Ein Tornado hat in Luxemburg schwere Schäden angerichtet. (Foto: Anthony Dehez/BELGA/dpa)

Tornados werden nicht mehr, aber stärker

Axel Wagner   25.08.2019 | 08:37 Uhr

Der Tornado, der am Freitag vor zwei Wochen eine Schneise der Verwüstung durch Luxemburg gezogen hatte, sorgt auch im Saarland für Unruhe. Nehmen solche extremen Unwetterphänomene zu? Und wie kann man sich schützen?

Vorhersagen lassen sich die vor allem aus den USA bekannten Starkwinde nach den Worten von Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD) nicht. Sie seien auf dem Radar oder Satellitenmodellen nicht zu erkennen, da sie zu kleinräumig und kurzfristig seien. Um eine Unwetterwarnung für einen Tornado herausgeben zu können, sei man immer auf Augenzeugen angewiesen, die den Sturm bereits sehen. Erst dann könne man den Zug des Sturms in etwa voraussagen.

In den USA wird nach den Worten Friedrichs ein Verfahren mit mobilen Radargeräten erprobt, die durch die Landschaft fahren, um Gewitter zu verfolgen. Durch diese Daten könne man zumindest kurzfristig Tornados erkennen und ihre Bahn vorausberechnen.

Luxemburger Tornado mittelschwer

Eingeordnet werden Tornados in fünf Stufen auf der Fujita-Skala, die der japanische Sturmforscher Tetsuya Theodore Fujita 1971 entwickelt hat:

  • F0: 63-117 km/h: Leichte Schäden an Schornsteinen, Äste brechen, einzelne Dachziegel werden abgedeckt
  • F1: 118-180 km/h: Bäume werden entwurzelt oder brechen, Dächer werden teilweise abgedeckt, Anhänger werden umgeweht, fahrende Pkw verschoben
  • F2: 181-253 km/h: Ganze Dächer werden abgedeckt, nahezu alle Bäume entwurzelt, erste Mauereinstürze, leichte Gegenstände werden zu Projektilen
  • F3: 254-332 km/h: Erste Häusereinstürze, Pkw werden fortgetragen
  • F4: 333-418 km/h: Holzhäuser mit schwacher Verankerung werden verschoben, schwere Gegenstände werden zu Projektilen. Einen solchen Tornado gab es am 10. Juli 1968 über Pforzheim.
  • F5: 419-512 km/h: Holzhäuser werden von ihren Fundamenten gerissen, weit verschoben und zerlegt. Asphalt kann von der Straße geschält werden.

Darüber hinaus gibt es auch noch weitere Stufen bis F12 (über 1188 km/h). Die Geschwindigkeiten bis Stufe F11 (bis 1188 km/h) wurden bisher allerdings noch nie beobachtet. Höhere Geschwindigkeiten sind auf der Erde nicht möglich, da der Wind die Schallgeschwindigkeit nicht überschreiten kann.

In Deutschland eher schwache Stürme

Den Luxemburger Tornado vor zwei Wochen stuft der DWD als hohen F2 ein, mit Windgeschwindigkeiten bis 250 km/h. In Deutschland gibt es nach den Worten von Andreas Friedrich pro Jahr im Durchschnitt 20 bis 60 nachgewiesene Tornados, wobei nicht alle entdeckt werden. Die meisten dieser Starkwinde fallen in die beiden niedrigsten Kategorien F0 und F1. Deutlich häufiger kommen sogenannte Downbursts vor, schwere Fallböen in der Nähe von Gewittern. Dabei wird der Abwind so stark beschleunigt, dass der Windstoß wie ein Sack aus dem Niederschlagsbereich herausfällt und am Boden auseinanderläuft.

Die meisten Tornados treten, da sie immer mit Schauern und Gewittern verbunden sind, in den Sommermonaten Juni, Juli und August auf. Dass es heute mehr von ihnen gibt als früher, kann Friedrich nicht bestätigen. „Man kann bisher weltweit nicht nachweisen, dass Tornados zugenommen haben.“ Für die USA, wo regelmäßig schwere Stürme auftreten, insbesondere in Oklahoma, seien die Zahlen seit 30 Jahren konstant. Auch für die Zukunft lässt sich keine Häufung erkennen. Stattdessen lassen Klimasimulationen eher darauf schließen, dass die Tornados weltweit an Stärke zunehmen. „Wenn die Atmosphäre wärmer wird, kann sich mehr Energie in so einem Luftquantum speichern“, erklärt Friedrich.

Vorbeugen kaum möglich, Verhalten wichtig

Direkte Konsequenzen für die Bauweise in Europa, vergleichbar mit den Vorsichtsmaßnahmen in Erdbebengebieten, lassen sich derzeit nicht ableiten. Die Schäden an der Bausubstanz durch Tornados dürften hierzulande aufgrund der üblichen massiven Bauweise insgesamt geringer ausfallen als beispielsweise in den USA, wo die sogenannten Mobile Homes sehr verbreitet sind. Dabei handelt es sich um Fertighäuser ohne Keller, die auf eine Betonplatte gestellt werden.

Viel wichtiger sei es, so Friedrich, sich im Fall eines Tornados richtig zu verhalten. Dazu empfiehlt der DWD:

  • Beobachten und entfernen: Bilden sich gewundene, zum Boden zeigende Trichterwolken, die sich schnell nähern, gilt es, genau zu beobachten, wohin sich der Trichter bewegt. Dementsprechend sollte man sich sofort entfernen.
  • Schutz suchen: Der Durchmesser eines Tornados liegt zwischen wenigen Metern und knapp unter einem Kilometer. Außerdem bestehen sie meist nur zwei bis drei Minuten und bewegen sich nicht sehr schnell über das Land. Von daher sind die Chancen gut, dass man Schutz suchen kann, vorzugsweise in einem Gebäude. Dort gilt: von den Fenstern weg bleiben, in den Keller gehen oder, wenn das nicht geht, in die Mitte des Erdgeschosses. Sicherheit bieten auch Bäder ohne Tageslicht oder das Gäste-WC.

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