Kinder im peruanischen Ayacucho  (Foto: Dr. Andreas Niethammer/Verein "Hilfe für Ayacucho")

Soziale Projekte durch Pandemie oft eingeschränkt

Melina Miller   16.01.2021 | 09:56 Uhr

Die Corona-Pandemie hat auch die Arbeit sozialer Hilfsprojekte und Vereine im Saarland beeinflusst. Statt klassischer Weihnachtsverkäufe und Spendenveranstaltungen mussten sich Ehrenamtliche im vergangenen Jahr etwas Neues einfallen lassen, um trotzdem Hilfen zu generieren.

"Komplikationen bedeuten deutlich mehr Aufwand für unsere Ehrenamtlichen", sagt Marie Christen-Jung, Gründerin der Saarbrücker Non-Profit-Organisation "MonCoeur". Und Komplikationen gab es im Corona-Jahr 2020 reichlich, auch für soziale Hilfsprojekte. Gemeinsam mit ihrem Mann rief Christen-Jung 2005 das Projekt "MonCoeur" ins Leben, das unter anderem über den Verkauf von Armbändern Schulkinder in Südafrika unterstützt. Lokale Partner vor Ort produzieren die Artikel, die in einem Onlineshop verkauft werden. Der Erlös wird dann gespendet, zum Beispiel werden davon Schulgelder bezahlt.

Durch die Corona-Pandemie, die Südafrika besonders im Sommer hart getroffen hat, sei es zu Lieferverzögerungen für den Shop gekommen, erklärt Christen-Jung. Außerdem habe man sich kurzfristig an einen anderen Bedarf der Hilfen anpassen müssen. "Als die Schulen in Südafrika zugemacht wurden, haben wir erst einmal Computer besorgt, um den Kindern im Township das Homeschooling zu ermöglichen", ergänzt sie.

Fehlende Weihnachtseinnahmen

Kathrin Mielke und Marie Christen-Jung von MonCoeur (Foto: MonCoeur)
Kathrin Mielke und Marie Christen-Jung von MonCoeur.

Das ausgefallene Weihnachtsgeschäft, im Rahmen dessen "MonCoeur" normalerweise Pop-Up-Shops in Saarbrücken und Hamburg betreibt, habe deutlich negativ zu Buche geschlagen. Rund 20.000 Euro weniger hätten sie dadurch eingenommen, sagt Kathrin Mielke, die mitverantwortlich für "MonCoeur" ist. Seit mehr als zehn Jahren ist sie dabei. Und auch die Nachfrage nach Produkten im Onlineshop habe etwas nachgelassen. "Viele Leute haben durch die Pandemie eben weniger Geld." Die Spendenbereitschaft der Großspender sei aber trotz der Pandemie nicht zurückgegangen.

Das fehlende Weihnachtsgeschäft spürt auch Andreas Niethammer. Der Völklinger Arzt leitet gemeinsam mit seiner Frau das Projekt "Hilfe für Ayacucho", das unter anderem bedürftige Kinder in Peru unterstützt. "Das Geld, das wir normalerweise über die klassischen Spendenaktionen rund um Weihnachten einnehmen, fehlt in der Bilanz", sagt Niethammer.

Suche nach Alternativen

Dass der Verein trotzdem viele Spenden einnehmen konnte, liege vermutlich an der verstärkten Informationsarbeit des Vereins und der Tatsache, dass Peru besonders stark von der Pandemie getroffen wurde, erklärt der Völklinger. "Wir sehen, dass unsere Hilfe mehr als vor der Pandemie benötigt wird. Zum Beispiel, weil Familien gar nichts mehr zum Essen haben."

Eine Frau hält ein Schild hoch, darauf steht "Danke, Freunde aus Deutschland" (Foto: Hilfe für Ayacucho)
Eine Peruanerin bedankt sich für die Lebensmittellieferung des Vereins.

Um die dafür notwendigen Mittel - trotz Pandemie - zu sammeln, sei vor allem Kreativität gefragt, sagt Niethammer. Durch Alternativprojekte, wie zum Beispiel den Verkauf von Päckchen vor Weihnachten, habe man einiges auffangen können. Ganz aufwiegen lasse sich der Verlust durch ausgefallene Veranstaltungen aber nicht.

Fußballtraining ausgesetzt

Auch sein Sohn José Niethammer hat ein soziales Projekt gegründet. "Café von Leche" unterstützt Kinder in der Dominikanischen Republik - unter anderem mit Fußballtrainig und Hausaufgabenbetreuung. Die Pandemie beeinflusse das Engagement vor Ort stark, erzählt Niethammer. Ein Großteil der Veranstaltungen könne momentan nicht oder nur eingeschränkt stattfinden. Außerdem konnten im Jahr 2020 keine Freiwilligen in die Dominikanische Republik reisen, um dort ein Freiwilliges Soziales Jahr zu leisten.

Herausforderung: Reisen nicht möglich

Schwierig gestaltet sich der fehlende Kontakt zu den Menschen vor Ort auch für Maike Bettler. Sie hat den Saarbrücker Verein "Namayani Africa" gegründet. Dieser setzt sich in erster Linie für die Schulbildung an einer Grundschule in Lesoit, Tansania, ein. Auch in der Pandemie sei die Finanzierung stabil. Mit der Entwicklung eines Onlineshops habe man sich aber bereits um eine Alternative zur klassischen Spende bemüht.

"Die besondere Herausforderung momentan ist, dass wir nicht vor Ort sein können und alles über den Schriftverkehr mit den Einheimischen läuft. Das Internet in dieser Region ist schlecht und oft bekommt man erst nach vielen Tagen eine Antwort", sagt Bettler.

"Tierschutz leidet unter der Pandemie"

Die Saarländerin "Anash" setzt sich für eine andere Art von Hilfsprojekten ein: Die 30-jährige Tätowiererin ist unter anderem für den Tierschutz von Saarbrücken nach Nordrhein-Westfalen gezogen. Sie schätzt die Spendenbereitschaft der Menschen weniger stabil ein: "Das Engagement ist schwieriger geworden durch die Pandemie. Die Menschen spenden weniger." Außerdem seien viele Projekte wegen Corona nur noch eingeschränkt möglich - zum Beispiel Veranstaltungen in Tierheimen.

Seit Jahren setzt sich Anash für Tiere in Not ein, unter anderem zusammen mit Schauspieler und Tierschützer Ralf Seeger in einer bekannten TV-Show. Seeger beklagt: "Der Tierschutz ist in der Pandemie noch weiter nach hinten gerückt." Umso mehr Aufmerksamkeit möchte Anash auf Tiere in Not lenken - um die Menschen daran zu erinnern, dass Spenden auch in diesen Zeiten benötigt werden.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja