Tag der Hilfsorganisationen in Homburg (Foto: Steffani Balle/SR)

Helfer werben in Homburg um Ehrenamtliche

Steffani Balle / Onlinefassung: Axel Wagner   24.08.2019 | 09:45 Uhr

Die freiwilligen Helfer im Katastrophenschutz versammeln sich heute in Homburg, um ihre Arbeit zu präsentieren und für sich zu werben. Denn Feuerwehren, Technisches Hilfswerk (THW) und medizinische Hilfsdienste sind auf Ehrenamtliche angewiesen.

Viel los am Tag der Hilfsorganisation
Audio [SR 3, (c) SR, 24.08.2019, Länge: 03:50 Min.]
Viel los am Tag der Hilfsorganisation

Ehrenamtler gibt es aber im Saarland immer weniger. „Die ganzen Rahmenbedingungen haben sich für das Ehrenamt, für die Hilfsorganisationen grundsätzlich verschlechtert“, sagt der Kreisbrandinspekteur des Saarpfalz-Kreises, Uwe Wagner, und verweist auf die zunehmende Arbeitsplatzbelastung, die zunehmende Entfernung zwischen Arbeitsplatz und Wohnung sowie die wenige verbliebene Freizeit. „Es ist auch die Einstellung, das heißt, jeder zunächst mal in erster Linie an sich.“

Ehrenamt immer schwieriger umzusetzen

Tag der Hilfsorganisation: Ohne Strom
Audio [SR 3, (c) SR, 24.08.2019, Länge: 01:22 Min.]
Tag der Hilfsorganisation: Ohne Strom

Arbeitgeber murren, wenn der freiwillige Feuerwehrmann zum dritten Mal hintereinander die Arbeitsstelle verlässt, weil wieder irgendwo Heuballen brennen. Oder der Nachbar beschwert sich über den Lärm des in der Nacht aufbrechenden freiwilligen Helfers. Ein Unding, findet auch der Initiator der heutigen Veranstaltung, der Landrat des Saarpfalz-Kreises Theophil Gallo (SPD). „Das ist ein Hauptthema, weil so immer mehr ein Stück sozialer Kitt verloren geht, der sich für mich in dem Bewusstsein äußert, dass man aufeinander angewiesen ist.“ Dieser Verlust zeige sich auch im Wegfall der Notwendigkeit, so Gallo, andere anzuerkennen und zu respektieren.

Falschmeldungen im Netz

Eine Folge davon ist, dass Fotos von Unfallopfern ins Netz gestellt und Falschmeldungen über Unfälle verbreitet werden. Der Bürgermeister von Kirkel, Frank John (SPD), will dem vorbeugen. Er hat selbst einen Melder, um immer auf dem aktuellen Stand zu sein und ist auch selbst vor Ort, um sich die Informationen aus erster Hand zu besorgen und damit auch nach außen Klarheit zu schaffen.

Denn die Öffentlichkeit ist durch die Vielzahl an Verbreitungswegen ganz schnell über die Umstände einer Katastrophe falsch informiert. Und das dann wieder gerade zu biegen ist ein hartes Stück Arbeit – genauso wie in Zeiten von Pöbeleien gegen Unfallhelfer und Angriffen auf Rettungs- Sanitäter neue Freiwillige zu rekrutieren.

Mehr Unterstützung erhofft

Tag der Hilfsorganisation: Situation der Helfer
Audio [SR 3, (c) SR, 24.08.2019, Länge: 02:23 Min.]
Tag der Hilfsorganisation: Situation der Helfer

Da erhofft sich Kreisbrandmeister Wagner mehr Unterstützung durch die Politik: „Da ist es notwendig, auch punktuell Hauptamtlichkeit einzuführen, um das Ehrenamt zeitlich zu entlasten, was dann auch dazu führen würde, dass vielleicht der eine oder andere, weil sich der zeitliche Aufwand in der Woche reduziert, dann auch vielleicht nochmal in der Lage sieht, Mitglied der Feuerwehr zu werden.“

In jeder freiwilligen Feuerwehr im Land einen bezahlten Hauptamtlichen, der sich um die Gerätschaften kümmert – das wär’s, sagt Wagner. Das würde einen großen Teil des Drucks raus nehmen.

Über dieses Thema hat auch „Guten Morgen“ auf SR 3 am 24.08.2019 berichtet.

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