Eine kleine Pflanze auf einem trockenen und rissigen Ackerboden. (Foto: dpa)

Trockener April bereitet Bauern und Förstern Sorgen

mit Informationen von Stephan Deppen, Herbert Mangold und Jürgen Rinner   22.04.2020 | 16:13 Uhr

Der viel zu trockene April erhöht die Gefahr von Waldbränden und Ernteausfällen. Auch die Regenfälle im Februar waren nicht genug, um den Boden ausreichend zu durchfeuchten.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, hat seiner Sorge Ausdruck verliehen, das Jahr 2020 könnte viel zu trocken bleiben - mit neuen Schwierigkeiten für die Ernte. Dazu kommt eine zweite Folge: "Mir machen die Förster und der Wald größere Sorgen als die Bauern", sagt Dr. Andreas Marx, der Koordinator der Initiative Klimaschutz und Anpassung beim Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.

Video [aktueller bericht, 22.04.2020, Länge: 2:53 Min.]
Erhöhte Waldbrandgefahr im Saarland

Nasser Februar ist nicht genug

Die Ertragslage der Landwirtschaft sei 2019 zumindest im Südwesten Deutschlands überdurchschnittlich gewesen - und das trotz des historisch trockenen Sommers. "Für die Landwirtschaft ist es noch zu früh, um die Katastrophe auszurufen", folgerte Marx. Trotzdem sei die Ausgangslage grundsätzlich nicht günstig, wenn ein Frühjahr so wenig Regen bringe wie aktuell. Auch die vielen Niederschläge vom Februar 2020 würden nicht ausreichen, den Boden so zu durchfeuchten, dass die Landwirtschaft unbesorgt sein könne. Er gehe davon aus, dass sich die Anzahl trockener Jahre künftig verdoppeln könnte - gerade im Saarland.

Saat droht zu vertrocknen

Keine guten Nachrichten für Landwirt Steffen Sandmeier. Auf seinem Land, das sich zwischen Blieskastel und Böckweiler liegt, ist im April kein Regen gefallen. Auf den meisten Feldern ist die Saat schon ausgebracht. Die Trockenheit macht den Pflanzen zu schaffen und das in einer für die Feldfrüchte besonders wichtigen Phase. „Die Sommergetreide sind allerdings nur teilweise aufgelaufen, sprich das Korn hat gekeimt. Die Pflanze steht jetzt absolut in der Trockenheit und droht weitestgehend zu vertrocknen", sagt Landwirt Steffen Sandmeier vom Kahlenbergerhof. Lediglich die Körner, die noch im Boden liegen, seien unversehrt und würden auf Regen warten.

Video [aktueller bericht, 22.04.2020, Länge: 2:59 Min.]
Trockenheit belastet Saar-Landwirtschaft

Hoher Graslandfeuerindex

Im Saarland und in Rheinland-Pfalz waren in der ersten Aprilhälfte 2020 deutlich zu wenig Niederschläge gefallen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes waren im Saarland nur 0,4 Prozent der üblichen Regenmengen in der ersten Monatshälfte gefallen. Aktuell zeige der Graslandfeuerindex im Saarland Gefahrenstufe vier von fünf an. Der Graslandfeuerindex steht für die witterungsbedingte Feuergefährdung von offenem, nicht abgeschattetem Gelände mit abgestorbener Wildgrasauflage ohne grünen Unterwuchs.

Weitere Waldbrände drohen

Die Dürre in der Landwirtschaft ist aber nicht das einzige Problem. Die relativ hohen Temperaturen können auch dem Wald gefährlich werden. In diesem Frühjahr ist die Waldbrandgefahr im Saarland besonders groß. Das Verhalten der Bäume in dieser Jahreszeit verstärkt die Trockenheit: Nach der Ruhepause im Winter brauchen sie für das Blattwachstum viel Wasser. Der Deutsche Wetterdienst meldet für einen Großteil der Wälder die Stufe vier von fünf.

Video [aktueller bericht, 22.04.2020, Länge: 3:16 Min.]
Aktuelle trockene Wetterlage im Saarland

Für den Förster Joachim Stelzer ist das keine Überraschung. Der Förster sieht, dass unter dem Frühjahrs-Grün viel Material ist, das sich leicht entzünden kann. In den vergangenen Tagen musste die Feuerwehr schon häufiger ausrücken. So gab es unter anderem in Nohfelden und in Berschweiler bereits mehrere Waldbrände. Zehntausende Quadratmeter standen in Flammen. Laubwälder sind dabei nicht ganz so gefährdet wie Nadelwälder. Insbesondere Fichten können durch das Baumharz wie Zunder brennen. Der aufgeheizte Katalysator eines Autos, eine Zigarette oder eine weggeworfene Flasche reichen aus, um einen Waldbrand auszulösen.

"Wir hatten das Glück in diesem Jahr, dass im ausklingenden Winter und im frühen Frühjahr sehr viel Regen kam, sodass der Wald unter guten Bedingungen gestartet ist. Aber jetzt ist es wie eine Riesenpumpe, die das Wasser aus dem Boden zieht", sagt der Förster. Fall es nicht bald regne, befürchtet Stelzer ein ähnlich schwieriges Jahr für den Wald wie 2019.

Mehr zum Thema
Umweltforscher Dr. Andreas Marx zum aktuellen Niederschlagsmangel
Der Leipziger Umweltforscher Dr. Andreas Marx sieht noch keinen Grund, sich um die Ernte-Erträge des Jahres 2020 zu sorgen, obwohl die Regenmenge seit Wochen unterdurchschnittlich ist. Die Ausgangslage sei aber "nicht günstig", sagte er im SR-Interview. Die Wälder allerdings machten ihm Sorgen.

Über dieses Thema haben auch die SR Hörfunknachrichten vom 22.04.2020 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja