Hund im Tierheim Homburg (Foto: SR)

Tierheime im Saarland sind überlastet

Mit Informationen von Herbert Mangold   16.08.2022 | 19:20 Uhr

Die saarländischen Tierheime sind in diesem Jahr überlastet, es gibt kaum noch freie Kapazitäten. Der Deutsche Tierschutzbund im Saarland schlägt Alarm. Der Grund: Weil dieses Jahr wieder viele Menschen in Urlaub gefahren sind, stieg die Zahl der abgegebenen oder ausgesetzten Tiere.

Das Katzenhaus im Tierheim Niederlinxweiler: Überall tummeln sich Stubentiger, die in den vergangenen Tagen und Wochen abgegeben oder gefunden wurden. Jetzt hat Leiterin Andrea Bonnstaedter einen Aufnahmestopp für Abgabetiere verhängt. So wie in Niederlinxweiler sieht es derzeit in allen saarländischen Tierheimen aus. Der Deutsche Tierschutzbund im Saarland schlägt Alarm.

Zu wenig Personal, keine freien Plätze

„Unsere Kapazitäten sind erschöpft“, sagt Tierheimleiterin Andrea Bonnstaedter. „Wir sind zu wenige Leute, wir haben zu viel Arbeit und müssen unseren Tieren momentan gerecht werden. Deswegen haben wir da im Moment gestoppt. Das war kein einfacher Schritt.“ Die Menschen müssten verstehen, so Bonnstaedter, dass es irgendwann nicht mehr geht.

Video [aktueller bericht, 16.08.2022, Länge: 3:30 Min.]
Tierheime im Saarland voll

In der Zeit der Corona-Pandemie konnten viele Tiere vermittelt werden. Das ist jetzt stark zurückgegangen, womit weniger Plätze für neue Tiere frei werden. Gleichzeitig fahren wieder viele Menschen in Urlaub. Die Folge: Hunde und Katzen werden abgegeben oder ausgesetzt.

Ausgenommen von dem Aufnahmestopp in Niederlinxweiler sind allerdings Fundtiere. „Das ist auch einiges, was wir da von den einzelnen Gemeinden bekommen, mit denen wir Verträge haben“, sagt Bonnstaedter. Häufig kämen derzeit alte und kranke Tiere ins Heim, aber auch junge und häufig trächtige Tiere.

Lage in anderen Tierheimen ähnlich

Dass Niederlinxweiler kein Einzelfall ist, zeigt ein Blick ins Homburger Tierheim. Auch dort ist der Platz knapp, besonders für Hunde. Statt 20 leben dort gerade rund 45. Besonders bei Welpen haben viele Menschen keine Vorstellung, wie groß die Tiere werden können.

Video [aktueller bericht, 16.08.2022, Länge: 3:37 Min.]
Tierschützerin Heike Klein: „Die Situation ist sehr angespannt.“

Unwissenheit führt aber nicht nur bei Hunden, sondern auch bei Kleintieren zu Problemen, etwa bei Kaninchen. Das zeigt ein aktueller Fall: Besitzer hatten sorglos zwei Tiere gekauft – ein Pärchen. Da sich Kaninchen mehrmals im Jahr fortpflanzen können, gab es einen enormen Familienzuwachs – 30 Tiere.

„Die haben alle auf einem Balkon gelebt, und die Nachbarn sind dann irgendwann darauf aufmerksam geworden, als das erste Kaninchen runtergeplumpst ist“, sagt Tierpflegerin Nadine Morbach. „Leider hat es nicht überlebt.“

Signal für besseren Umgang mit Tieren

Auch wenn dies ein extremer Fall ist: Die Mitarbeiter in Homburg beobachten, dass Tiere immer öfter zu „Gebrauchsobjekten“ oder auch „Wegwerfartikeln“ werden. „Es ist eine Katastrophe, wie Menschen mit Tieren umgehen“, sagt Pia Döring, stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins Homburg/Saar und Umgebung, der das Homburger Tierheim betreibt. „Ich bin der Meinung, dass die Tierheime immer mehr zur Müllhalde der Gesellschaft verkommen.“

Und so soll der Aufnahmestopp für Abgabetiere im Tierheim Niederlinxweiler nach Ansicht der Betreiber auch ein Signal sein, besser mit Hunden und Katzen umzugehen.

Über dieses Thema hat auch der „aktuelle bericht“ vom 16.08.2022 berichtet.

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