Ermittler der Polizei suchen nach im Wald vergrabenen Leichenteilen von Nikolaus L. (Foto: BeckerBredel)

Die verstörende Tat von Nalbach und der Fall Pascal

Thomas Gerber   21.11.2021 | 11:50 Uhr

Nach dem Tötungsdelikt an dem 60-jährigen Nalbacher Nikolaus L. hat die Polizei weitere Leichenteile aus einem Waldstück geborgen. Ob es einen neuen Ermittlungsansatz zum Fall des seit 20 Jahren verschwundenen kleinen Pascal aus Burbach gibt, bleibt zunächst unklar.

Die Tötung des seit gut einer Woche als vermisst geltenden Nalbachers Nikolaus L. (60) scheint weitgehend aufgeklärt. Die beiden Beschuldigten Iris B. (50) und Pascal G. (41) haben die Tat eingeräumt.

Nachdem zunächst nur der Torso des Opfers in der Wohnung von Iris B. gefunden wurde, konnten inzwischen weitere Leichenteile in einem Waldstück bei Bilsdorf geborgen und in die Homburger Gerichtsmedizin gebracht werden.

Verstörende Tatumstände

Die Tat und ihre Umstände sind mehr als verstörend. Irgendwann zwischen dem 12. und dem 19. November hatten sich die beiden Beschuldigten und ihr späteres Opfer im Wohnzimmer von Iris B. zusammengesetzt. Es soll reichlich Alkohol geflossen sein. Die drei kannten sich kaum, waren laut Polizei eher flüchtige Bekannte.

Aktuelles im Mordfall Nalbach
Audio [SR 1, (c) Joachim Meyer, Thomas Gerber, 22.11.2021, Länge: 02:25 Min.]
Aktuelles im Mordfall Nalbach

In seinem Geständnis gegenüber der Polizei schilderte Pascal G. die Geschehnisse nach SR Informationen dann in etwa wie folgt: Offenbar aus heiterem Himmel soll Nikolaus L. Ungeheuerliches berichtet haben. Sein Bruder, so soll der 60-Jährige erzählt haben, sei der Mörder von Pascal Zimmer. Es entwickelte sich ein Wortgefecht, schließlich versuchten Iris B. und Pascal G. den Namen des Bruders aus L. regelrecht herauszuprügeln. Ein Brieföffner wurde dem 60-Jährigen in den Hals gerammt. Der Mann ging zu Boden.

In seiner Aussage belastet Pascal G. Iris B. schwer - sie soll L. ein Kissen aufs Gesicht gedrückt und ihn erstickt haben. Iris B. soll die Geschehnisse gegenüber einer Bekannten ähnlich geschildert haben.

Wobei das, was nach der Tat geschah, selbst erfahrene Ermittler erschaudern lässt.

Tat sollte offenbar systematisch verdeckt werden

Am Tag nach der Tat sollen Iris B. und Pascal G. in einen Baumarkt nach Dillingen gefahren und dort einen Spaten, Müllsäcke und Sägen gekauft haben. In der Wohnung von Iris B. zerstückelten sie die Leiche und packten die Extremitäten in Müllsäcke, die sie im Wald bei Nalbach-Bilsdorf entsorgten, wo sie nun auch gefunden wurden.

Dieses sogenannte "Nachtatverhalten" - für das Amtsgericht Saarbrücken war es mit ein Grund, Haftbefehl gegen die beiden Beschuldigten zu erlassen. Die Tat sollte offenbar systematisch verdeckt werden. Angesichts des zu erwartenden hohen Strafmaßes bestehe zudem für beide Fluchtgefahr.

Obduktion am Montag geplant

Am Montag soll nun die Obduktion endgültige Klarheit auch über die Identität des Toten bringen. Die Ermittler sind sich aber sicher: Es handelt sich um den vermissten Nikolaus L., der in einer Einrichtung des "Betreuten Wohnens" lebte.

Zusammenhang mit Fall Pascal nur Schutzbehauptung?

Ob die grausamen Geschehnisse von Nalbach im "Fall Pascal" tatsächlich einen neuen, vielversprechenden Ermittlungsansatz bringen, ist unterdessen völlig offen. Vieles ist denkbar. So könnte es sich durchaus um Prahlerei oder um eine Schutzbehauptung von G. handeln, um seine Tat zu rechtfertigen, um ihr eine moralische Rechtfertigung zu geben oder um sie für sich selbst zu erklären. Eine Art Relativierung der eigenen Schuld.

Denn so schlimm die eigene Tat - die Tötung von Nikolaus L. - auch sein mag, die Ermordung und der sexuelle Missbrauch eines Kindes sind auch in kriminellen Milieus absolutes Tabu. Ob Nikolaus L. tatsächlich erklärt hatte, sein Bruder sei der Mörder des kleinen Pascal, und dies Auslöser des tödlichen Streits war, dürfte kaum nachzuweisen sein.

Polizei geht neuen Hinweisen nach

Die Polizei geht dem Hinweis dennoch nach, will klären, ob es tatsächlich eine Verbindung nach Burbach oder gar in Richtung Tosa-Klause gab. In den vergangenen 20 Jahren tauchten allerdings immer wieder vergleichbare Hinweise auf, die dann im Sand verliefen. Trotzdem dürfte im "Fall Pascal" eine neue Spurenakte angelegt werden.

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 21.11.2021.

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