Landgericht Saarbrücken (Foto: picture alliance / dpa | Oliver Dietze)

Prozessauftakt im Fall um zerstückelte Leiche von Nalbach

mit Informationen von Gabor Filipp   08.07.2022 | 17:30 Uhr

Wegen gemeinschaftlichen Totschlags saßen am Freitag ein Mann und eine Frau auf der Anklagebank des Landgerichts Saarbrücken. Das Duo wird beschuldigt, einen flüchtigen Bekannten aus Nalbach umgebracht und dessen Leiche zerstückelt zu haben. Im Prozess belasteten sich beide gegenseitig.

Am Saarbrücker Landgericht hat am Freitag gegen eine Frau und einen Mann aus Nalbach der Prozess wegen gemeinschaftlichen Totschlags begonnen. Den Angeklagten wird zur Last gelegt, einen 60-jährigen Bekannten im Streit umgebracht zu haben.

Die 51-jährige Hauptangeklagte, Iris B., ließ sich zu Prozessbeginn über ihren Verteidiger zur Sache ein. Ihr 43-jähriger Mitangeklagter, Pascal G., äußerte sich selbst zum Tathergang.

Video [aktueller bericht, 08.07.2022, Länge: 2:58 Min.]
Prozessauftakt im Nalbach-Fall

Aussagen nicht deckungsgleich

Die beiden Aussagen verwiesen auf einen Streit vor der Gewalttat, waren aber in wesentlichen Punkten nicht deckungsgleich. Die Hauptangeklagte bestritt, dem Opfer einen Brieföffner in den Hals gerammt zu haben und gab G. die Schuld für den Tod des 60-Jährigen. Zudem soll es seine Idee gewesen sein, die Leiche zu zerstückeln.

Der Mitangeklagte belastete wiederum die Frau schwer und erklärte, nicht wesentlich zur Tat beigetragen zu haben. Sie soll der Leiche noch eine Nikolaus-Mütze übergezogen und Fotos davon gemacht haben.

Beide bestätigten jedoch, dass das 60-jährige Opfer in der Wohnung der Frau zu Tode kam.

Grausame Details

Gesichert ist, dass dem Leichnam Gliedmaßen und Kopf abgesägt wurden. Die Körperteile des Opfers haben die beiden in Müllsäcken und mit dem ÖPNV in den Wald zum Vergraben gebracht. Der Rumpf verblieb dabei noch tagelang in der Wohnung der Frau.

Die beiden Angeklagten waren zur Tatzeit betrunken und sind wohl Alkoholiker, was eine verminderte Schuld- und Steuerungsfähigkeit bedeuten könnte.

Prozessauftakt: Mord an Mann aus Nalbach
Audio [SR 3, Gabor Filipp, 08.07.2022, Länge: 03:41 Min.]
Prozessauftakt: Mord an Mann aus Nalbach

Hintergründe zur Tat

Am 12. November vergangenen Jahres war Nikolaus L. aus Nalbach spurlos verschwunden. Eine Woche blieb er vermisst.

Dann klärte sich das Schicksal des 60-Jährigen auf, weil Pascal G. bei der Polizei Saarlouis auftauchte, und sich sowie seine Bekannte Iris B. beschuldigte, den Punker unter Alkoholeinfluss und nach einem Streit getötet zu haben. Sie hätten das Opfer unter anderem mit einem Stich in den Hals, durch Würgen und ein aufs Gesicht gedrücktes Kissen getötet.

Ging die Initiative von der Angeklagten aus?

Die Initiative hat laut Staatsanwaltschaft die 50-jährige Iris B. ergriffen. Mit ihr zusammen soll der 41-jährige Mittäter einige Tage später Kopf, Arme und Beine des Opfers abgetrennt und im Wald verscharrt haben, wo sie von der Polizei gefunden wurden.

Der Torso verblieb in der Wohnung der kleinen zierlichen Frau, die bei ihrer Festnahme 2,7 Promille hatte. Sie ist nach mehreren erfolglosen Therapien offensichtlich Alkoholikerin.

Keine Verbindung zum Fall Pascal

Für Aufsehen hatte der Fall auch deswegen gesorgt, weil das Opfer vor seiner Tötung behauptet haben soll, sein Bruder sei der Mörder des 2001 verschwundenen Pascal. Nikolaus L. war 2003 auch im Rahmen des Pascal-Ermittlungsverfahrens von der Polizei vernommen worden.

Schon damals hatte L. behauptet, sein Bruder habe Pascal ermordet. Allerdings habe sich gegen L.s Bruder nie ein konkreter Verdacht ergeben. Es habe auch keinerlei Verbindungen zum Verschwinden des damals fünfjährigen Pascal Zimmer gegeben.

Über dieses Thema berichtet auch die SR 3-Rundschau vom 08.07.2022.

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