Das Saarbrücker Ludwigsparkstadion aus der Luft ist innen bereits fertig, außen herum ist eine Baustelle (Foto: Alexander M. Groß/SR)

Stadt will Verstöße der Fima Gross ahnden

Thomas Gerber   30.10.2020 | 20:00 Uhr

Mit der rekordverdächtigen Summe von gut einer Million Euro will die Stadt Saarbrücken Verstöße der Firma Gross gegen das Saarländische Tariftreuegesetz ahnden. Der Beschluss ist dem Unternehmen nach SR-Informationen am Freitag mitgeteilt worden. Unterdessen nimmt die Auseinandersetzung zwischen Stadionmanager und GIU-Chef Martin Welker und der St. Ingberter Baufirma Peter Gross auch strafrechtlich Fahrt auf.

Der entsprechende Bescheid über die Vertragsstrafe soll dem St. Ingberter Unternehmen nach SR-Informationen jetzt zugestellt werden. Hintergrund ist die Beschäftigung von rumänischen Arbeitnehmern auf der Baustelle Ludwigspark. Diese hätten entweder einen zu niedrigen oder teilweise über Wochen auch gar keinen Lohn bekommen.

Gross sei der Sachverhalt bekannt gewesen und habe deshalb vorsätzlich gehandelt. Unterlagen über die erforderlichen sogenannten Verpflichtungserklärungen des rumänischen Subunternehmers habe Gross trotz Aufforderung Ende Oktober vergangenen Jahres bis heute nicht vorgelegt. Aufgrund der Schwere des Verstoßes will die Stadt Gross zudem fünf Jahre lang von öffentlichen Vergabeverfahren ausschließen.

Gross hatte in einem Brief an die 63 Saarbrücker Stadtratsmitglieder am Donnerstag noch erklärt, dass es einen Schriftwechsel gebe, der belege, dass es keine Verstöße gegeben habe. Auf SR Nachfrage konnte er die entsprechenden Schreiben allerdings nicht vorlegen.

Ermittlungsverfahren eingeleitet

Die Staatsanwaltschaft hat unterdessen wegen der mutmaßlichen Unregelmäßigkeiten rund um den Bau am Ludwigsparkstadion ein eigenes Ermittlungsverfahren eingeleitet. Es geht um den Verdacht des Betruges beziehungsweise des versuchten Betruges und möglicherweise um Millionen. Das Verfahren laufe zunächst gegen Unbekannt.

Nach SR-Informationen haben die Ermittler insbesondere das Bauunternehmen Gross im Visier. Entsprechende Andeutungen hatte GIU-Chef Welker bereits vor Wochen in einer ersten Zeugenaussage bei der Polizei gemacht. Damals ging es noch ausschließlich um seine Strafanzeige gegen zwei Gross-Mitarbeiter, die ihn auf der Baustelle Ludwigspark mit einer Wasserwaage bedroht haben sollen.

Wegen der angedeuteten Unregelmäßigkeiten wurde Welker kürzlich ein zweites Mal vernommen und dabei hat er offenbar nachgelegt. Zumindest reichten seine Angaben für einen hinreichenden Anfangsverdacht und ein gesondertes Ermittlungsverfahren aus. Zuletzt hatte Welker öffentlich von zwei Millionen Euro berichtet, die Gross über die eigentliche Auftragssumme hinaus beim Stadionbau abgerechnet haben soll. Gross hat dies vehement bestritten.

Ein Thema in der "Rundschau" am 30.10.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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