Abtei Tholey (Foto: SR)

Denkmal an Tholeyer Kirche abgerissen

Dietmar Schellin / Onlinefassung: Sandra Schick   11.06.2019 | 19:50 Uhr

Bei der Sanierung der Abteikirche Tholey wurden Teile des historischen Portals entfernt. Das Landesdenkmalamt fordert, dass diese originalen Architekturteile wieder angebracht werden. Die Abtei will sie aber durch neue ersetzen.

Die Abteikirche Tholey stammt aus dem 13. Jahrhundert. Acht Jahrhunderte lang zeigte der Bogen über dem Eingang das himmlische Personal. Zuletzt war dieser Bogen durch die Witterung angegriffen. Nun wurde er entfernt. Das Landesdenkmalamt war nach eigenen Angaben darüber nicht informiert. Eine Genehmigung gab es nicht. Der Eingriff verstößt nach Ansicht der Denkmalschützer gegen das Gesetz.

Video [aktueller bericht, 11.06.2019, Länge: 1:56 Min.]
Tholey: Denkmal an Kirche abgerissen

Abtei beruft sich auf Religionsfreiheit

Die Abtei will hingegen einen Ersatz haben. Ein Sprecher der Abtei sagte dem SR: "Dort wo erkennbar ist, dass es sich nicht um 13. Jahrhundert handelt, wollen wir einen Vorschlag unserer Zeit machen." Die Abtei berufe sich auf das Grundgesetz, genauer gesagt auf die Religionsfreiheit. Vom Bistum Trier hat sie sich gelöst, sie ist nur dem Heiligen Stuhl unterstellt. Es gebe für sie keine Oberbehörde, außer dem Papst. Wegen der "grundlegenden Bedeutung des Falles" solle die Angelegenheit noch einmal in Rom überprüft werden.

Kulturminister Ulrich Commerçon wollte sich auf Anfrage des SR nicht zu dem Fall äußern.

Über dieses Thema hat auch der aktuelle bericht vom 11.06.2019 berichtet.

Audio:

Kollegengespräch: "Es sind einfach Fakten geschaffen worden"
Audio [SR 3, Karin Mayer/Dietmar Schellin, 13.06.2019, Länge: 03:13 Min.]
Kollegengespräch: "Es sind einfach Fakten geschaffen worden"
Die Abteikirche in Tholey - eine frühgotische Kirche von deutschlandweitem Rang - wird zurzeit aufwändig saniert. Nun ist bekannt geworden, dass der steinerne Bogen mit seinen Abbildungen über dem Nordportal der Kirche entfernt wurde - und zwar ohne Einbeziehung des Landesdenkmalamtes. Die Einzelheiten erläutert SR-Repoter Dietmar Schellin im Kollegengespräch.

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