Ein zehn Jahre altes Mädchen steht in abgetragener Kleidung ohne Schuhe in einem Hinterhof (Foto: picture alliance / dpa)

Kinder sind schutzbedürftiger denn je

Sandra Schick   20.11.2019 | 06:38 Uhr

Zum heutigen Tag der Kinderrechte machen zahlreiche Organisationen weltweit auf die Situation der Kleinsten aufmerksam. Auch im Saarland brauchen Kinder mehr Schutz: Immer mehr Kinder erleben Misshandlungen und Vernachlässigungen. Und immer mehr Kinder werden von den Jugendämtern aus ihren Familien genommen.

"Die Kinderrechtskonvention ist ein Meilenstein für die Kinder dieser Welt"
Audio [SR 2, Holger Büchner, 20.11.2019, Länge: 03:54 Min.]
"Die Kinderrechtskonvention ist ein Meilenstein für die Kinder dieser Welt"

Mehr Kindeswohlgefährungen, mehr Inobhutnahmen durch das Jugendamt und gleichzeitig eine Landeshauptstadt in der mehr als jedes dritte Kind in einem Hartz-IV-Haushalt aufwächst. Das sind die traurigen Zahlen, die die Situation der Kinder im Saarland widerspiegeln.

Kinder über Kinderrechte
Audio [SR 3, (c) SR 3 Steffani Balle, 20.11.2019, Länge: 02:24 Min.]
Kinder über Kinderrechte

Am 20. November 1989 – also vor 30 Jahren – hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen die UN-Kinderrechtskonvention beschlossen. Sie besteht aus insgesamt 54 Artikeln, die minderjährigen Kindern und Jugendlichen grundlegende Schutz-, Förder- und Beteiligungsrechte zusichern. Unter anderem ist dort das Recht auf Familie, Fürsorge und ein sicheres Zuhause festgehalten.

Auch wenn es Kindern in Deutschland und im Saarland, im Vergleich zu anderen Teilen der Welt, noch in vielen Bereichen besser geht, so gibt es trotzdem viele Missstände. Insbesondere im heimischen Umfeld sind Kinder zu oft Gewalt und Vernachlässigungen ausgesetzt. Gleichzeitig klagen Jugendämter über Personalnot und Überlastung.

Video [aktueller bericht, 20.11.2019, Länge: 3:10 Min.]
Interview mit Dr. Jörg Ukrow zu Persönlichkeitsrechten von Kindern im Netz

30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention im Saarland
Werden Kinder und Jugendliche auch gefragt?

Zahlen und Fakten

Kindeswohlgefährdungen:

Laut Statistischem Bundesamt ist im Saarland von 2017 auf 2018 die Zahl der Kindeswohlgefährdungen stark angestiegen. Insgesamt gab es 2018 im Saarland 322 Fälle von Kindeswohlgefährdung. Das entspricht einer Zunahme von 23 Prozent. 121 Fälle stuften die Behörden als "akut" ein. Bei knapp 78 Prozent aller Kindeswohlgefährdungen handelte es sich um Vernachlässigung, gefolgt von psychischer und körperlicher Misshandlung.

Insgesamt gab es im Saarland im vergangenen Jahr 1712 Verfahren zur Überprüfung einer Kindeswohlgefährdung. Deutschlandweit waren es rund 50.400. Dies ist laut Statistischem Bundesamt der höchste Stand seit Einführung der Statistik im Jahr 2012.

Inobhutnahmen:

Im vergangenen Jahr wurden im Saarland 624 Minderjährige von Kinder- und Jugendhilfen in Obhut genommen. Das geht aus der Statistik des Statistischen Bundesamtes hervor. Das waren 44 Kinder mehr als noch im Jahr 2017. Hauptursache war laut Statistik in beiden Jahren die Überforderung der Eltern oder eines Elternteils. Betroffen waren meist Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren. Rund jedes zweite Kind, das im vergangenen Jahr in Obhut kam, gehörte zu dieser Altersgruppe.

Kinderarmut:

In Saarbrücken leben so viele Kinder in Armut wie in fast keiner anderen deutschen Großstadt. Mehr als jedes dritte Kind in der Landeshauptstadt wuchs 2016 laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung in einem Hartz-IV-Haushalt auf. Zwischen 2007 und 2016 ist die Kinderarmutsquote in Saarbrücken um drei Prozentpunkte gestiegen - während es bundesweit zeitgleich einen leichten Rückgang gab.

Dabei gibt es innerhalb des Saarlandes deutliche Unterschiede: In Neunkirchen ist der Anteil der Unter-15-Jährigen, die in einem Hartz-IV-Haushalt leben, mit 38,5 Prozent noch höher als in Saarbrücken mit 35,5 Prozent. Auch in Völklingen (32,6 Prozent) und Sulzbach (30,9 Prozent) sind die Quoten sehr hoch. In Merzig und St. Wendel hingegen liegt sie bei rund 15 Prozent.


weitere Informationen

Interview mit Theo Koch von "juz-united"
Ist ein Jugendparlament sinnvoll?
Ein Anliegen zum Tag der Kinderrechte ist mehr politische Mitbestimmung und Teilhabe. Ein eigenes Jugendparlament, wie es Landtagspräsident Toscani ins Gespräch gebracht hat, hält Theo Koch von "juz-united" allerdings nicht für den passenden Weg.

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