Luftaufnahmen vom Wald rund um den Hunnenring und die Talsperre Nonnweiler.  (Foto: imago/Becker&Bredel)

Was passiert, wenn in Nonnweiler etwas passiert?

Dietmar Schellin / Onlinefassung: Axel Wagner   26.11.2019 | 20:13 Uhr

Notfallpläne werden nicht nur für Atomkraftwerke erstellt, sondern auch für scheinbar harmlos und harmonisch in die Landschaft eingebettete Orte wie die Talsperre Nonnweiler. Es mag noch so unwahrscheinlich sein, dass ein Meteorit oder ein Jumbo einschlägt. Die Vorbereitung auf den Ernstfall gibt den Anwohnern im Primstal ein besseres Gefühl.

Zwanzig Millionen Tonnen Wasser stauen sich hinter dem Damm der Nonnweiler Talsperre – solange nichts Unvorhergesehenes passiert. Aber man weiß ja nie. Der Zweckverband ist für alle Fälle vorbereitet.

Video [aktueller bericht, 26.11.2019, Länge: 3:00 Min.]
Ernstfall-Szenarien an Nonnweiler Talsperre

Szenario: Flugzeugabsturz auf den Damm

Joachim Meyer steht ab Dezember dem Zweckverband Talsperre Nonnweiler vor. Er gehört zu dem Team, das Szenarien für den schlimmsten Fall vorbereitet, etwa einen Meteoriteneinschlag oder einen Flugzeugabsturz. „Wir gingen davon aus, dass hier ein Flugzeug auf den Damm auftrifft, dass eine 60 Meter breite Kerbe entsteht und diese sich innerhalb einer Stunde 60 Meter tief in den Untergrund frisst. Das heißt, dass dann bis zu 7000 Kubikmeter pro Sekunde schlagartig aus der Talsperre entweichen würden.“

Ein Damm gilt als sicherer als eine Staumauer aus Beton. Aber auch der Damm kann brechen. Wasser sucht sich seinen Weg und entfaltet gewaltige Kräfte. Nonnweiler wäre das erste Dorf, das binnen kurzer Zeit überflutet wäre. Der ganze Talgrund wäre überschwemmt.

Nonnweiler wäre innerorts unter Wasser

„Wir haben hier einen Wasserspiegel von an die 60 Meter“, so Meyer. „In Nonnweiler würde im innerörtlichen Bereich das Wasser über zehn Meter hoch stehen.“ Das Wasser bildet eine gewaltige Welle, die sich das Tal hinaus wälzt, nach Kastel und Primstal. Die Welle ergösse sich durch die Blies in die Saar. In Dillingen käme noch eine Flutwelle von ein bis zwei Metern an.

„Wir haben natürlich untersucht, wie sich die Bresche dann im Damm nach unten durchfressen würde und wie die Flutwelle dann auf die Dörfer, die unterhalb liegen, treffen würde“, sagt Meyer. Dabei sei der Wasserstand prognostiziert, und man habe mit dem Katastrophenschutz Evakuierungspläne für diesen äußerst unwahrscheinlichen Fall erarbeitet.

Warnung über Fernsehen, Radio und Apps

Im Notfall müssen alle Rettungskräfte eingespielt sein, von THW, Feuerwehr und Polizei bis hin zu den Krankenhäusern. Auch die Medien sind eingeplant, über Fernsehen, Radio und Apps.

„Wenn der ungünstigste Fall wirklich auftreten würde,“ erklärt Meyer, „müsste man den Bürgern sagen: Lasst alles dort liegen, wo es liegt. Rettet Euer eigenes Leben und bewegt Euch ganz, ganz schnell aus dem Taltiefsten weg auf die Hänge.“ Das Wasser könne dann bis zu zehn Meter hoch steigen.

Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Unfalls ist sehr gering. Aber trainieren für den Notfall muss der Normalfall sein.

Über dieses Thema hat auch der „aktuelle bericht“ vom 26.11.2019 berichtet.

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