Kinder stehen nebeneinander (Foto: dpa/Christian Charisius)

Saarländer rufen Gelder kaum ab

  08.10.2019 | 17:52 Uhr

Das Saarland und Rheinland-Pfalz sind Schlusslicht beim Bildungs- und Teilhabepaket. Das geht aus einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtverbands hervor. Demnach bekommen nur wenige Kinder die zusätzliche finanzielle Unterstützung, die notwendig wäre.

Video [aktueller bericht, 08.10.2019, Länge: 3:00 Min.]
Viele Kinder aus armen Familien ohne Teilhabe-Geld

Kinder aus sozial schwachen Familien sollen nicht aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Deswegen hat der Bund das Soziale-Teilhabe-Paket aufgelegt. Damit können Betroffene zum Beispiel Geld für Musikunterricht, Vereinssport oder auch Unterstützung für den Urlaub beantragen.

Diese Möglichkeit wird aber kaum genutzt: Nach einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes haben 85 Prozent der Leistungsberechtigten nichts von den Zuschüssen. Schlusslicht bei der Beantragung sind laut der Studie das Saarland und Rheinland-Pfalz. Hierzulande sind es nur rund sieben Prozent, die Geld aus dem Paket beanspruchen.

Es muss entsprechende Angebote geben

Beim Wohlfahrtsverband waren die Mitarbeiter über die Ergebnisse der Erhebung erschrocken, so Michael Hamm. Eine konkrete Erklärung habe der Verband aber nicht. Aber der bürokratische Aufwand, um Geld zu bekommen, sei von Beginn an als Problem bekannt gewesen: "Das ist ein Thema, was wir schon zu Beginn des Bildungs- und Teilhabepakets schon kritisiert haben - dass die Leistungen nicht so einfach zu bekommen sind."

Video [aktueller bericht, 08.10.2019, Länge: 2:44 Min.]
Interview mit Gerda Scheel: Probleme beim saarländischen Bildungspaket

Mit der Einführung des "Starke-Familie-Gesetztes" habe sich die Situation aber schon etwas verbessert. Bei der Suche nach Ursachen für die geringe Nutzung im Saarland müsse geklärt werden, wie die Antragstellung laufe und wie das Paket beworben werde. Hamm weißt aber auch darauf hin, dass das Paket natürlich nur dann in Anspruch genommen werden könne, wenn es entsprechende Vereine oder Angebote vor Ort sind. Fehlen diese, laufe das Paket ins Leere.

Beantragung vereinfachen

Interview: "Man hätte alle die Leistungen ohne Antragstellung erstatten können."
Audio [SR 3, Interview mit Wilfried Hose vom VdK, 08.10.2019, Länge: 04:08 Min.]
Interview: "Man hätte alle die Leistungen ohne Antragstellung erstatten können."

Für den Sozialverband VdK Saarland liegt das vor allem daran, dass die Anträge zu kompliziert sind. Das sei auch schon lang bekannt. Der VdK-Landesvorsitzende Armin Lang fordert deshalb eine Vereinfachung: "Schon seit Jahren drängt der Sozialverband VdK Saarland auf eine Vereinfachung dieses Bürokratiemonsters. Die aktuellen Zahlen belegen erneut, dass bestimmte Leistungen überhaupt nicht bei den Kindern ankommen, obwohl sie ihnen eindeutig zustehen."

Zudem gebe es im Saarland weitere Hürden, da es in den Landkreisen unterschiedliche Zuständigkeiten und damit verbunden auch andere Handhaben gebe. Hier müsse nachgebessert, Einzelanträge abgeschafft und das "Starke-Familie-Gesetz" umgesetzt werden.

Über dieses Thema wurde auch in der SR 3-Sendung "Region am Nachmittag" berichtet.

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja