Pflegerin in Schutzkleidung in einem Isolierzimmer der Intensivstation (Foto: picture alliance/Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa)

Bald präventive Reihentests in Kliniken und Heimen?

  22.05.2020 | 15:37 Uhr

Nach Plänen des Gesundheitsministers Spahn (CDU) sollen bald präventive Reihen-Tests auf Corona in Krankenhäusern und Pflegeheimen ermöglicht werden. Laut dem Deutschen Städtetag bremsen jedoch Ärzte und Krankenkassen die Bemühungen, was jede Exit-Strategie gefährde.

Saarländische Pflegegesellschaft: "Die Infektion ist noch nicht weg"
Audio [SR 3, Dorothee Scharner, 22.05.2020, Länge: 04:02 Min.]
Saarländische Pflegegesellschaft: "Die Infektion ist noch nicht weg"

Spahn hat Details zur künftigen reihenweisen Testung auf das Coronavirus verkündet. "Mein Ziel ist es, noch im Mai eine Verordnung vorzulegen, die präventive Reihen-Tests in Krankenhäusern und Pflegeheimen ermöglicht", sagte Spahn der "Welt". "Wenn Patienten und Bewohner aufgenommen oder verlegt werden, sollten Sars-CoV-19-Tests die Regel sein."

Im Falle einer Infektion in der Einrichtung soll zudem beim gesamten Personal sowie bei allen Bewohnern und Patienten vorsorglich ein Abstrich gemacht werden. Auch symptomlose Kontaktpersonen von Infizierten sollen erstmals Anspruch auf Testung haben. Mit der Verordnung definiert Spahn Kriterien, bei denen die gesetzlichen Krankenkassen zu einer Übernahme der Kosten verpflichtet sind.

Ungenutzte Test-Kapazitäten

Der Minister begründete die Neuregelung mit ungenutzten Testkapazitäten. "Vergangene Woche sind deutschlandweit 425.000 Tests durchgeführt worden. Aber die Testkapazität ist mehr als doppelt so groß."

Die saarländische Pflegegesellschaft (SPG) unterstützt Spahns Pläne. Der SPG-Vorsitzende Harald Kilian sagte dem SR, das sei eine sinnvolle Maßnahme. Im Saarland habe es bereits in großem Umfang entsprechende Tests gegeben. Zu Beginn der Pandemie seien viele Pflegeeinrichtungen überrascht worden, so Kilian, was auch zu einer hohen Zahl an Corona-Toten geführt habe. Mittlerweile gebe es aber keine Neuinfektionen mehr.

Der Deutsche Städtetag warf Krankenkassen und Kassenärzten vor, teilweise eine Ausweitung von Corona-Tests zu bremsen. In einigen Fällen sei die Finanzierung von Tests in Pflegeheimen oder im Rettungsdienst aufgekündigt worden, berichtet Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag).

Test-Aktion in Pflegeheimen

Im Saarland hatte es bereits im April eine bundesweit einmalige Aktion mit präventiven Corona-Tests in Pflegeheimen gegeben. Bei gut 20.000 Mitarbeitern und Bewohnern in 131 Einrichtungen waren Abstriche gemacht und in einem speziellen Poolingverfahren analysiert worden.

Luxemburg hat in dieser Woche einen Massentest der Bevölkerung begonnen. An Drive-In-Stationen können sich alle Bewohner freiwillig auf das Virus testen lassen, auch Grenzgänger werden getestet.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 22.05.2020 berichtet.

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