Professor Sabine Hornung und Grabungsleiter Patrick Mertl (stehend) mit vier Studenten bei der Ausgrabung im Hunsrück. Es handelt sich um eine Lehrgrabung, bei der die Studenten bereits im Studium forschen und Geländeerfahrung sammeln. (Foto: Ehrlich/Uni)

Keltisches Heiligtum im Hunsrück entdeckt

Axel Wagner   24.10.2018 | 13:54 Uhr

Die Archäologin Sabine Hornung von der Universität des Saarlandes hat zusammen mit ihrem Team bei Ausgrabungen nahe Hermeskeil ein keltisches Heiligtum entdeckt. Dabei handelt es sich um Überreste eines etwa sechs auf sechs Meter großen Holzgebäudes.

Im ersten vorchristlichen Jahrhundert soll das Gebäude durch ein Feuer zerstört worden sein. „Seine Lage, sein Grundriss, die gesamte Fundsituation und Erfahrungen aus vergleichbaren Funden bei anderen Ausgrabungen sprechen dafür, dass es sich um ein keltisches Heiligtum handelt“, erklärte sie am Mittwoch in Saarbrücken.

Die Archäologin Sabine Hornung zeigt an der Ausgrabungsstätte die Überreste eines antiken Vorratsgefäßes. (Foto: Ehrlich/Uni)
Die Archäologin Sabine Hornung zeigt an der Ausgrabungsstätte die Überreste eines antiken Vorratsgefäßes.

In dem Heiligtum hielten die Kelten religiöse Riten ab und brachten ihren Göttern Opfer. „Die Kelten opferten Tiere, Gegenstände, mitunter sogar Menschen“, so die Archäologin. Menschliche Überreste fand das Grabungsteam allerdings nicht. „Knochen erhalten sich in dieser Art saurem Boden nicht, sondern zersetzen sich recht schnell“, sagte Grabungsleiter Patrick Mertl.

Bis September legten Archäologie-Studenten etwa 40 Zentimeter unter der Erdoberfläche unter anderem die wannenförmigen Gräben frei. Im Umfeld fanden sie Keramikscherben und entdeckten an einer der ehemaligen Seitenwände ein antikes Vorratsgefäß.

Brannten Römer das Heiligtum nieder?

Die Kultstätte liegt in einer Siedlung des keltischen Stammes der Treverer, die Hornung bereits bei früheren Forschungen entdeckt hatte. Im Jahr 2012 hatte sie wenige hundert Meter entfernt ein römisches Militärlager gefunden. Handmühlen, Schuhnägel römischer Soldaten und Keramikscherben ermöglichten ihr, das Lager in das Jahr 51 vor Christus zu datieren, einer Zeit, in der Julius Cäsar seinen Gallischen Krieg führte.

Derzeit werten die Archäologen die neuen Funde aus und untersuchen, ob Zusammenhänge zu den früheren Funden bestehen und ob es die Römer waren, die das Heiligtum niederbrannten. „Wir wollen so viel wie möglich über die Besiedlung und die Geschehnisse herausfinden, um die Geschichte präzise rekonstruieren zu können“, erklärte Hornung.

Am Dienstag, 6. November, 18.00 Uhr, gewährt die Archäologin in einem Vortrag Einblick in ihre neuesten Forschungen.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 24.10.2018 berichtet.

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