Tierfriedhof  (Foto: IMAGO / BeckerBredel)

Saarbrücker Tierfriedhof auf dem Prüfstand

Daniel Dresen   06.02.2021 | 10:16 Uhr

Weil der Nitrit-Grenzwert im Grundwasser des Saarbrücker Tierfriedhofs im vergangenen Jahr überschritten wurde, steht nach 41 Jahren die Ruhestätte für Haustiere möglicherweise vor dem Aus. Auch die Wirtschaftlichkeit wird infrage gestellt.

Die Nachricht vom möglichen Aus des Tierfriedhofs auf der Habsterhöhe in Saarbrücken zum Jahresende bewegt die Tierhalter in der Landeshauptstadt. In den vergangenen drei Jahren wurden hier insgesamt 216 Tiere begraben. 58 Bestattungen waren es im Jahr 2020.

Nun steht nach 41 Jahren die 14 Hektar große Ruhestätte, die vom Entsorgungsbetrieb ZKE betrieben wird, möglicherweise vor der Schließung. Denn bei routinemäßigen Messungen im März 2020 wurde festgestellt, dass im Grundwasser des Tierfriedhofs der Nitrit-Grenzwert überschritten wurde: Statt 0,5 Milligramm pro Liter waren es 8,24.

Labor sucht nach Ursache

In unmittelbarer Nähe des Tierfriedhofs befindet sich ein 18,5 Quadratkilometer großes Wasserschutzgebiet. Hier gilt besondere Vorsicht, denn mit Nitrit verunreinigtes Wasser kann bei Säuglingen zu Sauerstoffmangel in lebenswichtigen Organen führen, der sogenannten Blausucht. Bei Erwachsenen kann Nitrit im Magen Nitrosamine bilden, die Krebs erzeugen.

Um der Ursache für den erhöhten Nitrit-Wert auf den Grund zu gehen, will die ZKE in den kommenden Wochen eine weitere Wasserprobe von einem Labor analysieren lassen. Das Institut soll zudem die Bodenbeschaffenheit des Saarbrücker Tierfriedhofs und die klimatischen Einflüsse bewerten. "Stickstoffverbindungen wie Nitrit sind bei verschiedenen Randbedingungen unterschiedlich biologisch abbaubar. Daher stellt das Analyseergebnis eine Momentaufnahme dar, die durchaus auf die damals herrschende lange Trockenheit zurückgeführt werden könnte", erklärt ZKE-Sprecherin Judith Pirrot die Nachuntersuchungen.

Dass ein Tierfriedhof aufgrund von Wasserschutzbedenken geschlossen werden soll, ist für den Vorsitzenden des Bundesverbands der Tierbestatter, Martin Struck, ungewöhnlich. Er kann sich kaum vorstellen, dass der hohe Anstieg des Nitrit-Werts allein von den wenigen Tierkadavern herrührt. Weil sich das Areal in direkter Nachbarschaft zum Saarbrücker Hauptfriedhof befindet, müsste man auch dort die Wasserwerte überprüfen, meint Struck.

Geringe Nachfrage nach Gräbern

Was aus dem Tierfriedhof wird, entscheidet am Ende die Landeshauptstadt Saarbrücken, denn ihr gehört das Gelände auf der Habsterhöhe. Im Flächennutzungsplan ist sie als Grünfläche ausgewiesen. Über eine Bebauung oder anderweitige Nutzung sei noch nicht diskutiert worden, teilt die ZKE mit.

Auf SR-Anfrage kündigt die Landeshauptstadt zeitnahe verwaltungsinterne Gespräche über die Zukunft des Saarbrücker Tierfriedhofs an. Sie werde prüfen, inwieweit es Möglichkeiten gibt, den Tierfriedhof weiter zu nutzen. Es soll aber auch über Alternativstandorte beraten werden. Die Anforderungen an solche Ausweichflächen seien jedoch hoch: So müssten sie in städtischem Besitz sein, sollten weder in einem Wasserschutz- oder Naturschutzgebiet liegen, noch im Wald oder an der Peripherie. Das erschwere die Suche nach geeigneten Flächen, teilt eine Sprecherin der Landeshauptstadt mit.

Auch die Wirtschaftlichkeit der Ruhestätte wird infrage gestellt. Der Betrieb des Tierfriedhofs sei aufgrund der "moderaten Gebühren" und des Nutzungsrückgangs nicht kostendeckend, erklärt die Landeshauptstadt. Zuletzt seien die Gebühren im Jahr 2018 erhöht worden. Der Preis für eine Tierbestattung bis zu fünf Kilogramm beträgt derzeit 30 Euro, für Tiere über fünf Kilogramm gibt es einen Aufschlag von drei Euro pro weiteres Kilogramm.

Der Entsorgungsbetrieb ZKE verzeichnet nach eigenen Angaben seit Jahren eine stetig sinkende Nachfrage an Haustierbestattungen. Der Entsorger und die Landeshauptstadt vermuten, dass Einäscherungen, die private Dienstleister anbieten, mittlerweile gefragter sind als Gräber. Nach Auskunft des Bundesverbands für Tierbestattungen entscheiden sich 95 Prozent, der Tierhalter, die sich an einen Bestatter wenden, für eine Kremierung ihres Vierbeiners.

Wenige gepflegte Gräber

Hinzukommt, dass die Nutzungsdauer der Gräber auf dem Saarbrücker Tierfriedhof nur auf drei Jahre beschränkt ist. Bei einem Großteil der Gräber findet laut ZKE allerdings keine Pflege durch die Eigentümer mehr statt. Als Wiesengräber bleiben sie der Natur und Witterung überlassen. Ob diese noch besucht werden, dazu kann der Entsorgungsbetrieb keine Auskunft geben. Personen, die die Gräber ihrer verstorbenen Tiere hingegen pflegen, sollen auch nach einem Aus des Tierfriedhofs weiterhin die Möglichkeit haben, das Gelände betreten zu können.

Die SPD-Stadtratsfraktion fordert indes, dass die Landeshauptstadt Saarbrücken auch in Zukunft einen angemessenen Trauerort für Tierhalter anbieten muss. Einen Haushaltsantrag für den Erwerb und die Bereitmachung eines neuen Geländes habe die Saarbrücker Jamaika-Koalition Ende letzten Jahres noch abgelehnt. Das Thema soll auch im Bauausschuss nun noch mal diskutiert werden.

Dann soll ebenfalls über die Zuständigkeit gesprochen werden. "Ich kann nachvollziehen, dass Tierbestattungen keine Kernaufgabe für unser Abfallentsorgungsunternehmen darstellen. Wir fänden es daher passend, wenn das Amt für Grünflächen und Friedhöfe die Konzeption und den Betrieb übernähme", so SPD-Stadtratsmitglied Thomas Kruse.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja