Intensivpflegerinnen sind in Schutzkleidungen auf der Covid-19 Intensivstation einer Klinik mit der Versorgung von Corona-Patienten beschäftigt (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Robert Michael)

Wie unscharf die Zahl der Corona-Toten im Saarland ist

Christian Leistenschneider   30.01.2022 | 08:24 Uhr

Nicht alle in der offiziellen RKI-Statistik als Corona-Tote Gezählten sind auch an der Infektion gestorben. Im Saarland kann das zwischen sechs und 18 Prozent der verzeichneten Fälle betreffen. Häufig ist die tatsächliche Todesursache laut RKI nicht abschließend nachzuweisen.

Corona ist ein harmloses Virus; Corona ist ein tödliches Virus. Je nach Einzelfall kann das eine oder das andere stimmen. Während die eine Person eine Infektion unbemerkt übersteht, bedeutet sie für die andere ein schmerzvolles Ende. Vorerkrankungen treiben dabei die Todeszahlen in Verbindung mit Corona in die Höhe, sie haben für die Statistik allerdings auch einen etwas verzerrenden Effekt.

Virus nicht immer Todesursache

Denn nicht alle Corona-Todesfälle, die in der Statistik des Robert Koch-Institutes auftauchen, sind ursächlich auf das Virus zurückzuführen. Bis zum 18. Januar 2022 haben die saarländischen Gesundheitsämter nach Angaben des Gesundheitsministeriums insgesamt 1311 Todesfälle im Zusammenhang mit Corona über das Meldesystem übermittelt.

In 82 Prozent der gemeldeten Infektionsfälle sei Covid-19 als Todesursache angegeben worden. Eine andere Ursache wurde in sechs Prozent der Todesfälle dokumentiert. Bei zwölf Prozent waren keine Angaben im Meldesystem hinterlegt.

Unsicherheit durch Vorerkrankungen

Die hohe Zahl der unbestimmten Todesursachen hängt auch mit der Rolle der Vorerkrankungen wie Herzkreislauferkrankungen, Diabetes oder Erkrankungen des Atmungssystems zusammen. Bei den Betroffenen sei es häufig schwierig zu entscheiden, inwieweit die Corona-Infektion direkt zum Tode beigetragen hat, schreibt das RKI. Die tatsächliche Todesursache sei nicht immer abschließend nachzuweisen.

Angaben auf Totenschein entscheidend

Generell liegt es nach Angaben des RKI im Ermessen des jeweiligen Gesundheitsamtes, ob ein Fall als verstorben an oder mit Corona ans RKI übermittelt wird oder nicht. Ein Sprecher des Regionalverbandes Saarbrücken weist aber darauf hin, dass die Gesundheitsämter auf die Angaben auf dem Totenschein des Verstorbenen angewiesen sind.

Tauche dort das Wort Corona im klinischen Befund auf, werde der Fall ans RKI weitergeleitet und ginge auch in die Todesfall-Statistik ein. Das gelte auch, wenn das Virus nicht eindeutig die Todesursache war, aber in einem medizinisch relevanten Zusammenhang damit stand.

Dunkelziffer bei Infektionen

Allerdings könnte es andererseits auch sein, dass manche an Corona Gestorbenen nicht in die Statistik eingehen. So sind in den letzten drei Monaten des Jahres 2020 laut Sterbefallzahlen des Statistischen Bundesamtes im Saarland rund 462 Menschen mehr gestorben als im Schnitt der Jahre 2016 bis 2019. Zeitgleich wurden nur 292 Covid-Todesfälle für diesen Zeitraum gemeldet.

Zu den anderen Fällen konnte das Gesundheitsministerium keine weiteren Angaben machen. Es weist aber darauf hin, dass es bekanntermaßen bei Corona-Infektionen eine relevante Dunkelziffer gebe. Sofern eine solche nicht mittels PCR-Test diagnostiziert würde, erschienen betroffene Personen nicht in der Statistik als Covid-Todesfall.

Auch das RKI geht nicht davon aus, dass alle an Covid-19 Verstorbenen als coronabedingte Todesfälle gemeldet werden. Dies könne beispielsweise ausbleiben, wenn bei einem relativ raschen und möglicherweise medizinisch unbegleiteten Krankheitsverlauf kein Test auf SARS-CoV-2 gemacht wurde.

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