Heruntergelassene Rolltore des Fleischherstellers Wilke Wurstwaren (Foto: picture alliance/Uwe Zucchi/dpa)

Nach zwei Todesfällen: Wurstrückruf auch im Saarland

  04.10.2019 | 13:09 Uhr

Nach zwei Todesfällen durch Bakterien in Wurstwaren hat der hessische Wurstlieferant Wilke den Betrieb eingestellt und ruft alle Waren zurück. Betroffen davon sind auch zahlreiche Unternehmen im Saarland.

Nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums wird derzeit der Weg der Waren zurückverfolgt. Das Ministerium geht davon aus, dass zehn Großhändler im Saarland von der Firma beliefert wurden. Eine Liste der Kunden der Großhändler werde zurzeit erstellt. Die Recherchen und Kontrollen der Betriebe könnten bis Mitte nächster Woche andauern.

Keine Verdachtsfälle auf Erkrankung im Saarland

Listerien in Pizzasalami
Wurstfabrikant nach Todesfällen durch Keime geschlossen [02.10.2019]
In Pizzasalami und einer Brühwurst der Firma Wilke Wurstwaren sind gefährliche Bakterien gefunden worden. Nachdem es zwei Tote gab, wurde das nordhessische Unternehmen nun dicht gemacht.

Laut Ministerium sind bisher keine Verdachtsfälle auf Erkrankungen im Saarland bekannt. Bei zwei Todesfällen älterer Menschen in Hessen sieht eine Untersuchung des Robert-Koch-Instituts allerdings einen Zusammenhang. Zudem könnten mindestens 37 weitere Krankheitsfälle mit den Wurstwaren im Zusammenhang stehen. In Pizzasalami und Brühwurst waren Listerien nachgewiesen worden. Diese können zu Durchfall und Fieber führen, für Senioren, Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Schwangere aber gefährlich sein.

Auch Metro-Produkte betroffen

Das Unternehmen selbst hatte in einer Mitteilung alle Waren mit der Kennzeichnung DE EV 203 EG zurückgerufen. Produkte seien auch in loser Form an Fleischtheken und Großküchen geliefert worden. Entgegen der Annahme der Behörden verkaufte Wilke aber unter fremdem Namen. Der Großhändler Metro nahm nach eigenen Abgaben alle Wilke-Produkte aus dem Sortiment - darunter seien Metro-Eigenmarken gewesen, sagte eine Sprecherin. Metro nehme aber bei diesen Waren eigene Stichproben und da sei Wilke in den vergangenen sechs Monaten nicht auffällig gewesen.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Das Unternehmen beliefert nach eigenen Angaben vor allem die Gastronomie und Großküchen. Nach Angaben der zuständigen Kreisverwaltung in Nordhessen haben auch Altenheime und Krankenhäuser über Großhändler Wilke-Produkte bezogen.

Wilke habe inzwischen die Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens beantragt, sagte ein Sprecher des Amtsgerichts Korbach. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft Kassel wegen fahrlässiger Tötung.

Hintergrund: Listerien kommen häufig vor

Listerien sind in der Natur häufig vorkommende Bakterien. Nur sehr wenige Menschen, die diese aufnehmen, erkranken an der sogenannten Listeriose. Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektionskrankheit meist unauffällig oder nimmt einen harmlosen Verlauf mit grippeähnlichen Symptomen. Gefährlich ist die Infektion für abwehrgeschwächte Personen: Neugeborene, alte Menschen, Patienten mit chronischen Erkrankungen, Transplantierte, Schwangere. Bei ihnen und bei Ungeborenen kann Listeriose zum Tod führen.

Über dieses Thema berichteten auch die SR-Hörfunknachrichten am 04.10.2019.

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