Spielzeug liegt in einer Kindertagesstätte auf dem Boden (Foto: picture alliance/dpa/Monika Skolimowska)

Trotz „Notbetreuung“ volle Kitas im Regionalverband

Hannah Reichhart   06.05.2021 | 11:18 Uhr

Obwohl die Kitas im Regionalverband Saarbrücken wegen der Bundesnotbremse nur Notbetreuung anbieten dürfen, sind einige Kitas zu 60 bis 100 Prozent ausgelastet, kritisiert der Kitafachkräfte-Verband Saar. Die Politik habe das Problem ohne Regelung an die Kita-Tür weitergeschoben.

Seit Montag greift für Schulen und Kitas im Regionalverband Saarbrücken die Bundesnotbremse. Weil die Sieben-Tage-Inzidenz drei Tage in Folge über 165 gelegen hatte, ist der Regelbetrieb in Kitas untersagt. Es durfte aber eine Notbetreuung eingerichtet werden.

Wer diese in Anspruch nehmen darf, ist allerdings nicht klar geregelt. Es gilt der Appell: Wer sein Kind zuhause betreuen kann, soll das tun.

Kita "Biber" ist voll

Trotzdem seien viele Kitas im Regionalverband aktuell ziemlich voll, sagt der Kitafachkräfte-Verband Saar. Demnach ist die Kita Winterberg zu 70 Prozent ausgelastet, die Kita Scheidt zu 60 Prozent und die Kita Biber auf dem Rastpfuhl ist sogar voll ausgelastet.

Auch die Kita in Kleinblittersdorf berichtet, dass mehr als die Hälfte der Kinder zur Notbetreuung gebracht werden.

Kerstin Ratzel über Beanspruchung der Kita-Notbetreuung
Audio [SR 1, Jessica Ziegler, Christian Balser, 04.05.2021, Länge: 02:31 Min.]
Kerstin Ratzel über Beanspruchung der Kita-Notbetreuung

Die durchschnittliche Auslastung in den städtischen Kitas lag am Mittwoch bei 39 Prozent, teilte die Stadt Saarbrücken mit. In Burbach oder Malstatt zum Beispiel wird die Notbetreuung nicht so stark genutzt. Aber: Wenn es Kitas mit bis zu 100 Prozent Auslastung gebe, werde die Bundesnotbremse nicht wirklich umgesetzt, kritisiert der Kitafachkräfte-Verband.

„Appelle wirken nicht“, sagt die Vorsitzende Susanne Kunz. Die Landesregierung müsse eine Regelung treffen. Aktuell werde die Entscheidung an die Eltern und das Kita-Personal weitergeschoben. „Dadurch wird die Beziehung zwischen Eltern und Personal belastet und die ist wichtig für eine gute Kindergartenzeit.“

Eltern im Zwiespalt

Das betont auch Gabi Hessemer, Vorstandsmitglied im Kitafachkräfte-Verband und Leiterin der Kita Biber auf dem Rastpfuhl, wo alle Kinder zur Notbetreuung kommen. Bei ihr seien die meisten Eltern berufstätig. „Die Eltern haben ein schlechtes Gewissen. Sie spüren ja die moralische Verpflichtung, die Kinder zuhause zu lassen, aber wenn es keine Vorgabe gibt, erwartet der Arbeitgeber ja auch, dass sie normal arbeiten gehen.“

Der Kitafachkräfte-Verband plädiert für eine erweiterte Notbetreuung, wie es sie im vergangenen Jahr nach dem ersten Lockdown gab. „40 bis 50 Prozent Auslastung halten wir für angemessen“, sagt Kunz. Es müsse eine klare Begrenzung geben.

Kita-Verband seit März

Die Kitafachkräfte im Saarland haben im März einen Verband gegründet, weil sie sich unter anderem während der Pandemie mehr Gehör bei der Politik verschaffen wollen. Zurzeit führt der Verband Kitafachkräfte Saar ca. 60 Mitglieder, vorwiegend aus dem Regionalverband.

In sechs Bundesländern haben sich ebenfalls Verbände gegründet, darunter auch in Rheinland-Pfalz. Ein Bundesverband ist in Planung.

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