Zum 1. September müssen Apotheken bundesweit E-Rezepte einlösen können. (Foto: picture alliance / photothek | Thomas Koehler)

Saar-Apothekerkammer zweifelt an Erfolg des E-Rezepts

Martina Kind   01.09.2022 | 06:31 Uhr

Spätestens 2023 soll das elektronische Rezept das aus Papier weitestgehend ablösen. Den ersten Schritt haben die Apotheken gemacht: Ab sofort können Patienten überall ihr E-Rezept abgeben. Das werde aber wohl kaum einer machen, denn bei der Umsetzung gebe es Mängel, urteilt die Apothekerkammer des Saarlandes.

Ab heute können Patientinnen und Patienten in allen Apotheken in Deutschland und damit auch im Saarland elektronische Rezepte einlösen – auch wenn viele Arztpraxen die technischen Voraussetzungen, E-Rezepte auszustellen, noch gar nicht erfüllen.

Denn für die bundesweite Einführung des E-Rezeptes gibt es einen dreistufigen Plan, der vorsieht, dass zunächst Praxen in den Pilotregionen Schleswig-Holstein und Westfalen-Lippe die digitalen Rezeptcodes bereitstellen müssen. Andere Regionen sollen nach und nach dazu kommen, wenn die dreimonatige Pilotphase erfolgreich war. Bis Frühjahr 2023 soll die Einführung dann abgeschlossen sein.

Doch nach Plan läuft es zumindest bisher noch nicht so recht: So haben etwa die Ärztinnen und Ärzte in Schleswig-Holstein datenschutzrechtliche Bedenken angemeldet und ihre Teilnahme an dem Pilotprojekt zunächst zurückgezogen.

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Voraussetzungen fehlen

Und auch im Saarland ist man skeptisch, was die Einführung des E-Rezeptes betrifft. Zwar seien alle saarländischen Apotheken auf den Start vorbereitet und mit den entsprechenden technischen Geräten ausgestattet, die es dafür braucht, sagt der Geschäftsführer der Apothekerkammer des Saarlandes, Carsten Wohlfeil.

Anders sehe das aber bei den Patientinnen und Patienten aus. Für die Nutzung des E-Rezeptes benötigen sie zum einen die kostenlose Smartphone-App "Gematik". "Zum anderen müssen sie eine elektronische Gesundheitskarte mit einer sogenannten NFC-Funktion besitzen", erklärt Wohlfeil. "NFC" ist die englische Abkürzung für Nahfeldkommunikation und die Technik hinter dem kontaktlosen Datenaustausch. Genutzt wird sie beispielsweise auch für das kontaktlose Bezahlen.

Video [aktueller bericht, 06.04.2022, Länge: 3:37 Min.]
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Nur mit dieser NFC-fähigen Gesundheitskarte und der dazugehörigen PIN, die ihnen von der Krankenkasse zugestellt wird, könnten sich Patientinnen und Patienten bei der Smartphone-App anmelden – und so überhaupt einen Rezeptcode digital empfangen und bei den Apotheken einlösen.

Das Problem: "Diese elektronischen Gesundheitskarten besitzt im Moment so gut wie keiner im Saarland. Die Ausgabe durch die gesetzlichen Krankenkassen hat erst begonnen." Zudem führt der Chipmangel aktuell zu Zustellungsverzögerungen. Bisher habe man denn auch kaum Patientinnen und Patienten mit einem E-Rezept in den Apotheken bedient.

QR-Code auf Papier gedruckt

Ein E-Rezept sieht laut Wohlfeil daher in der Realität vielmehr so im Saarland aus: Statt mit einem Rosa-Papier-Rezept kommen die Patientinnen und Patienten mit einem DIN-A4-Blatt, auf dem der Rezeptcode ausgedruckt ist, aus den Praxen in die Apotheken. Ein Papierrezept mit QR-Code ersetzt dann also ein elektronisches Rezept, das eigentlich das Papierrezept ersetzen soll.

"An diesem Punkt stehen wir nun gerade. Da fragt man sich, wo der Vorteil des E-Rezeptes liegen soll, für die Patienten, die Praxen, die Apotheken. Mit Digitalisierung hat das im Moment so gut wie gar nichts zu tun", sagt Wohlfeil.

Dass sich das E-Rezept ab dem kommenden Jahr, wenn seine Einführung bundesweit abgeschlossen sein soll, im Saarland durchsetzen könnte, bezweifelt er. "Im Saarland wird wohl noch viel Zeit vergehen, bis das E-Rezept wirklich ankommt." Immerhin die Apotheken seien jederzeit bereit.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 01.09.2022 berichtet.

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