Eingangsschild Kinder- und Jugendpsychiatrie Homburg (Foto: SR)

Schutzmaßnahmen haben offenbar versagt

Thomas Gerber   23.03.2021 | 16:31 Uhr

Im Untersuchungsausschuss zu den mutmaßlichen Missbrauchsfällen in der Homburger Kinder- und Jugendpsychiatrie ist am Dienstag erneut deutlich geworden, dass Schutzmaßnahmen versagt haben. Der zwischenzeitlich verstorbene Assistenzarzt war bereits Anfang 2013 bei Jugendamt, Polizei und Staatsanwaltschaft aktenkundig.

Assistenzarzt Matthias S. hatte in einem Facebook Chat mit einem seiner kleinen Patienten mehr als nur jegliche Distanz vermissen lassen. Eine damals schon eingeschaltete Expertin bezeichnete den 36 Seiten umfassenden Chatverlauf am Dienstag im Untersuchungsausschuss als "Paradebeispiel" für sogenanntes Cyber Grooming.

Der Assistenzarzt habe unter Ausnutzung seiner Vertrauensstellung versucht, sich den 12-Jährigen für seine pädophilen Neigungen verfügbar zu machen. Eine Bekannte der Mutter des Jungen hatte den Chat im April 2013 dem Jugendamt zukommen lassen. Dort wurde er als Grenzüberschreitung eingestuft und an die Polizei weitergeleitet.

Datenschutz vor Kinderschutz?

Überlegungen auch den Arbeitgeber von Matthias S. zu informieren, wurden jedoch nach Einholung von juristischem Rat verworfen. Zwar war klar, dass Matthias S. in einem hochsensiblen Bereich mit besonders verletzlichen Kindern arbeitete, dennoch so die Expertin: Datenschutz ging damals offenbar vor Kinderschutz.

Erst knapp zwei Jahre später war der Assistenzarzt dann aufgeflogen, wurde fristlos entlassen. Auch der Polizei waren letztlich die Hände gebunden. Denn die Staatsanwaltschaft leitete kein Verfahren ein - anscheinend, so der CDU-Abgeordnete Herrmann Josef Scharf, habe man dort auf Ermittlungen keine Lust gehabt. Warum? Das blieb am Dienstag zunächst offen.

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