Ein Spielzeugauto in den Räumen einer Kita. Im Hintergrund ein Kind mit Erzieherin. (Foto: picture alliance/Frisco Gentsch/dpa Bildfunk)

Stadt St. Ingbert überprüft Kita-Mitarbeiter

Caroline Uhl / Niklas Resch   06.07.2020 | 15:56 Uhr

Nach Bekanntwerden von Kinderporno-Vorwürfen gegen einen St. Ingberter Kita-Mitarbeiter will die Stadt alle Beschäftigten ihrer Kindertageseinrichtungen überprüfen. Wie die Stadt dem SR mitteilte, sollen die rund 100 Mitarbeiter der städtischen Kitas unter anderem ein aktuelles erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

Damit reagiert die Stadt auf die Geschehnisse rund um einen St. Ingberter Kinderpfleger. Diese offenbaren eine Lücke im System. Der Kita-Mitarbeiter war in der vergangenen Woche – noch in der Probezeit – entlassen worden. Zuvor hatte die Stadt von der Polizei erfahren, dass gegen den Mann der Verdacht des Besitzes von Kinderpornos im Raum steht.

Video [aktueller bericht, 06.07.2020, Länge: 3:02 Min.]
Situation nach Kinderporno-Vorwürfen gegen St. Ingberter Kita-Mitarbeiter

Stadt will ähnliche Vorfälle verhindern

Der aktuelle Stand des St. Ingberter Kita-Mitarbeiter-Falls
Audio [SR 3, Interview: Renate Wanninger/Caroline Uhl, 06.07.2020, Länge: 03:02 Min.]
Der aktuelle Stand des St. Ingberter Kita-Mitarbeiter-Falls

Konkret geht es laut Staatsanwaltschaft um drei Videos und eine Bilddatei. Wegen derer war der Mann laut Staatsanwaltschaft im Mai vom Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 4200 Euro verurteilt worden. Im diesem Prozess soll er auch geständig gewesen sein. Gegen das Urteil legten aber beide Seiten Berufung ein – es ist also nicht rechtskräftig. Deswegen steht auch nichts im polizeilichen Führungszeugnis. Nur vier Tage nach dem Urteil ging dann in St. Ingbert die Bewerbung des Mannes ein.

Der Mann hatte sich laut Stadt mit passablen Unterlagen beworben. Neben dem sauberen polizeilichen Führungszeugnis habe er drei Zeugnisse vormaliger Arbeitgeber beigelegt. Zwei dieser drei Zeugnisse datierten demnach auf die Jahre 2015 bis 2019. Zusätzlich vormalige Arbeitgeber kontaktiert habe die Stadt im Rahmen des Auswahlprozesses nicht. Seit April 2019 hatte die Saarbrücker Staatsanwaltschaft gegen den Mann ermittelt und den damaligen Arbeitgeber informiert. Unklar ist, ob auch von diesem Arbeitgeber ein Zeugnis in der Bewerbungsmappe vorlag.

Mitarbeiter werden überprüft

Die Stadt verspricht, nun alle Prozesse "intern und extern" zu überprüfen. Konkret sollen alle, die in den Kinderbetreuungseinrichtungen beschäftigt sind, ein aktuelles erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Zudem fordert die Stadt diese Mitarbeiter auf, Mitteilung zu machen, wenn es strafrechtliche Ermittlungen gegen sie gibt. Die Stadt kündigte zudem am Montag an, auch mit anderen Kita-Trägern in Kontakt zu treten. Ziel ist es, die Lücke, die sich durch die Vorgänge aufgezeigt hat, zu schließen.

"Schwieriges Spannungsfeld"

Nach Einschätzung des deutschen Kinderschutzbunds hat die Stadtverwaltung in der vergangenen Woche richtig reagiert. "Aus meiner Sicht hat die Stadt St. Ingbert sich nichts vorzuwerfen, denn sie hat in dem Moment, indem sie Kenntnis bekommen hat, dass solche Vorwürfe im Raum stehen, den Mitarbeiter aus der Kita herausgenommen und das war angemessen", sagt der saarländische Landesvorsitzende des Kinderschutzbunds, Stefan Behr.

Gleichwohl bleibe es ein schwieriges Spannungsfeld, denn ohne Verurteilung gelte für den Mann die Unschuldsvermutung. "Natürlich muss alles getan werden, um die Kinder zu schützen. Aber man muss auch Menschen davor schützen, falsch beschuldigt zu werden und vorverurteilt zu werden", sagt Behr. So etwas komme leider auch immer mal wieder vor.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 06.07.2020 berichtet.

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