Nachbildung der Justitia neben einem Aktenstapel (Foto: dpa Bildfunk)

Terrorverdächtige aus Saarlouis angeklagt

  02.10.2018 | 12:22 Uhr

Nach der Verhaftung von drei Terrorverdächtigen im Saarland im April hat die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz Anklage erhoben. Die drei Männer sollen sich in unterschiedlichen Terrororganisationen an Gefechten in Syrien beteiligt haben. Später beantragten sie in Deutschland Asyl.

Einem 27-Jährigen wirft die Generalstaatsanwaltschaft vor, sich im Februar 2014 in Syrien dem sogenannten "Islamischen Staat" (IS) angeschlossen zu haben. Er soll sich aufseiten des IS aktiv an Gefechten in der syrischen Provinz Hassaka und im Irak an den Kämpfen um die Stadt Mossul beteiligt haben. Nach der Eroberung von Mossul soll er zudem für den IS gespitzelt haben. Der 27-Jährige bestreitet die Vorwürfe.

Beim zweiten Festgenommenen schätzt die Generalstaatsanwaltschaft das Alter auf 22 Jahre. Sowohl das Geburtsdatum als auch die Identität des Mannes sind bislang nicht sicher geklärt. Er soll sich 2013 in der Region Homs dem "Islamischen Staat im Irak und Großsyrien" (ISIG), einer Vorgängerorganisation des IS, angeschlossen und ein Ausbildungslager durchlaufen haben. Dort soll er im Umgang mit leichten Waffen und Schnellfeuergewehren geschult worden sein. Danach soll er sich in Syrien aufseiten des ISIG an militärischen Gefechten beteiligt haben. Der Beschuldigte hat sich bislang nicht zur Anklage geäußert.

Kämpfer seit 2011

weitere Informationen
Polizei nimmt drei Terrorverdächtige fest [13.04.2018]
Ermittler des Staatsschutzes haben gemeinsam mit Spezialeinheiten am Donnerstagnachmittag in Saarlouis drei syrische Staatsangehörige festgenommen. Die Männer im Alter von 21, 23 und 27 Jahren werden verdächtigt, Mitglieder einer terroristischen Vereinigung zu sein. Konkrete Anschlägspläne in Deutschland habe es aber offenbar nicht gegeben.

Der dritte Beschuldigte, ein 23-Jähriger, soll sich im Januar 2013 in der syrischen Stadt Deir ez-Zor unter dem Kampfnamen "Abou Abbas" der islamistischen Terrororganisation "Ahrar al-Sham" angeschlossen haben. Zuvor, so die Generalstaatsanwaltschaft, habe er schon in einer bewaffneten Widerstandsgruppe gegen das Assad-Regime gekämpft, und das vermutlich schon seit 2011.

Zunächst seien ihm die Lebensmittelversorgung der Organisation übertragen worden, anschließend habe er eine militärische Ausbildung absolviert und sei zum Scharfschützen ausgebildet worden, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit. Der 23-Jährige soll sich an den Gefechten um die nordsyrische Stadt Tal Hamis beteiligt und anschließend das Kommando über eine 40-köpfige Einheit übernommen haben. Nach dem Ergebnis der Ermittlungen verbreitete er nach seiner Einreise nach Deutschland über verschiedene Internetplattformen Propagandamaterial und Rekrutierungsaufrufe für die "Ahrar al-Sham". Gegenüber den Ermittlern gab der 23-Jährige die Mitgliedschaft in der Terrororganisation zu, machte aber keine weiteren Angaben.

Festnahme im April

Hinweise auf einen der Verdächtigen sollen unter anderem von einem Mitarbeiter einer Flüchtlingsunterkunft in Neustadt gekommen sein, der den Mann in Kampfausrüstung in einem Video erkannt haben soll. Eine wichtige Rolle in dem Verfahren dürfte nach SR-Informationen auch eine Vertrauensperson spielen, die der saarländische Staatsschutz auf einen der Beschuldigten angesetzt hatte.

Ermittler des Staatsschutzes hatten die drei Männer im April dieses Jahres in Saarlouis und Dirmingen festgenommen. Da die Tatvorwürfe nicht miteinander zusammen hängen, werden drei getrennte Verhandlungen durchgeführt. Über die Eröffnung der Hauptverfahren, die vor dem Oberlandesgericht Koblenz stattfinden werden, ist nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft noch nicht entschieden. Die Akten werden zunächst dem Bundesgerichtshof vorgelegt, der von Gesetzes wegen über die weitere Haftfortdauer entscheiden muss.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 02.10.2018 berichtet.

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