Eine Frau sieht mit ihrer Tochter Freunde und Verwandte an Weihnachten in einer Videositzung.  (Foto: picture alliance / Zoonar | Channel Partners)

So bleibt das Weihnachtsfest harmonisch

Tabea Prünte   24.12.2021 | 09:08 Uhr

An Weihnachten kann es innerhalb von Familien schon mal ordentlich krachen, denn das Fest der Liebe trägt so einiges an Konfliktpotenzial in sich. Dieses Jahr kommt zum allgemeinen Stress und hohen Erwartungen auch noch das Thema Coronaimpfungen dazu. Wie man trotzdem ein harmonisches Weihnachtsfest verbringen kann, haben wir einen Sozialpsychologen gefragt.

Schon im vergangenen Jahr haben sich viele Familien die Frage gestellt: Wen kann man eigentlich einladen für ein gemeinsames Weihnachtsfest und wie hält man das Ansteckungsrisiko dabei so gering wie möglich? Auch in diesem Jahr ist die Coronapandemie in der Weihnachtszeit weiterhin Dauerthema. Was im Vergleich zum vergangenen Jahr neu ist: Die Frage 'geimpft oder nicht geimpft?'.

Denn die geltenden Corona-Regeln fallen je nach Impfstatus verschieden aus. So gelten für Ungeimpfte strengere Kontaktbeschränkungen als für Geimpfte. Das kann die harmonische Weihnachtszeit innerhalb von Familien durchaus strapazieren, weiß der Sozialpsychologe Prof. Malte Friese - zusätzlich zum ohnehin jährlich vorhandenen Weihnachtsstress.

Insgesamt mehr Konfliktpotenzial

Im Laufe des Jahres habe jede und jeder mal stressige Zeiten. Das Besondere an der Weihnachtszeit sei aber: "Es ist eine Jahreszeit, die für viele Leute gleichzeitig stressig ist", erklärt der Professor für Sozialpsychologie an der Universität des Saarlandes im SR-Interview. Geschenke besorgen, Weihnachtspost verschicken, Weihnachtsessen planen - "die Weihnachtstage sind für viele Menschen an hohe Erwartungen gekoppelt." Der Druck, diese erfüllt haben zu wollen, sei dementsprechend groß.

Prof. Dr. Malte Friese, Sozialpsychologe an der Universität des Saarlandes (Foto: Prof. Dr. Malte Friese )
Prof. Dr. Malte Friese, Sozialpsychologe an der Universität des Saarlandes

Hinzukomme: An den Weihnachtstagen haben Familien mehr Zeit füreinander. "Da sind die Chancen, dass Differenzen entstehen, größer und man kann dem nicht so leicht entfliehen". Das Konfliktpotenzial steigt, erklärt Prof. Friese. "Da werden auch mal Dinge angesprochen, bei denen man sich uneinig ist."

Thema Corona kaum zu vermeiden

Das Thema Coronapandemie füge der ohnehin vielleicht schwierigen Situation in Familien noch einen anderen Faktor hinzu: Denn es ist eines, dem man kaum ausweichen könne. Während man über Weihnachten andere Themen auch mal unausgesprochen lassen könne - und zum Beispiel Diskussionen über die Kindererziehung auf einen anderen Zeitpunkt verschieben könne - lasse sich Corona quasi nicht umgehen, da es mehr oder minder in all unsere Lebensbereiche eingreift, erklärt der Wissenschaftler.

Genauso schwierig sei dies beim Thema Impfstatus, denn es betrifft ebenfalls alle gleichermaßen. "Was der eine tut, hat für den anderen Konsequenzen", erklärt dazu Prof. Friese. "Daher muss man sich mit den jeweiligen Beweggründen auseinandersetzen."

"Keine gleichwertigen Meinungen"

Eine weitere Schwierigkeit: "Zum Impfstatus gibt es in der öffentlichen Diskussion keine zwei gleichwertigen Meinungen", sagt der Sozialpsychologe. Denn sowohl gesellschaftlich als auch wissenschaftlich sei eine Position mehr gewollt und akzeptiert als die andere. "Da steckt also eine Wertung drin, der man nur schwer entrinnen kann. Daher wird es schnell eine emotionale Geschichte."

Umgeimpfte, die sich der Impfung gegenüber kritisch äußern, kommen Prof. Friese zufolge schwierig aus dieser Rolle wieder heraus, selbst wenn sie ihre Meinung änderten. "Menschen fällt es häufig schwer, von der eigenen Meinung abzurücken, wenn sie dies als Schwäche oder 'Umfallen' interpretieren." Die Aufgabe der Geimpften sei daher, Brücken zu bauen und es den Ungeimpften zu ermöglichen, ihre Meinung ändern zu können, so dass "Ungeimpfte ihr Gesicht wahren können".

Das gesteigerte Konfliktpotenzial, die hohe Erwartungshaltung an die gemeinsame Weihnachtszeit, der Wunsch, sich als Familie zu treffen trotz eventuell entgegengerichteter Meinung bezüglich des Corona-Themas kann sich an Weihnachten zu einem scheinbar unüberwindbaren Konflikt aufsummieren. Doch wie sollte man vorgehen, um das zu vermeiden? Der Sozialpsychologe gibt einige Tipps.

Tipps um Streit zu vermeiden

So sollte man sich zunächst bewusst machen, dass die aktuelle Situation für alle schwierig ist. Wichtig sei dabei, sich einander Raum zu lassen. Selbst wenn Teile der Familie ungeimpft seien, komme es darauf an, "die Sorgen und Bedenken ernst zu nehmen und sich dann zu überlegen, wie man sie überzeugen kann, ohne das Thema hochemotional werden zu lassen."

Keine Vorwürfe

Vorwürfe und Unverständnis sollten also vermieden werden. Stattdessen solle die Botschaft klar sein, 'ich nehme dich ernst, ich versuche deine Sorgen nachzuvollziehen'. "Erst dann sollte man Argumente vorbringen, um die spezifischen Punkte möglicherweise widerlegen oder relativieren zu können", rät Prof. Friese. "Es ist auch sinnvoll, sich die eigenen Argumente vor so einem Gespräch zurechtzulegen."

Kompromisse finden ohne Einzuknicken

Auch wenn in der Weihnachtszeit vielleicht nicht alle auf demselben Nenner landen und sich zum Beispiel in Bezug auf die Coronaimpfung uneinig sind, sollten sich Geimpfte im Vorhinein überlegen, wie sie sich im Umgang mit Ungeimpften am wohlsten fühlen. Wenn sie die Zeit nicht gemeinsam in demselben Raum verbringen möchten, sollten sie dies klar kommunizieren. Wichtig sei, die Bedürfnisse aller ernst zu nehmen und auch die eigenen Prinzipien nicht über Bord zu werfen.

Und vielleicht findet man schlussendlich doch noch Kompromisse: "Ansätze wie regelmäßiges Testen und freiwillige Kontaktbeschränkungen machen es vielleicht möglich, Ungeimpften ihre Entscheidungfreiheit zu lassen und das Sicherheitsbedürfnis der Geimpften dennoch zu respektieren", sagt Prof. Friese.


Die rechtlichen Grundlagen

Laut aktuell geltender Coronarechtsverordnung des Saarlandes dürfen sich geimpfte und genesene Personen treffen. Im Innenraum sind bis zu 50 Personen erlaubt, im Außenbereich bis zu 200, sofern sie einen 2G-Nachweis vorzeigen können.

Eine ungeimpfte Person darf sich im Sinne der aktuellen Corona-Rechtsverordnung mit dem eigenen Haushalt sowie einer weiteren Person treffen, die nicht über einen 2G-Nachweis verfügt.

Für Minderjährige sowie für Personen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, gelten die Kontaktbeschränkungen nicht.

Nach Weihnachten werden die Kontaktbeschränkungen auch für Geimpfte und Genesene ausgeweitet. Das haben Bund und Länder am Dienstag beschlossen. Ab dem 28. Dezember dürfen sich dann nur noch bis zu zehn geimpfte oder genesene Personen treffen. Kinder bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres sind davon ausgenommen. Die Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte bleiben weiterhin bestehen.

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