hatte eine Zwischenbilanz zur Impfkampagne gezeigt, dass gerade in sozialen Brennpunkten die Impfquote deutlich niedriger lag als in anderen Teilen des Landes.

Auch Befragungsstudien des RKI zeigten, dass die Impfbereitschaft bei Menschen mit sozioökonomisch niedrigem Status niedriger ist. Umgekehrt ist in diesen Bevölkerungsgruppen das Infektionsrisiko und auch das Sterberisiko deutlich erhöht, wie eine RKI-Studie zur sozialen Ungleichheit in der Covid-Pandemie zeigt.

Mehr aufsuchende und proaktive Impfangebote

Das Saarland hat dem in der Vergangenheit zum Teil bereits Rechnung getragen und mobile Impfstationen in den Quartieren eingerichtet und mit Gemeinwesenprojekten vor Ort zusammengearbeitet. Um die Impfbereitschaft weiter zu erhöhen, empfehlen die Studienautoren beim RKI weitere Anstrengungen. So sollten die wohnortnahen Impfangebote proaktiv mit aufsuchenden Angeboten begleitet werden - idealerweise durch mehrsprachige Mediatoren und Schlüsselpersonen der jeweiligen Communities.

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