Napoleonischer Militärtotenschein (Foto: Landesarchiv)

Rund 3000 Akten aus Napoleons Zeit gehen online

  16.02.2019 | 08:29 Uhr

Der Verein für Landeskunde im Saarland veröffentlicht ab Samstag rund 3000 Sterbezettel aus der napoleonischen Zeit. Die Akten waren lange Zeit verschollen geglaubt. Für Ahnenforscher aus dem Saarland und der Pfalz dürften sie von großem Interesse sein.

Vor rund 200 Jahren sind tausende Männer aus der Region Saar und Pfalz für Napoleon in den Krieg gezogen. Viele von ihnen kehrten nicht zurück. Über ihr Schicksal herrschte lange Zeit Ungewissheit.

Im Jahr 2015 hat der Verein für Landeskunde im Saarland über 7000 bis dahin verschollen geglaubte Sterbezettel aus napoleonischer Zeit aus dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin übernommen. Projektleiter Stephan Friedrich war durch einen Zufall auf die Akten aufmerksam geworden und gab den Anstoß zu dem aufwändigen Projekt. Im Saarland angekommen, wurden die Sterbezettel von den Mitarbeitern im Landesarchiv digitalisiert, übersetzt und für eine kostenlose Veröffentlichung auf der Internetseite vorbereitet. Inzwischen sind rund die Hälfte der Akten fertiggestellt. Sie werden ab dem 16. Februar auf der Homepage des Vereins unter: www.landeskunde–saarland.de veröffentlicht.

Video [aktueller bericht, 16.02.2019, Länge: 3:07 Min.]
Akten aus der Zeit Napoleons im Internet veröffentlicht

Männer starben in Militär-Hospitälern

Napoleonischer Militärtotenschein (Foto: Landesarchiv)
Napoleonischer Militärtotenschein

Die Sterbezettel betreffen Männer, die in Militär-Hospitälern in Europa zwischen 1800 und 1815 starben. Es habe sich allesamt um junge Männer gehandelt, die meist an Fieber oder Blutvergiftung gestorben seien, sagt Projektleiter Friedrich. Als Sterbeorte seien Lazarette von Salamanca, Hamburg, Stettin oder Paris registriert worden. "Überall, wo napoleonische Truppen waren - und das war im Grunde genommen in ganz Europa", so Friedrich.

Eines der größten Probleme bei der Auswertung der Sterbezettel seien die notierten Ortsnamen gewesen, erzählt Friedrich Denne, der Vorsitzende des Vereins für Landeskunde. Die Schreiber waren Franzosen und hätten den Ort so niedergeschrieben, wie sie ihn phonetisch gehört hätten - und das häufig in Dialekt. So wurde aus St. Ingbert beispielsweise Dingmatt oder aus Sengscheid dann Sengschd. Besonders schwer sei es bei Ortsnamen, die eher unbekannt sind, vor allem von kleinen Gehöften in der Pfalz. Aber auch bei Namen gebe es wegen der Schreibweisen teils Probleme der Zuordnung.

Zu der betroffenen Region gehörten damals die beiden Départements "du Mont-Tonnere" (Donnersberg) mit der Hauptstadt Mainz und "de la Sarre" (Saar) mit der Hauptstadt Trier. Vermutlich nach Kriegsende seien die Sterbezettel nicht mehr an die jeweiligen Heimatbehörden versandt worden. "Sie fehlen in den kommunalen Registern der Standesämter bis heute und bilden deshalb eine bislang unbekannte neue Quelle für die Familiengeschichtsforschung in Rheinland-Pfalz und dem Saarland", so Denne.

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Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 16.02.2019 berichtet.

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