Saarbrücken Scheidt (Foto: privat)

Streit um Scheidter Bauprojekt eskaliert

Patrick Wiermer   13.09.2021 | 17:07 Uhr

Im Saarbrücker Stadtteil Scheidt ist der Streit um ein Bauprojekt eskaliert. In der vergangenen Woche gab es zwei Anzeigen bei der Polizei. Zunächst soll die Sprecherin der Bürgerinitiative gegen das Bauprojekt mit einer Kettensäge attackiert worden sein. Am Wochenende wurde ihr Wohnhaus dann Ziel von Vandalismus. Die Stadt will die Vorfälle nun aufarbeiten.

Es sind Spuren der Verwüstung: Drei Fenster des Wohnhauses der Sprecherin der Bürgerinitiative wurden in der Nacht auf Samstag mit Steinen eingeworfen. 25 Meter Außenmauer und ein Protestplakat wurden mit blauer Farbe beschmiert. Der Schaden liegt nach Angaben der Geschädigten bei mindestens 6000 Euro.

Angriff mit Kettensäge?

Saarbrücken Scheidt (Foto: privat)
Scheiben im Haus der Sprecherin der Bürgerinitiative wurden zerstört.

Die Polizei sieht einen Zusammenhang mit einem weiteren Vorfall. Bereits am Mittwoch geriet die Frau in einen Streit mit einem auf dem Baugebiet tätigen Abrissunternehmer. Sie stellte sich dabei vor einen Baum, den der Mann mit der Kettensäge fällen wollte. Dabei kam es zu einem Gerangel, bei dem die Frau zunächst den Abhang hinunterstürzte, später erfasste die Säge den Ärmel ihres Pullovers. Dabei wurde sie leicht verletzt.

Bauarbeiten stillgelegt

Für die Frau war dies eine gezielte Attacke, die Polizei geht hingegen nicht von einer aktiven Tat aus. Nach SR-Informationen wurden die Bauarbeiten nach dem Vorfall vom Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz stillgelegt.

Die Stadt Saarbrücken kündigte am Nachmittag an, die Vorfälle rund um das Bauprojekt am Hermann-Löns-Weg aufarbeiten zu wollen. Noch im Laufe der Woche soll es einen Austausch mit den beteiligten Behörden geben, darunter dem Umweltamt, der Bauaufsicht und dem LUA.

Gleichzeitig verurteilt die Stadt die Tat. „Dass kritische Stimmen mundtot gemacht werden, ist auf keinen Fall zu akzeptieren“, so Pressesprecher Thomas Blug gegenüber dem SR.

Seit Monaten Streit

Um das Baugebiet am Hermann-Löns-Weg gibt es seit Monaten Streit. Die Bürgerinitiative befürchtet ein „Megaprojekt“, das unter anderem zu weiteren Versiegelung des Bodens und zu mehr Hochwasser im Wohngebiet führen könnte.

Insgesamt sollen 35 bis 70 Wohneinheiten rund um den Hermann-Löns-Weg gebaut werden. Das Projekt soll am Waldrand entstehen, wo sich die Ruine einer 2011 ausgebrannten Luxusvilla (bekannt als "Brandvilla") befindet. Eine Baugenehmigung liegt bislang nicht vor.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 13.09.2021 berichtet.

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