Ein Krankenpfleger läuft über einen Flur auf der Intensivstation eines Klinikums. (Foto: picture alliance/dpa/Frank Molter)

Marburger Bund warnt vor Zuspitzung in Kliniken

  09.12.2020 | 13:22 Uhr

Die Zahlen belegen es: Die Situation in den saarländischen Krankenhäusern verschärft sich. Noch nie seit dem Beginn der Pandemie waren mehr Corona-Patienten in stationärer Behandlung. Der Marburger Bund warnt nach einer Umfrage nun davor, dass sich die Lage weiter zuspitzt.

Laut der aktuellen Zahlen des Gesundheitsministeriums sind derzeit 267 Menschen im Saarland wegen des Coronavirus in stationärer Behandlung - 55 davon auf Intensivstationen. Der Marburger Bund macht mit Blick auf die stetig steigenden Zahlen in einer Umfrage auf die schwierige Situation in den Kliniken aufmerksam.

Weniger Zeit für Nicht-Corona-Patienten

So erklärten 44 Prozent der befragten Ärzte, dass sie innerhalb der letzten zehn Tage aufgrund der zunehmenden Corona-Infektionsfälle die Behandlung von Nicht-Corona-Patienten einschränken mussten. Zudem gab ein Drittel der Mediziner an, dass die Anzahl der als verfügbar gemeldeten Intensivbetten mit dem vorhandenen Personal nicht betreibbar sind. „Es ist nicht ausreichend, dass die Kapazitäten erweitert werden, wenn es am entsprechenden qualifizierten Personal fehlt“, erläuterte der Landesvorsitzende des Marburger Bundes, Gregg Frost die Ergebnisse.

390 Betten in 60 Minuten verfügbar

Mit Blick auf die Intensivbetten, die in der Umfrage thematisiert werden, sagte Jacobs dem SR: „Wir haben aktuell 446 Intensivbetten im Saarland, die innerhalb von 60 Minuten verfügbar sind.“ Diese Betten seien auch personalisiert und daher jederzeit betreibbar. Derzeit seien davon 390 Betten belegt, 55 davon mit Corona-Patienten.

Zusätzlich halte man noch 210 Intensiv-Reservebetten vor, die innerhalb von 72 Stunden verfügbar seien. Sollten diese Reservebetten benötigt werden, könnte es zu Personalengpässen kommen.

Ärzte klagen über Arbeitsverdichtung

In einem weiteren Punkt der Umfrage geht es um die zunehmende Arbeitsverdichtung der Ärzte in der Corona-Pandemie. Demnach gaben knapp 40 Prozent der Befragten in den saarländischen Kliniken an, mehr Stunden als vertraglich vereinbart zu arbeiten.

„Das medizinische Personal im Gesundheitssystem war schon vor der Pandemie überlastet. Dies wird durch die Pandemie noch verschärft. 65 Prozent der Befragten gaben an, keine regelmäßigen Pausen machen zu können.  Für die Versorgung der Bevölkerung ist jedoch gesundes medizinisches Personal in den Kliniken notwendig“, so der Saar-Landesvorsitzender des Marburger Bundes, Gregg Frost.

Die Umfrage

Der Marburger Bund Saarland hat in einer Ad-hoc-Umfrage etwa 1000 angestellte Ärztinnen und Ärzte zu ihrer aktuellen Arbeitssituation in der Corona-Pandemie befragt. Fast 200 Personen haben sich laut Marburger Bund an der Umfrage beteiligt.

Der Geschäftsführer der saarländischen Krankenhausgesellschafft, Thomas Jacobs, bestätigte, dass sich die Lage in den Saar-Kliniken weiter anspanne. Die konstant hohen Zahlen führten dazu, dass die Belastung in den Krankenhäusern auf einem hohen Niveau bleibe und die Situation sich weiter verschärfen könnte.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja