Sozialmilieus in Saarbrücken (Foto: SR)

Saarbrücken heute und morgen

D. Weiland   27.01.2014 | 10:52 Uhr

Welche Menschen leben in Saarbrücken, und wie ticken sie? Das hat eine Milieustudie herausgearbeitet. Aus ihr lassen sich Schlüsse ziehen, warum Saarbrücken für wen attraktiv ist - und wie sich die Bevölkerung künftig verändern wird. Das beeinflusst auch die zukünftige Stadtentwicklung.

Zu Sinus-Studien

Für Städte ist es wichtig, zu wissen, wer dort eigentlich wohnt. Sie können dann besser planen und auf ihre Bevölkerung reagieren. Um Bürger einer Stadt einzuordnen und zu gruppieren, gibt es verschiedene Modelle. So genannte Sinus-Studien teilen Menschen in Milieus ein. Milieus fassen Menschen in ähnlicher sozialer Situation und mit gleichen Wertvorstellungen zusammen. Dazu gehören etwa Bürgerliche Mitte, Traditionelle, Kreative, und viele weitere. Der vhw-Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V. hat Saarbrücken auf solche Milieus untersucht.

Die Sinus-Studie (siehe Kasten rechts) zu den sozialen Milieus in Saarbrücken hielt für die Stadt eine Überraschung parat: In Saarbrücken wohnen doppelt so viele so genannte Experimentalisten wie im Bundesschnitt. Experimentalisten sind junge, kreative Menschen, häufig mit hohem Bildungsabschluss. Sie sind offen und haben oft eine positive Einstellung. Am liebsten leben sie im Stadtzentrum - etwa in St. Johann, insbesondere im Nauwieser Viertel oder um die Mainzer Straße.

Sebastian Beck, als Forscher für den vhw-Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung an der Studie beteiligt, hält die Experimentalisten in Saarbücken für wichtig. Sie werteten Stadtviertel auf, weil sie sich auch mit ihrer hohen sozialen Kompetenz für ihr Viertel einsetzten. Das weiß auch die Stadt: Gerd Schank, Leiter der Entwicklungsplanung in Saarbrücken, weiß um die Bedeutung der Experimentalisten bei der zukünftigen Gestaltung der Stadt. Durch ihre Offenheit ziehen sie auch in Viertel, die konservativere Milieus meiden - und tragen mit ihrer Lebensweise dazu bei, sie zu stabilisieren.

(Noch) Größte Gruppe: Traditionelle

Die meisten Saarbrücker allerdings gehören der Studie zufolge zu den so genannten Traditionellen, mehr als ein Fünftel. Traditionelle sind in der Regel etwas älter und wohnen am Stadtrand, die Nachbarschaft ist ihnen wichtig. Sie haben konservative Wertvorstellungen und sind Neuem gegenüber weniger aufgeschlossen. In Saarbrücken wohnen die meisten von ihnen in den vom Bergbau geprägten Stadtteilen.

Derzeit bilden die Traditionellen das mit Abstand größte Milieu - allerdings wird ihre Zahl stark schrumpfen. Die Bevölkerung der Stadt befindet sich also im Umbruch. Die Sinus-Studie kann Saarbrücken bei der Planung helfen, so Gerd Schank: „Die Verteilung der Milieus gibt uns Hinweise, wie sich einzelne Stadtviertel verändern können.“ Als Beispiel nennt er den Bereich um die Hochschule für Technik und Wirtschaft in Alt-Saarbrücken, den die Stadt für Studenten attraktiver machen will.

Ähnliche Konzepte gibt es auch für andere Stadtbereiche - und die Erkenntnisse der Studie werden künftig mit einfließen. Wichtig ist der Stadt, dass auch die Randstadtteile attraktiv bleiben: "Wir legen Wert auf lebendige Stadtteile mit funktionierenden und charakteristischen Ortskernen“, so Schank. Sie sollen ihre eigenen, erkennbaren Kerne erhalten. Zudem will die Stadt Anreize schaffen, um Neuankömmlingen Perspektiven zu bieten.

Auf die richtige Kommunikation kommt es an

Dabei ist die Kommunikation wichtig, mahnt Forscher Sebastian Beck. Denn für jedes Milieu sind andere Strategien erforderlich. So wollen etwa die wichtigen Experimentalisten in Entscheidungen einbezogen werden - und werden leicht verschreckt, wenn sie sich nicht ernst genommen fühlen. Klassische Bürgerversammlungen und Planungswerkstätten sprechen die Experimentalisten allerdings nicht an - sie bevorzugen eher kreatives Engagement. Die Experimentalisten hier zu halten ist für Saarbrücken die Herausforderung für die Zukunft. Eine Erfolgsgarantie gibt es auch bei größten Anstrengungen nicht. Denn hundertprozentig vorhersagbar, so Beck, ist die Bevölkerungsentwicklung nicht.

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