Schatten eines Kindes und einer erwachsenden Person (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Matthias Hiekel)

Armutsrisiko bei Ein-Eltern-Familien weiter hoch

  15.07.2021 | 14:48 Uhr

Das Armutsrisiko bleibt bei alleinerziehenden Familien bundesweit hoch. Das belegt eine aktuelle Bertelsmann-Studie. Im Saarland ist das Risiko noch höher, sagt die Arbeitskammer.

43 Prozent der Ein-Eltern-Familien in Deutschland gilt nach Angaben der Bertelsmann-Stiftung als einkommensarm. Bei Paarfamilien sei das Armutsrisiko deutlich geringer. Bei einem Kind liegt es demnach bei neun Prozent, bei zwei Kindern bei elf Prozent und bei drei Kindern bei 31 Prozent.

Ergebnis der Studie: Das Risiko der Einkommensarmut ist für alleinerziehende Familien nicht gesunken, sondern verharrt auf hohem Niveau.

Armutsrisiko im Saarland höher

Die Arbeitskammer sieht ihre eigenen Analysen zur Lage Alleinerziehender im Saarland bestätigt. Hier lebten 47,8 Prozent der Familien mit einem Elternteil mit dem Risiko, in Armut zu leben. Das Risiko sei damit fünfmal höher als das von Paarfamilien mit zwei Kindern.

Die Kinderarmut insgesamt ist nach einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands im Saarland in den vergangenen zehn Jahren überdurchschnittlich gestiegen.

Arm trotz Arbeit

Das höhere Armutsrisiko alleinerziehender Familien sei nicht auf mangelnde Erwerbstätigkeit zurückzuführen, betont die Bertelsmann-Stiftung. So gingen alleinerziehende Mütter häufiger einer Beschäftigung nach als andere Mütter und arbeiteten öfter in Vollzeit.

Pandemie traf Alleinerziehende besonders hart

Die Corona-Pandemie habe alleinerziehende Familien besonders hart getroffen. Die Arbeitskammer erklärte, die weggefallene Kinderbetreuung, Homeschooling und Homeoffice und Einkommenseinbußen hätten für diese Familien häufig zu einer Zerreißprobe geführt, weil es den Familien an Entlastungsmöglichkeiten gefehlt habe.

Die Bertelsmann-Stiftung äußert sich ähnlich: Die Pandemie habe die Alleinerziehenden an die Grenzen ihrer Gesundheit gebracht. Häufig arbeiteten sie im Niedriglohnbereich und in systemrelevanten Berufen und lebten zudem in beengten Wohnungen.

Forderung nach Reformen

Um die Familien besser zu unterstützen, fordern Bertelsmann-Stiftung und Arbeitskammer Reformen. Die Arbeitskammer spricht sich unter anderem für eine Kindergrundsicherung aus.

Wichtig seien auch flexible und kostenlose Betreuungsangebote, eine Aus- und Weiterbildungsoffensive und intelligente Arbeitszeitmodelle. Getrennte Familien bräuchten zudem mehr Geld. Die Mehrbedarfe müssten zum Beispiel im Hartz-IV-System abgesichert werden. Das fordert auch die Bertelsmann-Stiftung. Sie sieht auch Handlungsbedarf beim Thema Unterhalt.

Unterhalt wird häufig nicht gezahlt

Nur in etwa jedem vierten Fall komme der Mindestunterhalt bei den Familien an. Die Stiftung schlägt deswegen vor, die Unterhaltsansprüche auf den Staat zu übertragen. Er könne sie dann einfordern.

Zudem müsse die innerfamiliäre Aufgabenteilung vor der Trennung berücksichtigt werden. Meist seien es nämlich die Mütter, die ihre Arbeitszeit zugunsten der Kinderbetreuung reduzierten. Bei einer Trennung hätten sie deswegen empfindliche Einbußen beim Einkommen.

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