Eine Person schneidet Fleisch von einem Dönerspieß (Foto: picture alliance/dpa | Sven Hoppe)

Dönerspieß-Produzenten gestehen offenbar Steuerhinterziehung

Thomas Gerber   05.10.2021 | 06:45 Uhr

Drei Mitglieder der "Neunkircher Dönerbande", die Mitte Juli verhaftet worden waren, sind wieder auf freiem Fuß. Dies bestätigte die Verteidigung der drei türkisch-stämmigen Brüder. Die Staatsanwaltschaft legt ihnen und weiteren Familienmitgliedern banden- und gewerbsmäßige Steuerhinterziehung zur Last.

In dem Verfahren um gewerbs- und bandenmäßige Steuerhinterziehung beim Verkauf von Dönerspießen geht es um einen Steuerschaden von rund einer halben Million Euro. Mit vorgetäuschten Verkäufen von Dönerspießen ins Ausland sollen drei Unternehmer aus dem Saarland Steuern in sechsstelliger Höhe hinterzogen haben.

Nach SR-Informationen haben die drei Beschuldigten gegenüber der Steuerfahndung "ihr Fehlverhalten" nun eingeräumt und eine "Schadenswiedergutmachung zugesichert." Erste Zahlungen in Höhe von 200.000 Euro seien bereits erfolgt. Bis Ende 2023 soll der Steuerschaden von insgesamt 500.000 Euro dann komplett beglichen werden.

Vorgetäuschter Verkauf ins Ausland

Die drei beschuldigten Brüder (48, 37 und 34 Jahre) hatten in Neunkirchen Dönerdrehspieße produziert. Gegenüber dem Finanzamt hatten sie angegeben, zwischen 2012 und 2016 Spieße im Gesamtwert von rund fünf Millionen Euro ins EU-Ausland verkauft zu haben. In Wahrheit aber sollen sie die Ware "schwarz" an Kebabläden in Deutschland geliefert haben.

Durch den vorgetäuschten Verkauf nach Frankreich und Italien sparten sie die in Deutschland fällige Umsatzsteuer in Höhe von sieben Prozent. Inklusive der Hinterziehungszinsen ist dem Fiskus dadurch nach Berechnungen der Steuerfahndung ein Schaden von rund einer halben Million Euro entstanden.

Razzia und Festnahmen nach verdeckten Ermittlungen

Die drei türkisch-stämmigen Brüder waren im Juli nach einer großangelegten Durchsuchungsaktion festgenommen worden. Zuvor hatte es umfangreiche Telefonabhörmaßnahmen und verdeckte Observationen gegeben.

Bei der Razzia waren auch mehr als 80.000 Euro Bargeld - versteckt unter einer Matratze und in einem Bettgestell - sichergestellt worden. Nach der Einigung mit dem Fiskus wurden die Beschuldigten nun dieser Tage nach Auskunft eines ihrer Verteidiger wieder auf freien Fuß gesetzt.

Noch keine Anklage erhoben

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern noch an. Eine Anklage wurde noch nicht erhoben.

Über dieses Thema hat auch die SR-Fernsehsendung "aktueller bericht" am 04.10.2021 berichtet.

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