Kreuz auf einem Wörterbuch mit dem Wort Missbrauch (Foto: IMAGO / Christian Ohde)

Saarländischer Pfarrer wegen sexueller Nötigung angeklagt

  30.03.2022 | 15:28 Uhr

Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken hat gegen einen katholischen Pfarrer im Ruhestand Anklage wegen sexueller Nötigung eines 14-jährigen Jungens erhoben. Die vermeintliche Tat soll 1997 geschehen sein. Zu dieser Zeit war der 68-jährige Angeschuldigte Pfarrer im Saarland.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 68-Jährigen, 1997 im Saarland als Pfarrer einen damals 14 Jahre alten Messdiener sexuell motiviert berührt und dazu körperliche Gewalt angewendet zu haben.

Gewehrt und geflohen

Der Junge soll sich laut Staatsanwaltschaft gewehrt und „schließlich der Situation durch Flucht entzogen haben“. Das Verfahren gehe zurück auf eine Strafanzeige des Bistums Trier, nachdem der Geschädigte Angaben gegenüber dem erzbischöflichen Offizialat Köln getätigt hatte. Der Geistliche bestreite den Tatvorwurf. Die Anklage sei vorm Landgericht Saarbrücken erhoben worden, hieß es.

Mehrere Verfahren eingestellt

Zuvor hatte die Zeitung „Trierischer Volksfreund“ darüber berichtet. Demnach sei der 68-Jährige bereits mehrfach wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt worden. Jedoch seien die Verfahren der Staatsanwaltschaft bislang allesamt eingestellt worden – zumeist wegen Verjährung. Dem Zeitungsbericht zufolge soll der Pfarrer bereits im Jahre 2006 ein Teilgeständnis abgelegt haben.

Ende des vergangenen Jahres hatte zudem das Magazin „Der Spiegel“ über den Fall berichtet – und auch drei prominente Kirchenvertreter genannt, die offenbar verschiedene Fehler in dem Fall begangen zu haben.

Fehler mehrerer Bischöfe

So soll der damalige Bischof Reinhard Marx bereits 2006 über die Vorwürfe und das Ermittlungsverfahren informiert gewesen sein, aber – trotz anderslautender kirchlicher Richtlinien – weder die Akten der Staatsanwaltschaft angefordert noch mit dem Betroffenen gesprochen haben.

Der Beschuldigte arbeitete bis 2015 weiter als Priester. Erst danach ging das Bistum aktiv gegen ihn vor. Vorangegangen waren weitere Anzeigen und staatsanwaltschaftliche Ermittlungen.

Neben Marx werden in dem „Spiegel“-Bericht auch der heutige Trierer Bischof Stephan Ackermann und dessen damaliger Generalvikar Georg Bätzing (2012-2016 im Amt), der heute Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, genannt. Auch sie sollen mit Blick auf die Anschuldigungen gegen den Freisener Pfarrer Fehler begangen haben.

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