Mitarbeiter einer Metzgerei bei der Wurstherstellung (Foto: imago/Sven Simon)

Fast niemand will mehr Metzger werden

Carla Sommer   05.08.2016 | 12:41 Uhr

Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres verzeichnet die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) immer weniger Fleischer- und Metzger-Azubis. Ein Problem sei die fehlende Tarifbindung der saarländischen Fleischerinnung. Für die liegt das Problem hingegen am schlechten Image der Branche.

Das neue Ausbildungsjahr hat begonnen und auch die Bewerbungssaison für das Ausbildungjahr 2017 läuft bereits. Doch der Nahrungsmittelbranche laufen die neuen Bewerber nicht die Türen ein. Besonders die Fleischereien und Metzgereien klagen über einen immer größer werdenden Fachkräftemangel.

"Fachkräfte müssen ausreichend bezahlt werden"

Das liegt laut Mark Baumeister, Geschäftsführer der Saar-NGG, an der fehlenden Tarifbindung der saarländischen Fleischerinnung. Denn das Saarland ist das einzige Bundesland im Süden und Südwesten Deutschlands, dessen Fleischerinnung nicht tarifgebunden ist. Hinzu kommt, dass die vorhandenen Tarifverträge schon rund 13 Jahre alt sind. Der aktuelle Manteltarif stammt sogar aus dem Jahr 1994. "Nach diesem Vertrag kommt ein Geselle im Saarland auf etwa zehn bis zwölf Euro pro Stunde. Das ist einfach zu wenig für eine Fachkraft", sagt Baumeister. "Zum Vergleich: In Baden-Württemberg sind es etwa 16 bis 17 Euro."

Eine Modernisierung sowie eine verpflichtende Bindung an den Tarif sei ein wichtiger Baustein, um die Probleme des Handwerks zu lösen, so Baumeister. "Die Firmen wollen Fachkräfte, aber nicht dafür bezahlen. Das kann nicht ewig gut gehen."

Schlechtes Image als Hauptproblem

Für Markus Strauß, Geschäftsführer der saarländischen Fleischerinnung, ist die fehlende Tarifbindung nicht die Wurzel des Problems. Seiner Meinung nach ist das Gegenteil der Fall: "Es sind so wenige Fachkräfte da, dass die Arbeitgeber für eine gut ausgebildete Fachkraft sogar mehr zahlen, als es der Tarif vorgibt", sagt Strauß. Zudem sei der fehlende Fleischernachwuchs ein bundesweites Problem, das es auch in Bundesländern mit verpflichtender Tarifbindung gebe. Einzig bei großen saarländischen Unternehmen, wo eine größere Fluktuation herrsche, könne eine Tarifbindung Sinn machen.

Laut Strauß ist das Problem der Branche viel mehr ihr schlechtes Image. Metzger sei momentan eben kein Modeberuf. "Für viele ist das Fleischerhandwerk ein harter, blutiger Beruf mit schlechten Arbeitszeiten. Doch heutzutage hat sich vieles modernisiert. Ein gelernter Metzger kann zum Beispiel auch im Bereich Catering oder Ernährungsberatung tätig sein."

Umdenken von Kunden und Politik nötig

Dass die gesamte Branche kränkelt, da sind sich die NGG und die Fleischerinnung einig, liegt auch und vor allem an einer falschen Einstellung der Kunden. "Kunden wollen eine gute Qualität und Beratung, aber gehen trotzdem lieber zum Discounter als zum Metzger. Das führt zu einem Metzgereien-Sterben", erklärt Mark Baumeister von der NGG. Nach seinen Angaben verlassen etwa zehn bis 15 Metzger im Saarland pro Jahr die Branche.

Ähnlich sieht es auch Markus Tressel, grüner Bundestagsabgeordneter aus dem Saarland. Schuld am schlechten Zustand der Bäckereien und Metzgereien sei vor allem der harte Wettbewerb durch Großbetriebe und Discounter, der die kleinen Handwerksbetriebe aus den Ortskernen verdränge. Zwischen 1998 und 2015 sank die Zahl der Metzgereien im Saarland von 303 auf 157 Betriebe.

Hinzu kämen die Umlagen durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), die einen unfairen Wettbewerb begünstigten. "Die Große Koalition entlastet Großbetriebe, die die Verantwortung für das Gelingen der Energiewende auf die Handwerksbetriebe abwälzen", so Tressel. Deshalb fordert er, die Privilegierung von Großbetrieben zu beenden. "Unternehmen, die eine Umlage-Befreiung beantragen, sollen nachweisen, dass sie im internationalen Wettbewerb stehen." Nur so könnten Arbeitsplätze in der Region und die regionale Vielfalt der Lebensmittel erhalten werden.

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