Eine Pflegerin geht in einem Pflegeheim mit einer älteren Dame über einen Korridor (Foto: picture alliance/dpa | Christoph Schmidt)

VdK erwartet höhere Pflegekosten wegen Tarifpflicht

  01.09.2022 | 12:35 Uhr

Ab heute müssen Mitarbeitende in Pflegeheimen und in der ambulanten Pflege nach Tarif bezahlt werden. Dadurch könnten die Kosten für Pflegebedürftige und deren Angehörige immens steigen, warnt der Sozialverband VdK und fordert eine Neuregelung der Pflegefinanzierung.

Die sogenannte Tariftreueregelung in der Pflege ist in Kraft. Sie sorgt dafür, dass Pflegeheime und ambulante Pflegedienste gesetzlich dazu verpflichtet sind, ihre Mitarbeitenden nach Tarif zu bezahlen.

Nach Informationen des Bundesgesundheitsministeriums, das sich auf Einschätzungen privater Einrichtungsträger beruft, steigt das Gehalt dadurch durchschnittlich um zehn bis 30 Prozent. Für Bundesgesundheitsminsiter Karl Lauterbach (SPD) ist das ein großer Erfolg und ein "gutes Zeichen an alle, die diesen wichtigen und erfüllenden Beruf ergreifen wollen".

Pflegekassenanteile müssen mitwachsen

Für die Pflegebedürftigen und deren Angehörigen droht die finanzielle Belastung damit allerdings immens zu steigen. Prinzipiell begrüße man die Tariflösung, heißt es von Sozialverbänden. Doch sie müsse von der Politik gegenfinanziert werden, damit die Einrichtungen die zusätzliche finanzielle Belastung nicht vollständig an die Pflegebedürftigen weitergeben.

"Die dramatischen Preissteigerungen in der Pflege treffen jetzt alle Pflegebedürftigen", sagt der VdK-Vorsitzende im Saarland Armin Lang. Für Pflegebedürftige hierzulande kündigt der Landesverband Kostensteigerungen von rund 1000 Euro an.

Lang nennt neben der Tarifreform die steigenden Energiekosten sowie teurere Lebensmittel, Medizin- und Pflegeprodukte als Grund. Doch zumindest mit Hinblick auf die gesetzlich veranlassten Preissteigerungen durch höhere Löhne hätten seiner Meinung nach auch die Anteile der Pflegekassen mit wachsen müssen. Dass dies nicht geschehen sei, kritisiert er scharf und bezeichnet die Regelung als "halbe Sache".

Pflege im Saarland besonders teuer

Im Saarland liegt der Eigenanteil im Bundesvergleich ohnehin auf einem hohen Niveau: inklusive der Ausbildungspauschale im Durchschnitt bei knapp 2800 Euro. Wer diesen Betrag selbst oder mit Hilfe der Angehörigen nicht stemmen kann, ist auf Sozialhilfe vom Amt angewiesen.

Laut VdK Landesverband betrifft das im Saarland bereits fast die Hälfte der Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner. Auch damit liegt das Land über dem Bundesschnitt, wo es laut VdK etwa jede dritte Person ist. Der Sozialverband fordert daher wiederholt eine weitergehende Reform der Pflegekosten, sodass Pflegebedürftige nur noch für die Kosten für Unterkunft und Verpflegung aufkommen müssen.

Die Tarifpflicht tritt vor allem für die Pflegeheime in privater Trägerschaft neu in Kraft. Für öffentliche Einrichtungen galt bereits die Verpflichtung, tariflich zu entlohnen. Nach VdK-Angaben sind im Saarland 78 von 191 Pflegeeinrichtungen in privater Trägerschaft, das entspricht rund 40 Prozent.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 01.09.2022 berichtet.

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