Saarland-Pitch: The German Kurbelkiste (Foto: Felix Schneider / SR)

Saarländische Start-Ups hoffen auf Investments

Tabea Prünte   15.10.2021 | 14:52 Uhr

Zehn Gründer im Saarland haben am Donnerstag Investoren von ihren innovativen Ideen überzeugen wollen. Die Höhle der Löwen im Saarland? Nicht ganz, doch auf Bekanntheit hoffen die Start-Ups trotzdem. Der 9. Saarland-Pitch gab ihnen ein Podium dafür.

Es rattert wenn Michael Hack kurbelt. Seine Erfindung: "The German Kurbelkiste". Wie ein Daumenkino in einem Bilderrahmen oder ein sehr kurzes Bewegtbild auf Papier, ein analoges GIF quasi. Bekannt ist das Produkt noch nicht. Doch das soll sich ändern.

Video [aktueller bericht, 15.10.2021, Länge: 2:53 Min.]
Auf Investmentsuche beim neunten Saarland Pitch in Saarbrücken

Kontakte und Ideenaustausch

Helfen könnten ihm die Investorinnen und Investoren, die an diesem Donnerstagabend anwesend sind. Beim 9. Saarland-Pitch hat sich Michael Hack neben neun weiteren Start-Ups potenziellen Geldgebern vorgestellt. Das sei eine besondere Möglichkeit, so Hack.

Saarländische Start-Ups hoffen auf Investments
Video [SR.de, (c) Felix Schneider, 15.10.2021, Länge: 01:11 Min.]
Saarländische Start-Ups hoffen auf Investments

„Wir versuchen heute jemanden zu finden, der zu uns passt“, sagt er. „Jemand, der unsere Idee witzig findet, daran glaubt und Möglichkeiten hat, das Ganze zu unterstützen.“ Dabei gehe es nicht allein um Geld, sondern um Kontakte, die bei der Produktion oder der Vermarktung helfen können - aber auch um den einfachen Ideen- und Erfahrungsaustausch.

Saarländische Start-Up-Szene stärken

Zum neunten Mal findet der Saarland-Pitch des Gründer-Campus Saar in diesem Jahr statt. Die Kontaktstelle für Wissens- und Technologietransfer der Saar-Universität organisiert das Event. Dort können Start-Ups Beratungsangebote nutzen, erklärt Madeleine Adam, die als Gründungsberaterin anwesend ist und die Teams intensiv bei den Vorbereitungen auf die Pitches unterstützt hat.

Das Event richte sich zwar vorzugsweise an Start-Ups von der Saar-Uni, um die Gründerszene der Region zu stärken— doch auch neue Unternehmen aus anderen Regionen seien beim Saarland-Pitch willkommen.

Lockere Atmosphäre

Mit der Zeit trudeln die Gründer der zehn für den Pitch ausgewählten Start-Ups in der "Halle 4" in Saarbrücken ein. Die Location ist eigentlich ein Co-Working-Space, also ein Ort, an dem sich Personen aus verschiedenen Bereichen einen Raum zum Arbeiten mieten können.

Grell-gelb führt eine Gitter-Treppe zu einer Empore direkt über der Kaffee-Bar, auf der diejenigen schon bereit sitzen, die gleich ihr jeweiliges Produkt vorstellen. Ein modern gehaltener Raum für die technologischen Visionen von morgen. Eine lockere Atmosphäre soll hier herrschen, betont der Geschäftsführer der Location, Bernd Pohl. „Selbst die Banker ziehen am Eingang schon ihre Krawatte aus.“

Vernetzen in informellem Rahmen

„Es bietet eine super Möglichkeit, um Investoren in einem informellen Rahmen kennenzulernen“, sagt Steffen Recktenwald, der sein Start-Up „Cysmic“ vorstellt. Der Fokus seines Teams liegt darauf, Blutproben effizienter und zuverlässiger als bisher möglich zu analysieren.

An der Saar-Uni haben sie dafür ein Gerät in der Größe einer Kaffeemaschine entwickelt. Jetzt brauchen sie Geld, um die Entwicklung weiter voranzubringen.

Begrenzte Zeit

Die letzten Ton-Checks laufen, auch der Ablauf der Pitches wird ein letztes Mal besprochen. Der Vortrag ist ein entscheidender Moment für die neuen Unternehmer, hier hoffen sie auf finanzielle Unterstützung für ihre Ideen.

Fünf Minuten haben sie, um diese vorzustellen. Penibel wird die Zeit gestoppt, kurz vor Ablauf hält jemand ein Schild mit roter Aufschrift hoch - die letzten 30 Sekunden laufen.

Viele Themenschwerpunkte

Nicht nur der medizinische Bereich ist vertreten - die Bandbreite an Themen ist groß: von Vertical Gardening über einen individuell anpassbaren und nachhaltig produzierten Fahrradschuh bis hin zu einer automatischen Texterkennungssoftware.

Die Höhle der Löwen im Saarland - ein Buhlen um die Investments? Nein, lautet der allgemeine Tenor unter den Gründern. „Konkurrenzgedanke ist eher nicht da, da wir doch aus sehr verschiedenen Bereichen kommen“, sag Recktenwald. „Es ist eher ein gegenseitiges Pushen zwischen den einzelnen Start-Ups.“ Andere Gründer bestätigen seine Aussage.

Saarland-Pitch (Foto: Felix Schneider / SR)
Beim 9. Saarland-Pitch haben sich zehn Start-Ups aus der Region vorgestellt. Einer der Gründer war Michael Hack von "The German Kurbelkiste".

Nicht alle Plätze besetzt

Rund 25 Investoren sind anwesend, außerdem wird die Veranstaltung ins Netz gestreamt. Schon während der Vorträge machen sich die Anwesenden fleißig Notizen. Für Recktenwald ist es der erste Pitch in dieser Größenordnung. „Der Best-Case wäre, dass wir heute Abend unser Netzwerk weiter ausbauen und dann unter Umständen noch die Anschlussfinanzierung kriegen, die wir momentan benötigen“, so der "Cysmic"-Mitbegründer.

Es hätten allerdings noch einige Investoren mehr sein können. Ursprünglich hätte man mit rund 35 bis 40 angemeldeten Investorinnen und Investoren gerechnet, verrät Madeleine Adam. Ein wenig ärgerlich sei dies, denn die Warteliste sei lang gewesen.

Zudem bedauere sie die Frauenquote, die an diesem Abend unter den Pitchern bei Null liegt. Da sei noch Luft nach oben - vielleicht mit Blick auf das nächste Jahr, wenn der nächste Saarland-Pitch ansteht.

Banker wollen Start-Up-Szene kennenlernen

Die Investorinnen und Investoren im Publikum erhoffen sich einiges von dem Abend. Frank Eisenbarth, Direktor bei der Bank1Saar, macht kein Geheimnis daraus, dass er auf der Suche nach Neukunden ist. „Uns interessiert, wie lebendig diese Gründerszene hier im Saarland ist. Und wir interessieren uns auch dafür, mit welchen Themen sich die Gründer beschäftigen“, sagt er.

Der Saarland-Pitch biete die besten Voraussetzungen dafür. „Hier kommt es einfach knackig zum Punkt, das ist toll. In Fünf-Minuten-Pitches erfährt man genau das, was diese Gründer ausmacht und man kriegt auch einen richtig guten Eindruck davon, wie engagiert die Leute sind“, findet Eisenbarth.

Verhandlungen bei Currywurst

Im Anschluss an die Vorträge bleibt bei Currywurst noch Zeit, um sich mit den Investorinnen und Investoren zu vernetzen. Sie tauschen Visitenkarten aus, knüpfen Kontakte, sprechen über Zukunftsvisionen.

„Ich hab schon interessante Leute kennengelernt“, meint Steffen Recktenwald von "Cysmic". „Und auch der Erfahrungsaustausch zwischen den Start-Ups ist einfach was Wichtiges.“ Die Veranstaltung gebe ihnen ein Podium dafür - „und ich denke, das ist genau das, was wir als Start-Up in unserer Phase brauchen.“

Reichweite für die Start-Ups

Auch Michael Hack, Gründer von „The German Kurbelkiste“ ist überzeugt von dem Konzept des Saarland-Pitches. "Es hat sich für uns auf jeden Fall gelohnt“, sagt er am Folgetag. Einen Deal mit Investorinnen und Investoren habe es zwar noch nicht gegeben. Aber im Publikum habe er einen Ansprechpartner gefunden, der dem Start-Up bei der Produktion von weiteren Prototypen helfen könne. Das Ziel, Kontakte zu knüpfen, habe er also erreicht.

„Für uns als junges Start-Up sind Reichweite, Bekanntheit und ein Netzwerk das Entscheidende“, sagt er. „Wir können eine noch so tolle Idee haben. Aber was nutzt diese Idee, wenn niemand davon mitbekommt.“

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