Der neue Präses der rheinischen Evangelischen Kirche Thorsten Latzel (Foto: picture alliance/dpa | Federico Gambarini)

Thorsten Latzel zum neuen rheinischen Präses gewählt

  14.01.2021 | 15:46 Uhr

Der promovierte Theologe Thorsten Latzel wird neuer Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Landessynode wählte den 50-jährigen Direktor der Evangelischen Akademie Frankfurt am Donnerstag an die Spitze der zweitgrößten evangelischen Landeskirche.

Thorsten Latzel erhielt in der elektronischen Abstimmung 113 von 190 abgegebenen Stimmen. Er wird am 20. März ins Amt eingeführt. Nötig geworden war die Wahl, weil der amtierende rheinische Präses Manfred Rekowski (62) nach achtjähriger Amtszeit in den Ruhestand geht.

Video [aktueller bericht, 14.01.2021, Länge: 1:51 Min.]
Thomas Latzel gewinnt die Wahl zum neuen rheinischen Präses

Signal für Aufbruch

Der 50-jährige Latzel steht für eine aufgeklärte Kirche, die fromm und politisch zugleich ist. "Ich brenne für unsere evangelische Kirche als eine weltoffene Gemeinschaft mit einem freien Glauben", sagte Latzel. Als Nachfolger von Rekowski steht er in den kommenden acht Jahren an der Spitze der Evangelischen Kirche im Rheinland. Seine Wahl zum leitenden Theologen der zweitgrößten deutschen Landeskirche ist ein Signal für Aufbruch und Veränderung.

Kandidat "von außen"

Erstmals bestimmte die rheinische Landessynode mit Latzel, der seit 2013 die Evangelische Akademie in Frankfurt leitet und bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Erfahrungen mit Reformprozessen gesammelt hat, einen Kandidaten "von außen" zum Präses. Von dem ebenso besonnen und reflektiert wie eloquent auftretenden Theologen wird offenbar die Steuerung, Begleitung und Kommunikation eines tiefgreifenden Wandels in den kommenden Jahren erwartet.

"Von den Menschen her denken"

Kirche müsse konsequent von den Menschen her denken, sagte Latzel in seiner Vorstellungsrede vor den Abgeordneten aus den 37 rheinischen Kirchenkreisen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland. Es gehe nicht um die Frage „Wie kommen die Leute zu unseren Angeboten?“, sondern darum,"was wir tun können, um Menschen in ihrem Leben und Glauben zu stärken", sagte Latzel.

Damit Kirche zukunftsfähig bleibe und die Weitergabe des Glaubens nicht abreiße, müsse den 20- bis 40-Jährigen ein besonderes Augenmerk gelten. Im Zuge einer "Ermöglichungskultur" sollten junge Menschen mehr Verantwortung erhalten und auf die Kanzeln geholt werden.

Hans gratuliert Latzel

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) gratulierte Latzel zu seiner Wahl. "Ich freue mich auf die Begegnung und den Austausch mit Herrn Dr. Latzel, der ja auch seine Erfahrungen als Direktor der Evangelischen Akademie in Frankfurt in sein neues Amt einbringen wird", sagte Hans am Donnerstag in Saarbrücken. "Für die saarländische Landesregierung sage ich zu, dass wir auch weiterhin vertrauensvoll mit der Evangelischen Kirche im Rheinland - ebenso wie mit der Evangelischen Kirche der Pfalz - zusammenarbeiten werden."

Zur Person

Der in Bad Laasphe im Kreis Siegen-Wittgenstein aufgewachsene Latzel studierte Evangelische Theologie in Marburg und promovierte 2002 in Heidelberg mit einer Arbeit über den Heidelberger Katechismus.

Nach einer Zeit als Vikar und Gemeindepfarrer wechselte er 2005 ins Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover, wo er als Oberkirchenrat das Projektbüro Reformprozess leitete und auch für die EKD-Kirchenmitgliedschaftsuntersuchungen zuständig war. Seit 2013 leitet er die Evangelische Akademie in Frankfurt, die 2017 konzeptionell neu aufgestellt wurde.

Latzel lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Darmstadt.

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