Eingangsschild Kinder- und Jugendpsychiatrie Homburg (Foto: SR)

Assistenzarzt besaß kinderpornografische Fotos

Thomas Gerber   20.04.2021 | 17:26 Uhr

Im Untersuchungsausschuss zum Missbrauchsskandal in einer Spezialambulanz der Homburger Kinder- und Jugendpsychiatrie ist am Dienstag erneut deutlich geworden, dass der inzwischen verstorbene Assistenzarzt Matthias S. pädophile Neigungen hatte. Eine Kriminalbeamtin berichtete von zahllosen kinderpornografischen Fotos, die bei einer Hausdurchsuchung sichergestellt worden waren.

Am Dienstag berichtete eine Kriminalbeamtin vor dem Ausschuss, dass dem verstorbenen Assistenzarzt offenbar über Jahre gelungen war, sich nicht nur das Vertrauen seiner kleinen Patienten, sondern auch das von deren Eltern zu erschleichen.

Immer wieder hätten kleine Jungen bei ihm zuhause übernachtet. Selbst mehr als ein Jahr nachdem die Uni-Klinik Strafanzeige gegen den Assistenzarzt erstattet hatte und dieser dann Mitte 2016 tot aufgefunden worden sei, habe sich ein elfjähriger Junge in seiner Wohnung aufgehalten. Matthias S. hatte seine Stellung als Arzt also ganz offenbar bis zuletzt schamlos ausgenutzt.

Warum wurden Eltern nicht informiert?

Die Kripobeamtin warf zudem eine für den U-Ausschuss durchaus entscheidende politische Frage auf: Warum wurden die Eltern nicht spätestens nach dem Tod von S. über das informiert, was ihren Kindern möglicherweise widerfahren war?

Die Beamtin selbst hatte dies nach eigener Aussage mehrfach angeregt. Die zuständige Staatsanwältin dies aber nach längerem Zögern und einer Intervention der Uni-Klinik schließlich abgelehnt. Zu den Gründen sollen Anfang Mai die zuständige Staatsanwältin und die damalige Justizstaatsekretärin Anke Morsch im Ausschuss vernommen werden.

Über dieses Thema berichten auch die SR-Hörfunknachrichten vom 20.04.2021.

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