Helena Keller  (Foto: Linda Grotholt)

"In Europa fühle ich mich zu Hause"

Kasia Hummel   02.05.2019 | 06:00 Uhr

Über kaum ein anderes Thema wird zurzeit so viel diskutiert wie über Europa und die Europäische Union. Da gibt es die einen, nach deren Geschmack die EU zu viel Macht hat. Da gibt es aber auch die anderen, die vor allem die Vorteile der europäischen Staatengemeinschaft sehen. Zu ihnen gehört auch die 26-jährige Helena Keller.

Helena Keller brennt für Europa, das wird im Gespräch schnell klar: "Europa spielt eine große Rolle in meinem Leben. Ich identifiziere mich als Europäerin, als Deutsch-Französin. In Europa fühle ich mich zu Hause." Geboren in Deutschland, weckte ihre Familie schon im Kindesalter ihr Interesse für die französische Sprache: "Mein ganzes Leben war schon immer so ein bisschen deutsch-französisch geprägt."

Helena Keller (Foto: Virginia Thom)
Helena Keller ist überzeugte Europäerin

Das Interesse für die Sprache und das Land blieb, es folgten ein deutsch-französisches Studium, Auslandsaufenthalte, ein Bewusstsein für Europa und die berufliche Zukunft in London oder Brüssel. Das alles war innerhalb der EU spielend leicht: "Jedes Mal, wenn ich eine Grenze überquere denke ich: Wow, das war früher noch nicht so. Europa ist eine Chance!"

Heute ist Helena Keller im Vorstand der Jungen Europäischen Föderalisten im Saarland und will eigentlich nur eins: Der Bevölkerung die Vorteile der Europäischen Union bewusst machen. Hierbei macht sie ganz unterschiedliche Erfahrungen. Während sie an Schulen durchaus positive Rückmeldungen bekommt, weht bei Aktionen auf der Straße auch mal ein rauerer Wind.

"Hier merkt man schon, welche krassen Meinungen vorherrschen. Man wird mit Verschwörungstheorien konfrontiert, gegen die man nur sehr schwer ankommt." Da stellt sie sich schon manchmal die Frage, wie sinnvoll eigentlich eine Diskussion ist. "Man wird persönlich verantwortlich gemacht, an den Pranger gestellt und muss sich für die Politiker rechtfertigen." Und dann gebe es auch die Leute, die einfach nur Frust abladen wollen.

Politische Bildung als Lösung

Umso wichtiger findet Helena Keller politische Bildung. Erste Erfahrungen mit Schülern sammelte die 26-Jährige im Rahmen des Projektes "Junge Botschafter Europas". Um Jugendliche für das Thema Europa zu sensibilisieren, war sie zum Beispiel in Gemeinschaftsschulen unterwegs. "Im Gespräch mit Schülern bekommt man schnell den Eindruck, dass sie sehr offen und positiv sind."

Video [aktueller bericht, 03.05.2019, Länge: 3:40 Min.]
Youth for Europe

Sie seien dankbar, wenn sie von den Möglichkeiten erfahren, die die EU gerade im Bereich Bildung bietet. "Dass sie dank der EU zum Beispiel im Ausland studieren oder Praktika machen können, diesen Zusammenhang haben sie vorher nicht unbedingt gekannt." Wenn Menschen durch politische Bildung Dinge besser einschätzen könnten, sei das ein guter Weg, etwas zu ändern.

Etwas ändern kann man aber auch, indem man sich als Bürger engagiert, ist Keller überzeugt. Der Rechtsruck in Teilen Europas sei gefährlich, aber er bringe etwas Positives mit sich: Denn momentan gehen auch viele Menschen für Europa auf die Straße – zum Beispiel mit Pulse of Europe, der Bewegung, die nach dem Brexit-Votum entstanden ist. "Ich habe das Gefühl, dass sich gerade was bewegt."

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