Uniklinik Homburg (Foto: imago/Becker&Bredel)

Kindesmissbrauch: Weitere Verdachtsfälle an Homburger Klinik

Thomas Gerber   20.11.2019 | 16:04 Uhr

Der mutmaßliche Missbrauchsskandal an der Homburger Hals-Nasen-Ohren-Klinik weitet sich aus. Am Mittwochmorgen gab es eine großangelegte Durchsuchungsaktion in der Uniklinik und in einer Klinik in Rheinland-Pfalz. Dabei wurden zwei weitere Verdachtsfälle bekannt.

Nachdem vor gut einer Woche bekannt geworden war, dass ein damals sechs Jahre altes Mädchen 2012 während einer Mandeloperation möglicherweise sexuell missbraucht wurde, sind jetzt zwei weitere Verdachtsfälle aufgetaucht. Nach der Berichterstattung über den Fall des sechsjährigen Mädchens hatte sich nach SR-Informationen der Vater eines Jungen gemeldet.

Blutende Wunde festgestellt

Sein Sohn war 2014 in der Homburger HNO operiert worden. Nach der OP stellte die Mutter des Jungen im Aufwachraum eine blutende Wunde im Analbereich fest. Auch damals blieb die Ursache der Verletzung ungeklärt. Die Klinik in Rheinland-Pfalz wurde durchsucht, weil der Junge dort später weiterbehandelt worden war.

Video [aktueller bericht, 20.11.2019, ab Minute 15:09]
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Wie die Staatsanwaltschaft darüber hinaus bestätigt, wurde am Mittwoch während der Razzia in Homburg eine dritter Verdachtsfall bekannt. Noch während der laufenden Durchsuchung habe man einen weiteren Durchsuchungsbeschluss für diesen Fall beantragt, der dann umgehend vollstreckt worden sei. Bei der Aktion wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt – neben Krankenakten auch mehrere Terabyte an Datenmaterial. Der ärztliche Direktor der Uniklinik Wolfgang Reith erklärte, man unterstütze die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Klinikleitung einbestellt

"Man wird den Verdacht nicht los: Die Uni-Klinik vertuscht"
Audio [SR 3, Studiogespräch: Dorothee Scharner / Thomas Gerber, 20.11.2019, Länge: 03:03 Min.]
"Man wird den Verdacht nicht los: Die Uni-Klinik vertuscht"

Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling (CDU) hat den Vorstand der UKS und den Chef der HNO-Klinik zur Berichterstattung einbestellt. Auch die Staatskanzlei bestellte sie ein. Kolling sagte dem SR, Aufklärung sei notwendig, da die Uniklink nicht noch weiter in die Negativschlagzeilen geraten dürfe. Schließlich werde dort in der weitaus überwiegenden Zahl gute Arbeit geleistet.

Der Obmann im Landtags-U-Ausschuss zur Uniklinik, Jürgen Renner (SPD), fordert, den Untersuchungsgegenstand des U-Ausschusses zu erweitern. Auch die neuen Verdachtsfälle müssten untersucht werden.

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Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 20.11.2019 berichtet.

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