Eine französische Flagge weht auf einem Gebäude in Strasbourg (Foto: unsplash/Hassan Anayi)

Diskussion um Sonderrechte für das Elsass

Lisa Huth   27.01.2021 | 15:59 Uhr

Der französische Premierminister Jean Castex hat mehr Rechte für das Elsass gefordert. Das stößt auf Kritik. So sprach sich der Metzer Bürgermeister François Grosdidier gegen eine "einseitige Bevorzugung" des Elsasses aus.

"Brexit" auf Elsässisch
Audio [SR 3, Renate Wanninger/Lisa Huth, 28.01.2021, Länge: 03:21 Min.]
"Brexit" auf Elsässisch

In Frankreich werden weitere Sonderrechte für das Elsass in der Region Grand Est diskutiert. Der Metzer Bürgermeister François Grosdidier forderte den französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf, klarzustellen, ob die Regierung die Region Grand Est auflösen wolle oder nicht.

In einem Brief an Macron schreibt er, die neue Region aus Elsass, Lothringen und Champagne-Ardennes sei allen aufgezwungen worden. Das Elsass werde jetzt einseitig bevorzugt. Das zerstöre das Vertrauen in die Institutionen.

Umstrittene Kompetenzen

Vorigen Samstag hatte Premierminister Jean Castex vor der Ratsversammlung der neuen Collectivité Européenne d’Alsace mehr Rechte für das Elsass gefordert. Er meinte, er habe noch nie was von der Territorialreform gehalten. Damit wurden vor sechs Jahren 15 große Regionen in Frankreich gebildet.

Das Elsass wollte das von Anfang nicht. Seit dem Zusammenschluss seiner zwei Departements zur „Euroregion Elsass“ diesen Monat erscheint das Elsass nun wieder auf der Landkarte und hat mehr Kompetenzen.

Zusammenhalt in Region gefährdet?

In seinem Brief an den Präsidenten schreibt der Metzer Bürgermeister Grosdidier dagegen, wenn das Elsass sein neues Recht auf eine eigene Ökomaut umsetze, belasteten in der Folge noch mehr Lkw die lothringischen Autobahnen. Das gefährde den Zusammenhalt der Region. Außerdem müssten derartige Sonderrechte zum Beispiel auch Lothringen gewährt werden, wenn das Elsass sie bekomme.

Mittlerweile spekulieren die Medien frankreichweit über die Aussage des Premierministers, ob das etwa der Anfang vom Ende der großen Regionen sei. Die Zeitung Républicain Lorrain sprach gar vom "elsässischen Brexit“ aus der Region Grand Est.

Über dieses Thema hat auch die SR-Nachrichtensendung "aktuell - 17.00 Uhr" am 27.01.2021 berichtet.

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