Ein Pfleger mit Schutzkleidung in der Isolierstation (Foto: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Wie sich die Omikron-Variante auf die Kliniken auswirkt

  28.01.2022 | 11:42 Uhr

Die Omikronwelle schlägt zusehends auch in den Kliniken auf. Vor allem auf Normalstation steigt die Zahl der positiv getesteten Personen. Bei einem Großteil dieser Patienten ist - anders als bei den Intensivpatienten - die Covid-Erkrankung aber nur ein Nebenbefund.

Am Mittwoch sind 209 Patienten mit einer Coronainfektion in den saarländischen Krankenhäusern behandelt worden, eine Woche zuvor waren es noch 139. Die Kurve auf Normalstation steigt wieder deutlich an.

Bei vielen Patienten Coronainfektion nur Nebenbefund

Bei einem Großteil der neu aufgenommen Patienten war aber offenbar nicht die Covid-Erkrankung der Einlieferungsgrund, wie aus Daten des Gesundheitsministeriums hervorgeht. Zuerst hatte die Bild-Zeitung darüber berichtet. Das Ministerium bezieht sich dabei auf das Meldesystem, mit dem grundsätzlich alle positiven Fälle an das Robert-Koch-Institut gemeldet werden.

"Noch ist die Lage an den Krankenhäusern ruhig"
Audio [SR 3, Interview: Thomas Jakobs, 28.01.2022, Länge: 04:32 Min.]
"Noch ist die Lage an den Krankenhäusern ruhig"

Demnach war bei 73 von mehreren Tausend Personen, die zwischen dem 12. und dem 26. Januar im Saarland positiv auf das Coronavirus getestet wurden, vermerkt, dass sie im Verlauf der Erkrankung ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Aber nur bei etwa jedem fünften Fall erfolgte die Aufnahme auch wegen einer Covid-Erkrankung.

Drei von vier Intensivpatienten wegen Covid eingeliefert

Anders das Bild bei den Intensivpatienten. Hier war bei drei von vier die Covid-Erkrankung auch der ursächliche Aufnahmegrund. Eine ähnliche Entwicklung war bereits während der Delta-Welle zu beobachten.

Die Daten sind mit einer gewissen Unsicherheit behaftet, da laut Gesundheitsministerium längst nicht bei allen Fällen im Meldesystem der Hospitalisierungsstatus angegeben ist und es zudem aufgrund eines Meldeverzuges noch zu Änderungen kommen kann.

Jeder positiv getestete Patient bedeutet höheren Aufwand

Auch wenn die durch die Omikron-Infektion verursachte Krankheitslast also mutmaßlich niedriger ausfällt, als es die Patientenzahlen vermuten lassen, macht es für die Belastung in den Krankenhäusern keinen Unterschied.

Für das Klinikpersonal bedeutet jeder Coronapatient einen höheren Pflegeaufwand, sagte Thomas Jakobs von der Saarländischen Krankenhausgesellschaft. Dabei sei es „egal, ob der Mensch wegen einer Coviderkrankung ins Krankenhaus kommt oder beispielsweise wegen eines Schienbeinbruchs“, so Jakobs. „Er muss isoliert werden, um für keinen anderen Patienten im Krankenhaus eine Gefahr darzustellen.“ Das bedeute einen deutlichen Mehraufwand.

Überwiegend noch Intensivpatienten aus der Delta-Welle

Derzeit steigt die Zahl der Patienten mit einer Corona-Infektion vor allem auf den Normalstationen an, während die Zahl der Intensivpatienten tendenziell noch rückläufig ist. Jakobs erklärt das mit den unterschiedlichen Virusvarianten. Die Menschen, die jetzt noch auf den Intensivstationen lägen, hätten sich meist in der Deltawelle infiziert. Die, die neu auf die Normalstationen kommen, seien hingegen mit großer Sicherheit mit der Omikronvariante infiziert.

Hauptlast in der Omikron-Welle wohl eher auf Normalstation

Jakobs hofft darauf, dass es auf den Intensivstationen zumindest nicht zu einem steilen Anstieg kommen werde. Aus anderen Bundesländern wisse man, dass die Zahl der intensivpflichtigen Patienten bei der Omikronvariante geringer ausfalle.

Davon ging zuletzt auch der Saarbrücker Corona-Experte Thorsten Lehr aus. Nach seinen Modellberechnungen könnten die Intensivstationen "mit einem blauen Auge davonkommen", während auf den Normalstationen höhere Belegungszahlen erreicht werden könnten als in den vorherigen Wellen.

Über dieses Thema berichtete die SR 3 Rundschau am 28.01.2022.

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