Ein Diesel-Auto wird betankt (Foto: pixabay/andreas160578)

Mehr Tanktouristen in Luxemburg

Jürgen Rinner / Onlinefassung: Axel Wagner   22.11.2018 | 20:04 Uhr

Die Autofahrer im Saarland beschweren sich über hohe Spritpreise. Im Südwesten sind sie trotz fallender Rohölpreise sehr hoch. Das verleitet viele dazu, nach Luxemburg zum Tanken zu fahren. Dort gibt es stellenweis schon Lieferengpässe.

Kennzeichen aus allen saarländischen Landkreisen und darüber hinaus sieht man vermehrt an luxemburgischen Tankstellen. Unter der Woche hält sich der Andrang einigermaßen in Grenzen, am Wochenende ist die Hölle los. „Ich bin jetzt im 15. Jahr hier auf dieser Tankstelle, und eine solche Differenz gab’s noch nicht“, sagt Tankstellenbetreiber Reiner Thinnes. „Die Differenz war immer 20 Cent, jetzt sind wir mittlerweile bei fast 40 Cent.“

Video [aktueller bericht, 22.11.2018, Länge: 2:56 Min.]
Tanktourismus in Luxemburg: Der Sprit wird knapp

Wann lohnt sich die Fahrt? Ein Beispiel: Das Auto hat einen 35 Liter-Tank und verbraucht sechseinhalb Liter. Wenn man Kilometerkosten von 30 Cent zugrunde legt, wie sie im öffentlichen Dienst erstattet werden, lohnt sich die Fahrt nur ab Merzig. Wenn man nur den Spritverbrauch zugrunde legt, was eine Milchmädchenrechnung ist, kommt man ab Saarbrücken Null auf Null heraus. Den Schaden für die Umwelt nicht berücksichtigt, hat man dabei nichts gespart.

Aber viele tanken eben nicht nur. „Wenn man genügend Kaffee holt und den Tank voll macht, rechnet es sich“, sagt ein Kunde. Ein anderer meint: „Ich gehe immer an der Mosel spazieren, und das verbinde ich mit dem Tanken.“

Maximal 20 Liter zusätzlich

In Luxemburg darf man übrigens keine Reservekanister mitführen. Wer dennoch besonders clever sein will und auch noch mehr als 20 Liter in Kanistern nach Deutschland mitnimmt, sollte sich nicht erwischen lassen. Denn dann kommt eine Steuernachforderung. Wer es völlig übertreibt, nicht zugelassene Behälter mitnimmt und diese vielleicht auch noch nicht sichert, muss mit einer Anzeige wegen illegalen Gefahrguttransports rechnen. „Wenn jemand größere Mengen an Kraftstoff mitnimmt, dann droht auf der einen Seite ein Bußgeldverfahren, und wenn es zu einem Unfall kommt, können auch strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet werden“, so Thomas Andres von der Polizei in Saarbrücken.

Keine Besserung in Sicht

Die hohen Spritpreise im Südwesten Deutschlands begründen die Händler mit dem niedrigen Wasserstand des Rheins. Tankschiffe können nur wenig laden oder gar nicht anlegen – für manche Tankstellenkunden wenig überzeugend. „Luxemburg bezieht ja sein Benzin auch von irgendwo. Also ist der Aufwand mit Sicherheit derselbe“, meint einer.

Das ist so nicht zutreffend. Luxemburg wird meist über Belgien und damit über die Nordsee versorgt. Dorthin müssen auch saarländische Händler fahren, was hohe Kosten zur Folge hat. Besserung ist nicht in Sicht. Die Rheinpegel sind nach kurzem Anstieg wieder gefallen.

Über dieses Thema wurde auch im "aktuellen bericht" vom 22.11.2018 im SR Fernsehen berichtet.

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