Mitarbeiterin eines Sozialkaufhauses sortiert Möbel und Haushaltsgegenstände (Foto: picture alliance / dpa | Hendrik Schmidt)

Sozialkaufhäuser leiden unter Coronafolgen

Kristin Luckhardt   26.12.2021 | 09:12 Uhr

Mehr Personalaufwand bei weniger Kunden und stark sinkende Einnahmen - das zweite Coronajahr hat die Sozialkaufhäuser im Saarland vor große Herausforderungen gestellt. Zuletzt hat vor allem die 2G-Regel den Druck erhöht.

Die aktuelle 2G-Regelung belastet die Sozialkaufhäuser im Saarland stark. Darauf hat die Diakonie Saar hingewiesen. Sie teilte dem SR mit, die Kontrolle beim Kundeneinlass führe in den Einrichtungen oft zu unangenehmen Diskussionen.

Das sei anstrengend für alle und binde viele Ressourcen. Zeitweise bildeten sich am Eingang Warteschlangen. Die Stimmung der Kunden werde immer gereizter. Auch die Beschäftigten müssten auf diese Herausforderungen permanent vorbereitet werden.

Personalaufwand massiv gestiegen

Wie andere Geschäfte auch hätten sich die Sozialkaufhäuser auf die Coronaregeln eingestellt. Dadurch seien die Personal- und Sachkosten deutlich gestiegen.

20 Prozent weniger Kunden

In diesem Jahr seien deutlich weniger Kunden in die Sozialkaufhäuser gekommen. Die Kundenzahl sei um 20 Prozent zurückgegangen.

Seit der Öffnung im Sommer hätten die Einrichtungen zwar wieder mehr Kunden gezählt, das Vorjahresergebnis sei aber bei weitem nicht mehr erreicht worden. Nach der Einführung der 2G-Regeln seien die Zahlen auch wieder zurückgegangen.

Einnahmen deutlich gesunken

Deswegen seien auch die Einnahmen stark gesunken. Das ist für die Einrichtungen ein Problem, denn sie finanzieren sich zu großen Teilen über die Verkaufserlöse. Nach Angaben der Diakonie werden damit zum Beispiel Mieten, Fahrzeuge und Sachkosten bezahlt.

Im vergangenen Jahr habe das Land einen Teil der Einnahmeverluste ausgeglichen. In diesem Jahr gebe es noch keine zusätzliche Unterstützung.

Nicht genug gut erhaltene Kleider

Die Spendenbereitschaft ist nach Angaben der Diakonie im Saarland weiter hoch. Allerdings sinke die Qualität der abgegebenen Artikel. Die Diakonie vermutet, dass viele Menschen gute gebrauchte Waren verkaufen oder Kleider länger tragen.

Zudem hätten möglicherweise viele Menschen in der Coronapandemie ihren Haushalt aussortiert und auch Dinge von minderer Qualität gleich mit abgegeben.

Die Sozialkaufhäuser hätten derzeit nicht genug gut erhaltene Kleider oder Schuhe, zum Beispiel für Babys und Kleinkinder und für Kinder, die von der Kita zur Grundschule wechseln.

Aktuell fehle es auch an Herrenbekleidung und Haushaltswaren wie Essgeschirr, Töpfe und Pfannen.

Angebote in mehreren Städten

Die Diakonie betreibt Sozialkaufhäuser in Saarlouis (Pavillonstraße 45), Völklingen (Nordring 69), Neunkirchen (Wellesweiler Straße 83), die "Werkstatt 86" in Sulzbach (Sulzbachtalstraße 86) und die St.Johanner Börse in Saarbrücken (Johannisstraße 6).

Dort können Menschen, die wenig Geld haben, gebrauchte Waren kaufen. In den Sozialkaufhäusern arbeiten viele langzeitarbeitslose Menschen. Sie sind dort sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

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